Klimawandel

4,6 Grad Abweichung - es wird wohl der wärmste Juni der Messgeschichte

Zehn Tage vor Monatsende lehnen sich österreichische Meteorologen schon weit aus dem Fenster: Der Juni 2019 könnte der wärmste Juni seit Messbeginn der ZAMG im Jahr 1767 werden.

Der Sommer in Österreich wird immer heißer SN/APA (Archiv)/ROLAND SCHLAGER
Der Sommer in Österreich wird immer heißer

Der Juni 2019 verlief von Beginn weg überdurchschnittlich warm und in den nächsten Tagen erwartet Österreich eine Hitzewelle mit Höchstwerten von 30 Grad und mehr.

"Der Juni 2019 wird den bisherigen Spitzenreiter, den Juni 2003, ziemlich sicher übertreffen", berichtete Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Freitag. "Berücksichtigt man die Prognose für die nächsten Tage, dann liegt der Juni 2019 in der Endabrechnung um 4,6 Grad über der Klimavergleichsperiode 1981 bis 2010. Der Juni 2003 lag 4,1 Grad Celsius über dem Mittel."

Etwas vorsichtiger zeigt sich Josef Haslhofer von der ZAMG-Dienststelle in Salzburg-Freisaal: "Es zeichnet sich natürlich ab. Aber erst wollen wir die Daten messen, dann überprüfen und danach publizieren. Wir haben ja noch gut ein Drittel dieses Monats vor uns."

Die für die kommende Woche vorausgesagte Hitzewelle könnte den Juni 2019 allerdings tatsächlich zum statistischen Spitzenreiter machen. Mit dem deutlich zu kühlen Mai pendeln sich die Zwei-Monats-Werte allerdings wieder auf Normalmaß ein. Ein schwacher Trost für jene, die ab Montag im Freien arbeiten müssen...

Messungen seit 252 Jahren

Die Auswertungen beziehen sich auf einen Datensatz der ZAMG, der mit 1767 startet und eine der weltweit längsten und hochwertigsten Datenreihen ist, wie die Zentralanstalt betonte.

Der Juni hat demnach einen der stärksten Temperaturanstiege aller Monate: Vom Ende der 1980er-Jahre bis zum Beginn der 2000er-Jahre wurde der Juni in Österreich im Mittel um 2,4 Grad wärmer.

"Unter den zehn wärmsten Juni-Monaten der Messgeschichte liegen acht aus den 2000er-Jahren", sagte Orlik. "Die Top Ten der wärmsten Juni-Monate sind: 2003, 2017, 1811, 2002, 1822, 2007, 2012, 2018, 2008, 2000. Und jetzt kommt ziemlich sicher 2019 als neuer Spitzenreiter dazu."

Der Grund für diesen außergewöhnlich warmen Juni war, dass seit Beginn des Monats durchgehend Luft aus Südeuropa nach Österreich strömte, zeitweise sogar aus Nordafrika. Die vor allem für Anfang Juni typischen Kaltlufteinbrüche, auch Schafskälte genannt, bleiben heuer völlig aus.

"Für den weiteren Verlauf dieses Sommers ist noch keine seriöse Prognose möglich", sagte Orlik. "Langfristprognosen deuten auf einen überdurchschnittlich warmen Juli und August in Mitteleuropa hin. Aber diese Saisonprognosen haben speziell bei uns im Alpenraum noch keine besonders gute Trefferquote."

Sicher ist auf jeden Fall: Die Sommer in Österreich werden immer heißer. Unter den 20 wärmsten Sommern der über 250-jährigen Messgeschichte liegen zwölf Sommer der 2000er-Jahre. Durch den extrem warmen Juni 2019 ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich auch der Sommer 2019 in dieser Rangliste weit vorne einreihen wird.

Quelle: APA

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