Klimawandel

Die Tropen rücken näher

Insekten bringen Krankheiten nach Europa, die es bisher nicht gab.

 SN/pixabay

Tropische Stechmücken wie die Asiatische Tigermücke gelangten auch schon in der Vergangenheit mit Warenlieferungen oder im Gepäck von Touristen nach Europa. Früher verendeten diese Insekten rasch im für sie unwirtlichen Klima: zu kalt. Doch der Klimawandel bringt mit sich, dass die Tiere hier zunehmend günstige Lebensbedingungen vorfinden, sodass sie sich vermehren können und mittlerweile schon große Populationen produzieren.

Fazit: In weiten Teilen Südeuropas, in Österreich, Frankreich und Deutschland existieren mittlerweile stabile Populationen tropischer Mücken. Fatal daran ist, dass die kleinen Reisenden typische tropische Krankheiten im Gepäck mitbrachten, die es bisher in Europa nicht gab. Die Forscher gehen davon aus, dass sich zwei Drittel dieser Erkrankungen infolge des Klimawandels mit ziemlicher Sicherheit weiter ausbreiten werden.

Natürlich muss man wegen dieser Entwicklung (noch) nicht fürchten, von jedem Insektenstich gleich krank zu werden. Von den weltweit 3000 Arten sind in Europa 104 zu finden. In Österreich gerade einmal 49. Die bekanntesten davon sind Haus- und Überschwemmungsgelsen. Ihre Stiche jucken, das war's dann aber auch schon. Experten der Veterinärmedizinischen Universität Wien warnten aber unlängst, dass in Österreich tropische Insektenarten wie die Tigermücke (Aedes albopictus) immer häufiger werden.

Auch die Japanische Buschmücke (Aedes japonicus) hat sich im Osten bereits etabliert und vom südlichen Burgenland nordwärts bis Niederösterreich ausgebreitet. Das Klima hier ist vergleichbar mit jenem in ihrer ursprünglichen Heimat Japan, deshalb fühlt sie sich hier wohl. Die Asiatische Tigermücke ist vorwiegend in Tirol entlang der Inntalautobahn auf dem Weg von Italien nach Deutschland zu finden, meist jedoch nur in Form von Eiern und Larven.

Gelbfieber, Zika und Dengue sind nur einige der Krankheiten, welche die asiatische Tigermücke überträgt. Auch Buschmoskitos sind potenzielle Überträger von Erregern für Infektionskrankheiten wie dem Denguefieber oder dem West Nil-Virus.

Bei etwa 80 Prozent der Infektionen verläuft die Erkrankung ohne Symptome, bei 20 Prozent kommt es zu grippeähnlichen Beschwerden. Der Tropenmediziner Egbert Tannich aus Hamburg hält die Gefahr für eher gering: "Mit Ausnahme des Chikungunya-Fiebers, das Fieber und Gelenkschmerzen auslöst, benötigen die Krankheitserreger für eine Übertragung immer noch hohe Temperaturen und das über einen längeren Zeitraum hinweg. Solche Sommer sind bei uns immer noch eher selten anzutreffen."

In verschiedenen Ländern Südeuropas komme es allerdings immer wieder zu Ausbrüchen des West-Nil- und des Dengue-Fiebers. Aus Italien und Frankreich seien zumindest Chikungunya-Ausbrüche bekannt - bei steigender Besiedlung mit Aedes albopictus und fortschreitender Erwärmung sei damit auch im Rest von Europa zu rechnen.

Das derzeit in Deutschland durchgeführte Mücken-Monitoring beinhaltet auch Untersuchungen zur so genannten Vektor- oder Überträgerkompetenz. Die Forscher testen, welche Mückenarten prinzipiell in der Lage sind, bestimmte Erregertypen zu übertragen. Theoretisch könnten tropische Krankheitserreger, wenn sie erst einmal hier sind, auch von einheimischen Mücken wie der Gemeinen Hausmücke weiterverbreitet werden. Unter Laborbedingungen kann diese in Europa häufige Art theoretisch durchaus tropische Erreger wie das West-Nil- oder das Japan-Enzephalitis-Virus übertragen. Doch wie gesagt: Noch ist es im Freiland dafür im Jahresschnitt zu kühl. Noch.

Um sich vor Steckmücken zu schützen, empfehlen Experten, lange Kleidung zu tragen oder so genannte Repellentien aufzutragen. Das sind Wirkstoffe, die von den Stechmücken über den Geruchssinn wahrgenommen werden und sie abschrecken, ohne sie zu töten. Denn es gibt auch durchaus etwas Gutes über die surrenden Quälgeister zu sagen: Im Gegensatz zu den Zecken haben sie eine wichtige Rolle in den Ökosystemen. Ihre Larven sind Nahrung für Fische, Libellenlarven und andere Wasserorganismen. Von den ausgewachsenen Stechmücken ernähren sich Fledermäuse, Vögel und auch andere Insekten.

Aufgerufen am 18.01.2021 um 09:05 auf https://www.sn.at/panorama/klimawandel/die-tropen-ruecken-naeher-31269052

Schlagzeilen