Klimawandel

Ein Sommer für die Rekordbücher

Juni, Juli und August 2021 gehörten zu den heißesten der Messgeschichte. Trotzdem verursachten Unwetter in der Landwirtschaft 220 Mio. Euro Schaden. Unter Experten wächst die Besorgnis.

Zahl der Hitzetage hätte früher Rekord bedeutet SN/APA/THEMENBILD/GEORG HOCHMUTH
Zahl der Hitzetage hätte früher Rekord bedeutet

Der Trend zu einem immer wärmeren Klima ist unübersehbar. So wird sich etwa der heurige Sommer unter die heißesten zehn der 255-jährigen Messgeschichte in Österreich einreihen. Was erschwerend hinzukommt: Von den fünfzehn wärmsten Sommern liegen zehn innerhalb der vergangenen 19 Jahre (2002, 2003, 2012, 2013, 2015, 2017, 2018, 2019, 2020 und 2021).

Bei der Zahl der Hitzetage (mindestens 30 Grad) war Österreich im Sommer 2021 zweigeteilt. Im Süden und Osten lag diese über dem Mittelwert der vergangenen 30 Jahre: Eisenstadt, Wien Hohe Warte und Graz Universität (jeweils 24) sowie in Klagenfurt (23) und St. Pölten (19). Knapp unter dem Mittel lag die Zahl der Hitzetage im Westen und Norden: Bregenz (6), Innsbruck Universität (19), Salzburg Flughafen (9) und Linz (12).

Die Gesamtbilanz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik: Der Sommer 2021 lag um 0,6 Grad über einem durchschnittlichen Sommer im Zeitraum 1991 bis 2020 und mit einer Abweichung von plus 2,4 Grad deutlich über einem durchschnittlichen Sommer im Zeitraum 1961 bis 1990.

"Die Erderwärmung ist längst auch in Österreich angekommen", warnte am Donnerstag der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger. Allein 2021 betrug der Schaden für die Landwirtschaft 220 Millionen Euro. In den vergangenen fünf Jahren wurde die Grenze zur Milliarde überschritten.

Weinberger prangerte "weltreisende" Lebensmittel ebenso an wie "Flüge von Wien nach Bukarest, die 7,90 Euro kosten", Straßenverkehr und Bodenverbrauch. "Es macht keinen Sinn, das Verkehrsproblem durch neue Straßen zu lösen. Wir werden die Klimaziele nicht erfüllen, wenn wir nicht harte Maßnahmen setzen." Weinberger lobte dagegen die geplanten Investitionen in den öffentlichen Verkehr in den kommenden zehn Jahren in der Höhe von 50 Milliarden Euro. Und die Landwirtschaft: "Da wurde sehr viel geleistet. Die CO2-Emissionen wurden um 14 Prozent reduziert."

Drastische Worte fand auch Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur. "Die Klimamodelle waren bislang sehr verlässlich. Sie haben die vergangenen 30 Jahre richtig erfasst. Deshalb ist ist nicht davon auszugehen, dass sie in den kommenden zehn Jahren danebenliegen werden." Und das bedeute nichts gutes. "Denn das ist eine extrem kurze Zeit, in der die Maßnahmen schon Wirkung zeigen sollten. Im Bewusstsein beginnt es schon zu greifen. Was wir jetzt brauchen, ist das Handeln." Was die Klimaforscherin dabei für entscheidend erachtet: "Worauf wir uns nicht einstellen können, ist ein ständiger Anstieg der Temperatur. Wir müssen uns stabilisieren. Das höhere Niveau sollte wirklich nicht über einer Zunahme von 1,5 Grad liegen. Wir haben es eilig." Kromp-Kolb ist überzeugt: "Wenn wir richtig reagieren, kann auch etwas wesentlich besseres entstehen. Das wird in unserem Fall sicher nicht klimafreundlicher, aber wir können viele andere Sachen korrigieren, die falsch laufen. Das Ergebnis ist eine bessere Lebensqualität trotz unfreundlicherem Klima."

Aufgerufen am 20.01.2022 um 10:22 auf https://www.sn.at/panorama/klimawandel/ein-sommer-fuer-die-rekordbuecher-108542593

Kommentare

Schlagzeilen