SN-Spezial

Energie aus Biogas : Der ehrgeizige Umstieg auf grünes Gas

Die heimische Gaswirtschaft will sich an der Reduktion der Treibhausgasemissionen beteiligen. Was verbirgt sich hinter 'Greening the Gas' und warum ist die Landwirtschaft Hoffnungsträger für CO2-neutrales Gas?

Ein Teil der in Österreich gewonnenen Gase wird bei der EVM in Margarethen am Moos verstromt, also in Strom umgewandelt. Es handelt sich hierbei um Österreichs größte Biogasaufbereitungsanlage zur Einspeisung von Biomethangas.  SN/fgw/ludwig
Ein Teil der in Österreich gewonnenen Gase wird bei der EVM in Margarethen am Moos verstromt, also in Strom umgewandelt. Es handelt sich hierbei um Österreichs größte Biogasaufbereitungsanlage zur Einspeisung von Biomethangas.

Keine Frage: CO2 ist der Feind. Weg von den fossilen Brennstoffen, rein in die Energiewende, runter mit den Treibhausgasen - in der aktuellen Gemengelage von politischen Absichtserklärungen, Schlagworten und echten Erfolgen Schritt für Schritt ist es nicht leicht, den Überblick zu bewahren. Fest steht: Das mit der E-Mobilität wird noch dauern, das Wasserstoffauto ist noch in weiter Ferne und für den Umstieg auf Erdgas-Kfz konnten sich bislang nur überraschend wenige Fahrzeughalter begeistern.

Fest steht auch: Ohne Gas wäre unser Alltag nicht zu bewältigen. Ein Großteil der privaten Haushalte wird mit diesem Energieträger beheizt, und auch in der Industrie ist Erdgas aktuell unabdingbar. Doch Gas ist nicht gleich Gas. Der Großteil wird importiert und spült Geld in Putins Kassa, doch sogenanntes Biogas gewinnt hierzulande an Bedeutung.

Doch sind die Hoffnungen, dass dieses Biogas ein Teil der Lösung sein könnte, berechtigt? Was steckt hinter der Absichtserklärung, die Dekarbonisierung mit erneuerbaren Gasen voranzutreiben, wie es die heimische Gaswirtschaft angekündigt hat? Und verbirgt sich hinter dem Begriff "Greening the Gas" mehr als ein PR-Versprechen?

In einer fünfteiligen Serie werden wir versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen, und über einen Teil der Energiewende berichten, der gar nicht so unwichtig ist, aber alles der Reihe nach:

Grünes Gas: Umstieg auf "erneuerbar"

Die heimische Gaswirtschaft will sich zunehmend selbst als Anbieter von "grünem" Gas positionieren: Bis 2050 möchte die Branche nach eigenen Angaben erstens den gesamten derzeitigen Gaseinsatz im Raumwärmemarkt - also alle Gasheizungen und die gesamte Fernwärme - auf "erneuerbare Beine" stellen. Ein ehrgeiziges Unterfangen, wenn man sich ansieht, wie importabhängig Österreich ist. Und zweitens will man mit der Forcierung von Gasfahrzeugen einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Mobilität leisten - mehr dazu in einer der nächsten Serienteile.

Hoffnungsträger Landwirtschaft: CO2-neutrales Gas aus der Tier-und Pflanzenproduktion

Doch woher soll dieses grüne, "gute" Gas kommen? - Richtig: aus der heimischen Landwirtschaft. Aktuelle Studien wie jene der Linzer Johannes-Kepler-Uni belegen, dass es hier ein gewaltiges Potenzial gibt, welches großteils brachliegt: Das "grüne", sprich CO2-neutrale Gas soll zukünftig verstärkt aus den Reststoffen der Tier- und Pflanzenproduktion, aus Klärschlamm und aus überschüssigem Erneuerbaren-Strom gewonnen werden.

Das Thema Biogas ist nicht neu, jedoch etwas aus dem Fokus verschwunden. Grundsätzlich ist der Erfolg davon abhängig, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen abgesteckt werden, konkret: ob die Regierungen (Bund, Land) es wollen und zulassen, dass diese Form der nachhaltigen Energiegewinnung überhaupt kostendeckend betrieben werden kann.

Biogasanlagen: Erst Boom, dann Ernüchterung

Kurzer Rückblick: Ausgelöst durch das erste bundesweit einheitliche Ökostromgesetz im Jahr 2002 stieg die Zahl der heimischen Biogasanlagen - und ihre Leistung hat sich in fünf Jahren mehr als vervierfacht.

Waren die Anlagen vor 2002 geprägt vom Einsatz von Wirtschaftsdüngern - organische Abfälle wurden zu Gas vergoren -, so setzen die nach 2002 errichteten Biogasanlagen großteils nachwachsende Rohstoffe und Wirtschaftsdünger ein. Anfangs liefen die Betriebe recht gut und es herrschte Aufbruchstimmung in der Branche. Doch ab 2007 stiegen die Rohstoffpreise massiv an. Gleichzeitig musste man sich eingestehen, dass die Wartungskosten der technisch anspruchsvollen Biogasanlagen viel höher waren als kalkuliert. Die Stromgestehungskosten aus Biogas lagen damit in Summe deutlich über den verordneten Einspeisetarifen.

Zudem führte die nicht zu Ende gedachte Novellierung des Ökostromgesetzes zu einer drastischen und heftig kritisierten Verschlechterung der Rahmenbedingungen. Etliche Betriebe mussten Konkurs anmelden und die Zahl der neuen Anlagen war minimal.

Als Ausgleich für die gestiegenen Rohstoffkosten wurde 2008 der Rohstoffkostenzuschlag eingeführt. Mit der Ökostromgesetznovelle 2012 versuchte der Gesetzgeber die Attraktivität im Ausbau von Ökostrom zu steigern. Immerhin: Für die bestehenden Biogasanlagen wurde der Betriebskostenzuschlag eingeführt. Damit können nunmehr neben den Mehrkosten der Rohstoffe auch die Wartungskosten abgegolten werden. Es gab überdies Bonuszahlungen und die Festlegung von konkreten Zielen. Auch hat sich die Technik der Biogasanlagen stark verbessert: Dank der jüngsten Investitionen in die Wärmenutzung konnte der Brennstoffnutzungsgrad kontinuierlich erhöht werden und beträgt derzeit durchschnittlich 60 Prozent.

Bedeutung von erneuerbarer Energie zur Verringerung der Treibhausgasemissionen steigt

Experten gehen davon aus, dass im heimischen Energiemix Biogas künftig an Bedeutung gewinnen wird. Das liegt zum einen am energiepolitischen Maßnahmenplan der EU. Dieser sieht vor, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 40 Prozent und bis 2050 um bis zu 95 Prozent zu reduzieren. Zum anderen liegt es an der österreichischen Landwirtschaft, die ein enormes Potenzial für die Produktion von Biogas besitzt - und vermehrt die Chancen daraus nutzt.

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Energie aus Biogas: Zukunft erneuerbares Erdgas

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