Klimawandel

Neuer Rekord: 2020 mit 30 Tropenstürmen in den USA

Nordamerika ist im vergangenen Jahr von so vielen Hurrikanen und Stürmen heimgesucht worden wie noch nie. 30 Tropenstürme über dem Nordatlantik zählte die Münchener Rück in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Naturkatastrophen-Bericht 2020. Elf sind es im langjährigen Durchschnitt, 28 waren es im bisherigen Rekordjahr 2005. Allein zwölf Wirbelstürme schafften es bis an die US-Küste, so viele wie nie. 13 erreichten Hurrikan-Stärke.

Tropic Thunder: Der Hurrikan „Laura“ nähert sich am 26. August der US-Golfküste.  SN/afp/rammb/noaa/nesdis
Tropic Thunder: Der Hurrikan „Laura“ nähert sich am 26. August der US-Golfküste.

"Das ist schon fast eine neue Dimension", zeigte sich Ernst Rauch, der Chef-Klimatologe des Rückversicherers, besorgt. Wissenschafter seien zwar noch dabei, die Gründe dafür zu suchen, aber: "Es gibt Indizien, dass der Klimawandel dabei eine Rolle spielt."

Weltweit stiegen die Schäden durch Stürme, Überschwemmungen, Waldbrände und andere Naturereignisse im vergangenen Jahr auf 210 (2019: 166) Milliarden Dollar (170,21 Mrd. Euro), die Versicherer mussten für 82 (57) Milliarden Dollar (66,46 Mrd. Euro) einstehen. Ein Rekordjahr sei 2020 zwar nicht gewesen, sagte Rauch. Insgesamt zählte der Münchner Rückversicherer 980 (860) größere Naturkatastrophen, bei denen 8.200 (9.400) Menschen ums Leben kamen. "Aber das Jahr liegt im Trend einer langfristigen Entwicklung, in der die Schäden - vor allem wetterbedingt - zunehmen." Hitzewellen und Dürren schüren Waldbrände an, hohe Wassertemperaturen heizen schwere Unwetter an.

Münchener-Rück-Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek appellierte an die Politik: "Vor fünf Jahren hat sich die Welt in Paris das Ziel gesetzt, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten. Es ist Zeit zu handeln."

Der Blick auf die Naturkatastrophen wurde von der Corona-Pandemie und ihren Folgen 2020 weitgehend überschattet. Rauch macht sie aber auch Hoffnung: "Durch die Corona-Pandemie sind Natur und Umwelt stärker auf den Radarschirm gekommen, weil sie unsere Verwundbarkeit offen gezeigt hat." Europa habe bei seinem Wiederaufbauprogramm bereits ein Schwergewicht auf Umwelt- und Klima-Themen gelegt. Selbst China habe sich dazu verpflichtet, bis 2060 klimaneutral zu werden. "Das wird nur gehen, indem man die Industrie massiv umbaut", sagte der Wissenschafter. "Deshalb bin ich, was den Klimaschutz betrifft, optimistischer als vor einem Jahr."

Mit zehn Milliarden Dollar war "Laura" für die Versicherer 2020 der teuerste Einzelschaden. Insgesamt richtete der Hurrikan rund um den Golf von Mexiko 13 Milliarden Dollar (10,54 Mrd. Euro) Schaden an. Auf die USA entfielen sechs der teuersten zehn Naturkatastrophen. Für den größten Naturkatastrophen-Schaden des Jahres mussten die Versicherer dagegen kaum einstehen: Nach dem Sommerhochwasser in China bilanzierte die Münchener Rück rund 17 Milliarden Dollar (13,78 Mrd. Euro) Schaden - doch nur 350 Millionen davon waren versichert. Denn in den Entwicklungs- und Schwellenländern Asiens macht der Konzern immer noch eine große Versicherungslücke gegen Naturkatastrophen aus. In China etwa verlasse sich die Landwirtschaft bei Ernteausfällen fast ganz auf staatliche Hilfen, privater Besitz sei kaum versichert, sagt Rauch.

Das werde sich aber mit zunehmendem Wohlstand ändern, zeigt sich der Fachmann überzeugt. Versicherer und Rückversicherer stünden dann bereit. "Die Branche hat ihre Kapazitäten in diesen Ländern längst nicht ausgeschöpft. Anders als in den USA, wo die Kapazität für Hurrikan-Schäden endlich ist", erklärte Rauch. Dort seien Gewitter, Hurrikane und Waldbrände aber - bis auf Schäden an staatlichen Einrichtungen - praktisch voll abgesichert. Doch müsse wegen der steigenden Schäden mit höheren Preisen gerechnet werden. "Dass Naturkatastrophen-Risiken nicht mehr versicherbar sind, befürchte ich auf absehbare Zeit nicht."

Quelle: Apa/Reuters

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