Krebs - viele Erfolge und viel Angst

Der Fortschritt in der Krebstherapie ist enorm. Immer mehr Patienten überleben immer länger. Aber die Angst bleibt. Auch bei Angehörigen.

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Panorama Josef Bruckmoser


In den USA gelten bereits zwölf Millionen Menschen als Langzeitüberlebende nach einer Krebserkrankung. Eine Statistik in Österreich fehlt. Aber Faktum ist, dass bei immer mehr bösartigen Tumoren die Therapien besser greifen. Im Schnitt leben Krebspatienten heute drei Jahre länger als noch 1980. Das mag wenig erscheinen, aber wen eine Krankheit auf Leben und Tod trifft, für den verschieben sich die zeitlichen Maßstäbe.

Krebs macht Angst, und das nicht ohne Grund. 40.000 Menschen erkranken jährlich in Österreich. Jeder zweite Mann und jede dritte Frau bekommen irgendwann einen bösartigen Tumor. Auch wenn die Mortalitätsrate insgesamt sinkt - die Angst bleibt, nicht zuletzt bei den Angehörigen.

Daher ist es erstens zweifellos wichtig, dass neben der bestmöglichen medizinischen Betreuung die psychologische und psychotherapeutische Hilfe mehr Stellenwert erhält. Jede schwere Krankheit trifft den Menschen in seiner ganzen Persönlichkeit. Das gefürchtete "K"-Wort wirft ihn aus der Bahn und stellt sein gesamtes Lebenskonzept in Frage.

Zweitens muss Österreich an der internationalen Krebsforschung dranbleiben. Die großen Universitätskliniken sind da gut aufgestellt und haben durch ihre hohe wissenschaftliche Kompetenz Zugang zu den neuesten Daten und Medikamenten. Sehr zum Wohl österreichischer Patienten. Aber Zentralisierung um jeden Preis ist nie heilsam. Auch kleinere Einheiten haben ihr Gutes. Schnelle Datenleitungen erlauben eine enge Vernetzung mit den hochkarätigen Zentren. Ein Medizinerstreit darüber, wer welche Patienten behandeln darf, wäre nur Profilierungssucht auf dem Rücken der Betroffenen.

Drittens ist die Debatte über die hohen Kosten von Krebstherapien - "die dann eh nicht helfen" - zu relativieren. Wenn nicht jeder Patient die für ihn bestmöglichen Medikamente bekommt, schlittern wir in eine Zwei-Klassen-Medizin. Am Geld darf keine Hilfe scheitern, ohne Ansehen der Person.

Nicht zuletzt ist die Gesellschaft, sind wir alle aufgefordert, Krebskranke am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis nicht fallenzulassen. Ihre Krankheit ist auch eine Anfrage an unsere Stress- und Leistungs-Unkultur. Im Ernstfall geht es im Leben um viel, viel mehr.

Aufgerufen am 16.04.2021 um 12:17 auf https://www.sn.at/panorama/krebs-viele-erfolge-und-viel-angst-6370330

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