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25. Todestag von Magda Schneider: Romys Mutter, Hitlers Liebling?

Sie war die Mutter der legendären Romy Schneider: Magda Schneider. Vor 25 Jahren starb die Schauspielerin, deren Vita umstritten ist.

Zu Salzburg hatte die berühmte Schauspielerin Magda Schneider einen besonderen Bezug: Mehrmals war sie etwa in Produktionen am Salzburger Landestheater zu sehen. Unweit der Landeshauptstadt drehte sie gemeinsam mit ihrer Tochter Romy unter anderem im Schloss Fuschl - für ihre legendäre Rolle als herzliche Mutter in Ernst Marischkas "Sissi"-Filmreihe.

Vor alpiner Kulisse befindet sich auch ihr Grab auf dem Bergfriedhof in Schönau am Königssee. Während ihre Tochter Romy Schneider Ende 1982 mit 43 Jahren starb, wurde ihre Mutter Magda mehr als doppelt so alt: Sie starb am 30. Juli 1996 im Alter von 87 Jahren. Auch 25 Jahre nach ihrem Tod ist das Leben des einstigen Ufa-Stars (Universum-Film-AG) noch Spekulationsstoff.

Magda Schneider sei friedlich in ihrem Bauernhaus eingeschlafen, hieß es am Tag nach ihrem Tod, am 31. Juli 1996. Das hübsche "Haus Mariengrund" in Schönau bei Berchtesgaden war seit Mitte der 30er-Jahre ihr Refugium. Hier verlebte auch die kleine Romy ihre Kindheit. Das Haus steht nicht weit vom Obersalzberg entfernt, also dem Bergrücken am fast 1900 Meter hohen Kehlstein, auf dem Adolf Hitler sein Landhaus zum repräsentativen Berghof ausbauen ließ.

Der Obersalzberg wurde in den 30er-Jahren sogenanntes Führersperrgebiet und war so etwas wie die heimliche Hauptstadt - ein zweiter Regierungssitz der Nazis, neben Berlin. Hitler verbrachte auf dem Anwesen ein Drittel seiner Regierungszeit, zusammengerechnet also fast vier Jahre.

Magda Schneider war dort auch zu Gast, Hitler war ein Fan ihrer Schauspielkunst. Die junge Mimin wusste sich der Zuneigung des Diktators nicht zu erwehren. Oder wollte sie das gar nicht? Magda Schneider sei eine Opportunistin gewesen, sowohl bei den Nazis als auch später in den 50ern, sagt die Publizistin und Feministin Alice Schwarzer in der Doku "Ein Abend mit Romy" von 2017, die auf einem ausführlichen Gespräch mit Romy Schneider im Jahr 1976 beruht.

Schwarzer sagt darin auch, Schneider habe ihr damals anvertraut, dass sie glaube, ihre Mutter habe eine Affäre mit Hitler gehabt. Sie glaube das zwar nicht, betont Schwarzer, und nehme höchstens im übertragenen Sinne eine Beziehung an, doch führten diese Worte zum Wiederaufwärmen alter Gerüchte. Romys Ex-Mann Daniel Biasini empörte sich in der "Gala", das sei "falsch" und "absolut grotesk".

Schon 2009 mussten wegen behaupteter Nazi-Nähe von Magda Schneider Textpassagen des Romy-Romans "Ende einer Nacht" geschwärzt werden. Von den beanstandeten Stellen durfte lediglich der Satz "Mammerli war ein Nazi-Schatz" verbreitet werden, weil es sich dabei "um keine Schmähkritik" handle, urteilte das Landgericht Frankfurt. Das "postmortale Persönlichkeitsrecht" stehe über der Kunstfreiheit.

Der Werdegang der 1909 in Augsburg geborenen Installateurstochter Magda Schneider glich zunächst einem Traum. Nach ersten Berufsjahren als Stenotypistin ließ sie sich als Sängerin ausbilden. Erste größere Erfolge hatte sie am Münchner Gärtnerplatztheater mit Operetten. Ab den frühen 30ern wurde sie zum Kinostar, etwa mit "Zwei in einem Auto" (1931).

Die künstlerisch wohl wichtigste Rolle gab ihr Max Ophüls in der Verfilmung von Schnitzlers "Liebelei" (1933); eine Rolle, die später auch Tochter Romy in "Christine" (1958) an der Seite von Alain Delon verkörperte. Magdas langjähriger Filmpartner, der Österreicher Wolf Albach-Retty, wurde 1936 ihr erster Ehemann und Vater ihrer zwei Kinder Romy (1938) - eigentlich Rosemarie - und Wolf-Dieter (1941).

Nach der Scheidung heiratete sie 1953 den Kölner Gastronomen Hans Herbert Blatzheim. Ihre Karriere bekam neuen Schwung, als sie es vermochte, ihre Propagandafilm-Vergangenheit mit dem Talent der jungen Tochter zu überdecken. Romys Charisma überstrahlte alles.

Blatzheim plante eigennützig die Karriere der minderjährigen fotogenen Romy, bis sich die Stieftochter dagegen wehrte. Der Wirtschaftswunder-Profiteur sah in dem Teenager nur ein glamouröses Gesicht und bedrängte sie auch. Das Verhältnis blieb angespannt und schaffte auch ein distanzierteres Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. 1965 eröffnete Blatzheim im neuen Europa-Center in Berlin Restaurants mit Romy Schneider als Stargast. Er starb 1968.

Schließlich wurde der Kameramann Horst Fehlhaber der Lebensgefährte von Magda Schneider. Er umsorgte die zuletzt fast Erblindete bis zum Schluss. In ihren Erinnerungen "Wenn ich zurückschau ..." beschrieb sie ihr stets aufrechterhaltenes Selbstbild: "Ich war nie ein Luxusweibchen, sondern das, was ich oft auf der Leinwand gespielt habe: eine Frau aus dem Volk, die das Mundwerk und das Herz auf dem rechten Fleck hat."

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