Medien

Knappe Mehrheit für den langjährigen ORF-Chef

Alexander Wrabetz hat das Rennen um die Leitung des ORF gemacht. Damit geht er in seine dritte Amtsperiode. Was er vorhat und warum er das Publikum noch stärker einbinden will.

Die Wahl des ORF-Generals ist geschlagen, der Stiftungsrat hat den neuen ORF-General bestellt. Der amtierende ORF-Chef Alexander Wrabetz wurde am Dienstag zum ORF-Generaldirektor gewählt. Der von der SPÖ unterstützte Wrabetz erreichte im obersten ORF-Aufsichtsgremium 18 von 35 Stimmen und kam auf eine knappe Mehrheit. Auf seinen Kontrahenten Richard Grasl entfielen 15 Stimmen. Wrabetz ist damit der erste ORF-Chef, der dreimal in Folge zum Generaldirektor bestellt wurde. Die Mitglieder des Stiftungsrats werden von Regierung, Parteien, Bundesländern, ORF-Publikumsrat und Betriebsrat beschickt und sind - abgesehen von wenigen Ausnahmen - in parteipolitischen "Freundeskreisen" organisiert. Wegen der knappen Mehrheitsverhältnisse geben vor allem die Vertreter der Opposition sowie Unabhängige den Ausschlag. 18 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig. Jeder Stiftungsrat erhält einen Stimmzettel, der einzeln in einer Wahlzelle ausgefüllt und in eine Wahlurne eingeworfen wird. Danach wird das Ergebnis ausgezählt, protokolliert und das Gremium wird über das Wahlverhalten der einzelnen Stiftungsräte informiert.

In einer Pressekonferenz nach der Wahl zum ORF-General sagte Wrabetz: "Es ist etwas sehr Besonderes, dass diese Bestellung heute erfolgt ist." Er werde sich bemühen, das Unternehmen wieder aus der öffentlichen Diskussion herauszunehmen. Der ORF müsse in den kommenden fünf Jahren entscheidend weiterentwickelt werden.

Im Vorfeld habe es keinerlei Vereinbarungen über die Positionen, die jetzt bestellt werden, gegeben. "Ich glaube, dass es spannende Jahre werden. Der ORF ist in einer entscheidenden Phase. Wir müssen den Technologiewandel zur vollen Digitalisierung schaffen", sagte er weiters. Der Dialog mit dem Publikum sei ein weiterer wichtiger Punkt. Da der ORF von 90 Prozent aller ÖsterreicherInnen mindestens einmal genutzt werde, werde sich der Schwerpunkt auf die Interaktion mit dem Publikum verlegen.

"Super-Alex" hat gewonnen

Alexander Wrabetz will als erster ORF-Generaldirektor 15 Jahre am Stück im Amt bleiben. Das hat noch nicht einmal Gerd Bacher geschafft. In der bisherigen Amtszeit erwies sich der heute 56-Jährige als Stehaufmanderl. Studiert hat der Wiener Jus, politisch dockte er beim Verband Sozialistischer Studenten an. Dann zog es ihn in die Bankenbranche, ehe er zur ÖIAG wechselte. Ins ORF-Kuratorium (heute Stiftungsrat) kam er 1995, drei Jahre später wurde er kaufmännischer Direktor. 2006 - es regierte Schwarz-Orange - wurde er entgegen der Machtverhältnisse im Stiftungsrat zum Generaldirektor gewählt, Monika Lindner musste weichen.

Wrabetz steht nicht im Ruf, von raschem Entschluss zu sein. Er brauche immer "ein bisserl, bis er in die Gänge kommt", heißt es. Und werde es unangenehm, gehe er gern einmal in Deckung. Andererseits zog er ein rigides Sparprogramm durch, das 600 Leuten den Job kostete, den ORF aber aus den roten in die schwarzen Zahlen brachte. Vor der Wahl umriss er im SN-Interview grob seine Pläne:

Direktion

"Dass ich einen Kaufmännischen, einen Technischen und einen Programmdirektor haben werde, ist ja schon bekannt. Zusätzlich würde es zwei weitere Funktionen geben: einen Direktor Radio und einen Direktor Online, der zwar nicht direkt vom Stiftungsrat bestellt wird, aber auf gleicher Ebene mit den anderen Direktoren arbeiten wird."

Programm-Pläne

"Die Vorgabe, das amerikanische Angebot durch österreichische Produktionen zu ersetzen, darf man sich nicht zu einfach vorstellen. Sonst hätte der Kaufmännische Direktor ja jetzt schon mehr Geld dafür zur Verfügung stellen können. Aber ja, da kann man mehr tun. Die Wertigkeit des US-Programms geht zurück. Bis Ende der Periode soll die Abkehr substanziell sein."

Informationsschiene

"Es ist eine neuartige, längere Informationssendung geplant, Arbeitstitel "@1". Da wollen wir nicht nur Kurzinformationen, sondern Hintergründe für die Millennial-Generation anbieten. Diese Sendung soll auch als durchgängiges Streaming-Produkt online angeboten werden."

Spartensender

"Ich bin der Meinung, dass der weitere Ausbau von ORF III Priorität hat. Und bei den knappen Mitteln ist es nicht machbar, noch einen Sender zu starten. Zudem ist es rechtlich nicht möglich, solch einen Kanal 2017 zu lancieren."

Landesstudios

"Die Landesstudios haben gezeigt, dass sie mit den Budgetmitteln haushalten können. Da möchte ich bis Jahresende eine Neuregelung durchbringen."

Der Ablauf der Wahl

Neben den 13 Vertretern des SPÖ-"Freundeskreises" im Stiftungsrat erhielt der ORF-Chef auch die Stimmen der zwei unabhängigen links stehenden Betriebsräte Christiana Jankovics und Gerhard Moser, die des Kärntner Stiftungsrats Siggi Neuschitzer, des Grünen Wilfried Embacher sowie von NEOS-Stiftungsrat Hans Peter Haselsteiner. Wrabetz Herausforderer Richard Grasl kam auf 15 Stimmen und wurde von 13 Vertretern des ÖVP-"Freundeskreises" gewählt. Daneben wählten FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger und Team Stronach-Vertreter Günter Leitold den von der ÖVP favorisierten Kandidaten.

Die unabhängige Betriebsrätin Gudrun Stindl sowie der unabhängige Regierungs-Stiftungsrat Franz Küberl, der wegen des Todesfalls eines engen Freundes nicht an der Sitzung teilnehmen konnte, sein Votum aber durch die bürgerliche Stindl übermitteln ließ, enthielten sich nach APA-Informationen der Stimme. Küberl wollte offenbar nicht Teil des Matches SPÖ gegen ÖVP sein und zugleich ein Zeichen gegen den Druck setzen, der in den vergangenen Tagen auf ihn persönlich und über Dritte ausgeübt wurde.

Die Wahlentscheidung war letztlich auch eine politische Lagerwahl: SPÖ, Grüne, NEOS und Unabhängige für Wrabetz, ÖVP, FPÖ und Team Stronach für Grasl. Für Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), der sich im Vorfeld der ORF-Wahl klar für Wrabetz ausgesprochen hatte, bedeutet die Bestellung seines Kandidaten nach der Niederlage bei der Wahl des Rechnungshofpräsidenten eine Stärkung.

Aufhorchen ließ dabei FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger. Der Freiheitliche erklärte noch vor der Wahl, dass er ohnehin damit rechne, dass es im kommenden Jahr zu einem Regierungswechsel mit freiheitlicher Beteiligung komme. "Das ist eine Abstimmung für ein Jahr, ab 1. Jänner, dann gibt's Neuwahlen. Die Freiheitliche Partei hat mich bereits beauftragt, ein neues ORF-Gesetz zu machen, denn ohne Reformen wird's nicht gehen", stellte Steger einen Machtwechsel im ORF für 2018 in Aussicht.

Der Grüne Stiftungsrat Wilfried Embacher begründete seine Wahlentscheidung für Wrabetz mit Skepsis über Grasls Führungskonzept. Er befürchtete zu viel Machtfülle bei der von Grasl konzipierten neuen Generaldirektion. Zugleich bestätigte Embacher, dass es in der Grünen Partei auch Stimmen gegeben habe, die für Grasl plädierten. Der ursprünglich von BZÖ/FPK bestellte und später von der SPÖ-geführten Landesregierung unter Landeshauptmann Peter Kaiser verlängerte Kärntner Stiftungsrat Siggi Neuschitzer nannte Wrabetz' Informationskonzept sowie die Technik-Pläne der beiden Bewerber als Hauptgründe für sein Votum Pro-Wrabetz.

Bisherige Generalintendanten und -direktoren des ORF
Quelle: SN

Aufgerufen am 20.09.2018 um 08:43 auf https://www.sn.at/panorama/medien/alexander-wrabetz-bleibt-generaldirektor-des-orf-1174972

Schlagzeilen