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Alpen, Adel, schnelle Autos - Chinesen planen Kinofilm in Bayern

Die Alpen sind für viele Chinesen Sehnsuchtsorte. Nun soll der Freistaat Kulisse für einen Kinofilm werden. Auch Albert von Thurn und Taxis zieht die Fäden.

Für 16 Millionen Euro wollen Produktionsfirmen der Volksrepublik mit deutschen Partnern in Bayern 2017 den Kinostreifen "Love of Alps" drehen. Der Film solle für die Chinesen so etwas wie "mentaler Wellnessurlaub" werden, sagt Regisseurin Tang Dan. Deshalb arbeitet sie an einer romantischen Action-Komödie mit einer chinesischen Millionenerbin, einem deutschen Prinzen und einem Meisterdieb. Damit es authentisch wird, haben die Filmemacher fürstliche Unterstützung: Albert von Thurn und Taxis berät das Team - der 33-Jährige ist prominenter Vertreter des Hochadels und obendrein begeisterter Rennfahrer.

Die Geschichte dreht sich um Tang Tang - aus schwerreichem Hause und wunderschön. Mit ihrer großen Liebe Prinz Edward teilt die 20-Jährige die Leidenschaft für Autorennen. Der begehrte Junggeselle hat einen noblen Stammbaum, zählt er doch einen deutschen Kronprinzen zu seinen Ahnen. Das Glück ist jedoch in Gefahr. Edward muss ein großes Rennen gewinnen, um die Familienschulden zu tilgen. Außerdem sorgt seine eifersüchtige Ex-Freundin Isabella für Ärger, selbst Spross der königlichen Familie. Unterdessen plant der Meisterdieb Xiaofei einen Coup. Um seine todkranke Mutter zu retten, will er in Europa aus dem Schatz der königlichen Familie einen antiken Jade-Buddha klauen und verbündet sich dazu mit der chaotisch-hübschen Kunststudentin An An.

Alpine Klischees mit Erfolgsgarantie

"Die Kombination aus Adel, Rennsport und bayerischem Setting bedient die Klischees von dem, was Deutschland ist", sagt Anke Redl, die für German Films, der Auslandsvertretung des deutschen Films, in Peking sitzt. Gerade bayerische Automarken stehen bei den Chinesen hoch im Kurs - die Kader der kommunistischen Partei fahren gerne Fahrzeuge der Marke Audi. Fehlt nur noch der FC Bayern mit seinen Starkickern, findet auch Redl: "Wenn Fußball dabei wäre, wären die wichtigsten Schlüsselwörter erwähnt."

Die meisten Rollen sind bereits vergeben. Nachwuchsschauspielerin Lin Yun spielt Tang Tang, Eddie Peng den Dieb. Nur Edward, "schnellster Prinz der Welt", wird noch gesucht. "Es wird auf jeden Fall ein Darsteller sein, der in China durch internationale Blockbuster bekannt ist", erklärt Produzent Helmut Hartl von der Produktionsfirma Embassy of Dreams mit Sitz in München und Berlin, die nach Werbe- und Imagefilmen damit ihren ersten Spielfilm plant.

Im April 2017 sollen die Dreharbeiten auf Chinesisch und Englisch starten, auch mit Blick auf den US-Markt, und dem Freistaat mehrere Millionen Euro bescheren. Schließlich werde nur etwa ein Zehntel des 16 Millionen Euro teuren Films in China gedreht. 25 bis 30 Prozent seien Gagen, unter anderem "für chinesische Stars mit ihrem doch ernstzunehmenden Honorarspiegel", wie Hartl es formuliert.

Das dürfte auch dem FilmFernsehFonds Bayern (FFF) gefallen, den die deutsch-chinesische Produktion um Fördergelder bitten will. "Im Moment wird Bayern sehr stark von internationalen Produktionen frequentiert", berichtet die stellvertretende FFF-Geschäftsführerin Gabriele Pfennigsdorf. Sollte "Love of Alps" klappen, wäre sie "nicht unfroh". "Das wäre das erste große Projekt mit Asien für Bayern", erklärt sie, vergleichbar mit Produktionen wie "Der Baader Meinhof Komplex" oder "Fack ju Göhte". Dass Fördergelder tatsächlich im Freistaat bleiben, dafür soll der Bayern-Effekt sorgen, festgelegt in den Richtlinien des FFF: Wer Geld bekommt, muss es auch hier ausgeben, für Reisekosten, Hotels, Catering, Produktionsfirmen, Gagen und vieles mehr.

Schloss Neuschwanstein als Aushängeschild

Redl kann sich gut vorstellen, dass der Film in China ankommt. Die Erwartungen sind hoch, die Produzenten wollen ihn dort mit rund 5000 Kopien ins Kino bringen. Was dort funktioniere, seien Blockbuster aus Hollywood wie "Fast and Furious", aber auch leichtere Komödien und Kung-Fu-Filme, gerne aus China selbst.

Die chinesischen Filmemacher reizt zum einen die gute Infrastruktur der deutschen Filmbranche. Außerdem setzen die Macher auf die Anziehungskraft, die idyllische Almwiesen, historische Bauten und Alpengipfel auf die zunehmend reiselustigen Chinesen ausüben. Regisseurin Tang ist sicher, dass das klappt, auch wenn die Drehorte noch nicht feststehen. Einen Wunschort hat sie aber bereits: "Schloss Neuschwanstein ist so bekannt, alle Chinesen wollen hier heiraten."

Quelle: Dpa

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