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"Auserwählt und ausgegrenzt": Judenhass-Doku wird nun doch gezeigt

Nach langen Diskussionen zeigen das Erste und auch Arte einen Film über Antisemitismus. Der Kultursender macht dies ausdrücklich für seine französischen Zuschauer.

Der Bildschirm bleibt nun doch nicht schwarz (Symbolbild). SN/photos.com
Der Bildschirm bleibt nun doch nicht schwarz (Symbolbild).

Manchmal geben Filme schon Anlass zur Diskussion, obwohl sie ein Großteil des Publikums noch gar nicht kennt. So auch die neue 90-Minuten-Dokumentation "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa". Die Auftraggeber, Arte und der Westdeutsche Rundfunk (WDR), entschieden sich nach Fertigstellung gegen eine Ausstrahlung. Die Autoren Sophie Hafner und Joachim Schroeder hatten aus Sendersicht zu viel im Nahen Osten statt in Europa gedreht und zu viele Tatsachenbehauptungen ohne Beleg stehen lassen - das waren die Kernvorwürfe.

Doch dann kam das Portal bild.de und zeigte den Film für einen Tag. Mittlerweile ist er auch bei YouTube zu sehen. Am Freitag gab die Programmdirektion des Ersten bekannt, ihn an diesem Mittwoch um 22.15 Uhr "trotz ihrer handwerklicher Mängel", wie ARD-Programmdirektor Volker Herres sagte, auszustrahlen und ihn gleich mit anschließender Maischberger-Diskussion zu begleiten. Am Dienstag gab auch Arte seine ablehnende Haltung auf und teilte mit, den Film zeitversetzt am Mittwoch um 23 Uhr mit Blick auf seine französischen Zuschauer zeigen, denn sonst würden die ja in die Röhre gucken.

Die Dokumentation beginnt gleich provokant: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas behauptet vor dem Europäischen Parlament, dass einige Rabbiner die israelische Regierung aufgefordert hätten, das Wasser der Palästinenser zu vergiften. Eine "Ritualmordlegende", heißt es aus dem Off, die sich über Jahrhunderte seit dem Mittelalter halte: die Juden als Brunnenvergifter. Gleich danach präsentieren die Filmemacher Aufnahmen des antisemitischen Nazi-Propagandisten Julius Streicher, der immer wieder gegen die Juden hetzte.

Die Autoren zeigen in ihrem Beitrag außerdem beispielsweise Szenen von einer Demo in Berlin oder Bilder von der jüdischen Gemeinschaft in der Pariser Vorstadt Sarcelles. Ganz unterschiedliche Themen werden angeschnitten: Was passiert mit internationalen Hilfsgeldern in Gaza? Gehen sie an die judenfeindliche und antizionistische Hamas? Wie sehr ist der Nahostkonflikt bereits in Frankreich angekommen, und werden Juden dort bedroht und damit zum Auswandern bewegt? Politikwissenschaftler und Antisemitismusforscher kommen zu Wort, und weitere Dutzende von Menschen äußern sich.

Kritik vom Zentralrat der Juden in Deutschland

Die ursprüngliche Entscheidung der Sender, den Film nicht ausstrahlen zu wollen, hatte öffentliche Kritik ausgelöst. So hatte unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland protestiert. Auch Historiker wie Michael Wolffsohn und Götz Aly plädierten für eine Ausstrahlung. Lange blieben Arte und der WDR bei ihrer harten Haltung, auch weil "Betroffene mit den im Film gegen sie erhobenen Vorwürfen nicht konfrontiert worden" seien. Das hätte aber zu den Standards der journalistischen Arbeit gehören müssen, hieß es.

Dass Schroeder und Hafner viel Zeit im Nahen Osten verbrachte, war gerade Arte ein Dorn im Auge. Der Sender sei "über diese fundamentalen Änderungen bis unmittelbar vor Lieferung des Films bewusst im Unklaren gelassen" worden, hieß es vom Sendersitz in Straßburg. In der Tat zeigt der Beitrag viele Bilder aus Israel und den Palästinensergebieten, Osteuropa ist überhaupt kein Thema in dem Film, obwohl die Autoren auch Bilder aus Ungarn hatten.

WDR-Intendant Tom Buhrow unterstrich zum Ende der vergangenen Woche die Bedeutung des Themas und dass es wichtig sei, die Dokumentation und "unsere handwerklichen Fragezeichen dazu transparent zur Diskussion zu stellen". ARD-Programmdirektor Herres sagte: "Ich halte es für richtig, die umstrittene Dokumentation jetzt einem breiten Publikum zugänglich zu machen" - trotz handwerklicher Mängel. "Nur so kann sich das Fernsehpublikum ein eigenes Bild machen."

Quelle: Dpa

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