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"Das Rad der Zeit" bei Amazon: Geld alleine bewirkt auch keine Wunder

Amazons Adaption des beliebten Fantasyepos ist nicht das nächste "Game of Thrones" - aber nun bei Amazon Prime verfügbar.

Der US-Logistik- und Medien-Gigant startet nun mit seiner eigenen Fantasy-Reihe.  SN/afp
Der US-Logistik- und Medien-Gigant startet nun mit seiner eigenen Fantasy-Reihe.

"Ich will mein Game of Thrones", soll Jeff Bezos gesagt haben. Jetzt haben wir "Das Rad der Zeit", gewissermaßen als Vorläufer zu Amazons teurer "Herr der Ringe"-Serie, die im September 2022 erscheinen soll. Es ist ein Versuch, den Blockbusterhit von HBO zu toppen, aber trotz Geld und Mühe, die in die Serie gesteckt wurden, hat Amazon keinen Nachfolger von "Game of Thrones" geschaffen. Nun sind die ersten drei Folgen abrufbar, zu denen sich pro Woche eine neue gesellt.

Damit gingen Monate, eigentlich Jahre der Vorfreude auf "Das Rad der Zeit" abrupt zu Ende. Die Serie basiert auf der 14-teiligen Romanreihe des amerikanischen Schriftstellers Robert Jordan (wobei Brandon Sanderson einsprang, um die Saga nach Jordans Tod im Jahr 2007 zu beenden). Auf den ersten Blick wirkt alles wie eine Mischung aus "Game of Thrones" und "Herr der Ringe" mit den typischen Fantasyspielereien: Bärtige Männer, Zauberinnen, Trolle, niedliche Walddörfer, dunkle Kräfte. Aber da hören die Vergleiche auch schon auf. Es ist nicht "Game of Thrones". Es ist nicht einmal "His Dark Materials", die Fantasyserie um den Goldenen Kompass. Es ist vielleicht mehr wie die Zauberer-Netflix-Serie "The Witcher" mit einem Hauch von "Outlander" - wenn man Vergleiche mag.

Die Serie beginnt damit, dass eine geheimnisvolle Magierin (Rosamund Pike) fünf Teenager rekrutiert, um gegen das Böse in der Welt zu kämpfen. Es wird davon ausgegangen, dass einer dieser Teenager die Reinkarnation des "Drachen" ist, einer mächtigen Person, die dazu bestimmt ist, die Menschheit entweder zu retten oder zu zerstören. Es kommt zu Schlachten, Hindernissen und einer ganzen Reihe von Komplikationen.

Aber das größte Hindernis ist vielleicht, die erste Folge der Serie zu überstehen. Ein Teil des Problems ist, dass diese sich nicht so anfühlt, als hätte sie den Realismus, der Serien wie "Game of Thrones" so gut aussehen ließ. Die Kostüme aus dem Versandkatalog sind zu sauber, das Make-up sitzt. Die Häuser im Dorf sehen so aus, als wären sie für die Serie gebaut worden (was auch der Fall ist). Das dunkle Übel in der Welt wird buchstäblich "The Dark One" genannt, und das hat eine Armee bestialischer Trollocs (ork-ähnliche Monster), die aussehen wie Kerle in Wildschweinanzügen. Es ist nicht die Qualität, die Fernsehzuschauer heutzutage gewohnt sind.

Das ist besonders merkwürdig, weil Amazon angeblich über zehn Millionen US-Dollar pro Folge ausgegeben hat - und das ist mehr als "Game of Thrones" vor den letzten beiden Staffeln hatte. Es gibt ein paar schöne Naturaufnahmen der tschechischen Berge, aber die Spezialeffekte sehen mittelmäßig aus. Wenn Rosamund Pike ("I Care a Lot") die Macht aus der Welt um sie herum in Feuerblitze verwandelt, sieht das aus wie in einem Videospiel. Wir haben das auch schon zu oft besser gesehen, genauso wie Menschen in mittelalterlichen, dampfenden Whirlpools.

Abgesehen von der eigentlich sehr guten britischen Schauspielerin, sind die meisten Darsteller relativ unbekannt. Es gibt eine Handvoll bekannter Gesichter, darunter Sophie Okonedo ("Hotel Ruanda") und Michael McElhatton (spielte Roose Bolton in "Game of Thrones"). Aber die fünf Teenager im Kern der Geschichte, Josha Stradowski, Madeleine Madden, Zoe Robins, Barney Harris und Marcus Rutherford sind junge Erwachsene - und das ist gut so. Man muss Schauspieler finden, die das nächste Jahrzehnt freischaufeln und die mit ihren Figuren altern und wachsen können.

Die Dreharbeiten in Tschechien zu Staffel 2 sind schon im Gange. Amazon muss also an die Serie glauben, die von Showrunner Rafe Judkins ("Agents of S.H.I.E.L.D") umgesetzt wurde, der in den USA vor allem dafür bekannt ist, dass er ein Kandidat in der 11. Staffel von "Survivor" war. Ein bisschen mehr Qualitäts- und weniger Reality-Abenteuer-TV wäre allerdings schön gewesen.

Aufgerufen am 20.01.2022 um 05:54 auf https://www.sn.at/panorama/medien/das-rad-der-zeit-bei-amazon-geld-alleine-bewirkt-auch-keine-wunder-112928350

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