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Das ZDF hält Netflix tauglich für Kooperationen

Intendant Thomas Bellut glaubt, an den Grenzen von Sparkursen angekommen zu sein.

Thomas Bellut, ZDF-Intendant SN/zdf
Thomas Bellut, ZDF-Intendant

ZDF-Intendant Thomas Bellut hat sich offen für Kooperationen mit Streaming-Diensten gezeigt. "Wir haben etwa mit Netflix beim Kinderprogramm koproduziert oder die Serie ,4Blocks' von TNT Serie für ZDFneo eingekauft", sagte Bellut in einem Interview. Die Dienste sind in Hinblick auf Angebot und Preis nach seiner Ansicht allerdings nicht vergleichbar: "Ein Beitragszahler bekommt alle Angebote der ZDF-Gruppe für 4,36 Euro im Monat. Allein Netflix kostet etwa das Doppelte, und es zielt vor allem auf die Jüngeren."

Das ZDF mache dagegen ein Angebot für die ganze Gesellschaft. Er betonte jedoch: "Wir sind grundsätzlich offen für Kooperationen." Ein aktuelles Beispiel: Die ARD strahlt im Herbst die Krimiserie "Babylon Berlin" aus - nach dem Erfolgsroman "Nasser Fisch" von Volker Kutscher über Kriminalität im Berlin der Zeit unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg, die in Zusammenarbeit mit der Abo-Plattform Sky entstand.

Der ZDF-Intendant wies Forderungen aus den Ländern nach einem schärferen Sparkurs zurück. "Wir haben sehr genau geprüft, was an Sparpotenzial durch interne Umstrukturierungen und Kooperationen mit der ARD möglich ist. Das Jahr 2017 war ein klarer Sprung für eine verbesserte Zusammenarbeit", sagte Bellut.

"Weitere Einsparungen sind über die Struktur nicht zu erreichen. Weiter gehende Sparmöglichkeiten würden Einschnitte beim Programm bedeuten." Die deutschen Bundesländer hatten den öffentlich-rechtlichen Anstalten Sparziele vorgegeben. Das ZDF will 270 Millionen Euro von 2021 bis 2028 einsparen. Die Länder sehen die Vorschläge von ARD und ZDF allerdings nur als ersten Schritt.

Der neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm hatte Einschnitte im Programm angekündigt, falls der Rundfunkbeitrag nicht erhöht wird. "Es würden kurzfristig drei Milliarden Euro fehlen, die wir im Wesentlichen im Programm einsparen müssten", sagte der BR-Intendant schon im Dezember. "Jenseits des Programms, also bei Technik und Verwaltung, zu sparen ist schon weitgehend ausgereizt - denn das tun wir seit Jahren."

Der Rundfunkbeitrag für ARD, ZDF und Deutschlandradio liegt bis 2020 bei 17,50 Euro pro deutschem Haushalt im Monat. Ob er danach steigt, ist offen. ZDF-Intendant Bellut betonte: "Wir haben Preissteigerungen in den vergangenen Jahren gehabt, trotzdem ist der Beitrag seit dem Jahr 2009 stabil, er wurde sogar einmal abgesenkt. Bei einem unveränderten Programmauftrag muss eine adäquate Finanzierung der Anstalten gewährleistet sein."

Bei Shows zeigt sich Bellut zuversichtlich: "Wir sind aus dem Tal heraus. Wir haben Erfolge wie ,Bares für Rares' in der Primetime, Comedy- und Musikformate funktionieren. Auch für das Jahr 2018 haben wir ein breites Unterhaltungsangebot für die Zuschauer vorbereitet - zum Beispiel ,Mit 80 Jahren um die Welt', ein neues Factual-Entertainment-Format mit Steven Gätjen", sagte er.

(SN, Dpa)

Aufgerufen am 16.01.2018 um 10:32 auf https://www.sn.at/panorama/medien/das-zdf-haelt-netflix-tauglich-fuer-kooperationen-22468873

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