Medien

Die Pandemie hat auch das Medienbild geprägt

Die Coronapandemie hinterlässt nicht nur gesundheitliche Spuren. Sie wirkt sich auch auf die Wahrnehmung von Wissenschaft sowie Medien aus.

 SN/fotolia/sebra

Für die mittlerweile zehnte Befragungswelle des Gallup-Instituts und des Medienhauses Wien zu Corona und Medien wurden Mitte Februar 1000 Personen ab 16 Jahren befragt. Die am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellten Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische webaktive Bevölkerung. Dabei zeigt sich, dass im Verlauf der Pandemie die Zustimmung zu den Corona-Maßnahmen der Regierung von zunächst 88 Prozent (März 2020) auf mittlerweile 37 Prozent sank. Der Informationsstand der Bevölkerung blieb dagegen weitgehend stabil - zuletzt fühlten sich 73 Prozent gut zu Corona informiert. Der Anteil jener Personen, die Corona-Nachrichten häufig oder sehr häufig aktiv meiden, stieg dagegen auf 44 Prozent an (November 2020: 35 Prozent).

Mehrheitlich wurde den österreichischen Medienhäusern eine aktuelle (72 Prozent), verständliche (68 Prozent) und regional wichtige (63 Prozent) Corona-Berichterstattung attestiert. Als glaubwürdig (49 Prozent) und gut recherchiert (46 Prozent) stuften sie schon weniger ein. Rund drei Viertel der Befragten hatten auch den Eindruck, dass die Berichterstattung positiv zur Corona-Impfung eingestellt gewesen sei. Dass sie einen wesentlichen Beitrag zur Pandemie-Aufklärung beigetragen haben, meinten 62 Prozent. Ein "beachtlicher" Wert sei das, so Andrea Fronaschütz, Leiterin des Gallup-Instituts. Von den MFG-Sympathisanten stimmte aber diesbezüglich niemand zu.

Es habe sich gezeigt, dass der Privatsender "gewissermaßen Sammelbecken der Systemkritiker" sei, sagte Medienhaus-Wien-Geschäftsführer Andy Kaltenbrunner. Denn vor allem FPÖ- und MFG-Sympathisanten (jeweils 25 Prozent) führten ServusTV als wichtigste Informationsquelle an. Auch fand sich bei ServusTV ein deutlicher Überhang an nicht impfbereiten Personen gut aufgehoben. Sympathisanten der anderen Großparteien fühlten sich eher von der Berichterstattung des ORF angesprochen und nannten ihn als wichtigste Informationsquelle für Corona-News (ÖVP: 32 Prozent, SPÖ: 36 Prozent, Grüne: 35 Prozent, NEOS: 37 Prozent).

Die ServusTV-Sympathisanten stuften den Privatsender als glaubwürdig (78 Prozent), aber beispielsweise auch vielfältig in der Darstellung der Positionen (63 Prozent) und objektiv gegenüber allen Parteien und Interessengruppen (81 Prozent) ein. 69 Prozent meinten zudem, der Sender sei kritisch zur Corona-Politik der Bundesregierung eingestellt, während nur fünf Prozent ihn als positiv zur Corona-Impfung eingestellt einstuften.

In Sachen Glaubwürdigkeit liegen Medien bei Corona-Informationen allerdings nur im Mittelfeld. "Allen Unkenrufen und Wissenschaftsbashing zum Trotz sehen wir, dass die Glaubwürdigkeitsgewinner die Expertinnen und Experten im medizinischen Feld sind", sagte Fronaschütz. 63 Prozent der Befragten erachteten Wissenschafter, Forscher und Experten als glaubwürdig. Ärztinnen und Ärzte folgten mit 62 Prozent knapp dahinter. Familienmitglieder (53 Prozent) und Freunden sowie Bekannten (45 Prozent) wurde in etwa so hohe Glaubwürdigkeit wie Radionachrichten (50 Prozent), Fernsehnachrichten (47 Prozent) und (Online-)Zeitungen (45 Prozent) zugesprochen. Die Bundesregierung (34 Prozent) schnitt schlechter ab.

Es zeigte sich, dass FPÖ- und MFG-Sympathisanten primär dem unmittelbaren sozialen Umfeld Glaubwürdigkeit attestieren. Familie und Freunde schnitten besser als Wissenschafter, Medien und Behörden ab. Selbst mit viel Engagement sei ein Teil der Bevölkerung nicht mehr mit herkömmlicher Medienberichterstattung zu erreichen, meinte Fronaschütz dazu. Kaltenbrunner empfahl den Medienunternehmen, jene Personen, die an der Kippe stünden, in einer aufrichtigen Form zu behandeln. Auch sollten Medienhäuser "Selbstkontrolle ohne Selbstzensur" in Hinblick auf Sprache und Befindlichkeiten betreiben. "Ich habe manchmal den Eindruck, dass sich die überwiegende Zustimmung zur Impfung auch in Sprache und Auswahl der Themen niederschlägt, womit manche sofort abgestoßen werden und mangelnde Objektivität unterstellen", sagte der Medienhaus-Wien-Geschäftsführer.

Tatsächlich hat sich der Eindruck, den die Befragten von klassischen Medien haben, in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert. Ein Drittel gab an, ihr Bild von Fernsehen, Radio und Zeitungen habe sich verschlechtert. Nur sieben Prozent haben ein besseres Bild von den Medien entwickelt, bei 59 Prozent blieb es unverändert. Für soziale Medien fiel die Bilanz noch schlechter aus: 40 Prozent haben mittlerweile ein schlechteres Bild von Facebook, Youtube und Co. Wissenschafter, Forscher und Experten verbuchten dagegen ein "positives Imagesaldo", wie Fronaschütz sagte. 31 Prozent der Befragten haben mittlerweile einen verbesserten Eindruck von dieser Berufsgruppe, während er sich für 20 Prozent verschlechterte.

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