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Digital News Report 2020: Vertrauen in Medien steigt wieder, Online-Nachrichten legen zu

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Alle Jahre analysiert ein Team der Uni Salzburg die Österreich-Ergebnisse des Reuters Digital News Reports. So auch im Coronajahr 2020. Obwohl die Hauptuntersuchung bereits im Februar und somit vor der Krise über die Bühne ging, konnte das Team um die Kommunikationswissenschafter Josef Trappel und Stefan Gadringer neue Erkenntnisse zutage fördern: Knapp mehr als die Hälfte der rund 2000 Befragten gaben an, sowohl Online- als auch Offline-Medien zu nutzen, 22,1 Prozent konsumieren Nachrichten hauptsächlich digital. Damit stiegen beide Kennziffern um grob zwei Prozentpunkte. "Traditionelle Quellen bleiben relevant, es gibt aber einen Trend zur digitalen Nutzung", schildert Stefan Gadringer.

In der Rangliste der wichtigsten Informationsquellen liegt Fernsehen weiter auf Platz eins. Dahinter folgen Radio und die gedruckte Tageszeitung.

Die Verlage dürfen sich über positive Trends freuen: In die Top Ten der digitalen Nachrichtenquellen schafften es nur Online-Ableger klassischer Medien. Zudem stieg die Zahl jener, die in naher Vergangenheit für Online-Nachrichten gezahlt haben, von 9,1 auf 10 Prozent. Und auch Zahlen aus dem Ausland zeigen einen für die Branche positiven Trend: Die Bereitschaft, für digitale Newsangebote zu zahlen, kletterte in den USA von 16 auf 20 Prozent - und ist somit doppelt so hoch wie noch vor vier Jahren. In Norwegen legte die Kennziffer gar um acht Prozentpunkte auf 42 Prozent zu. Parallel werden Podcast- und Newsletter-Angebote klassischer Medien immer beliebter. Das wohl eindrucksvollste Beispiel: Der Morgen-Newsletter der "New York Times" zählt mittlerweile rund 17 Millionen Abonnenten.

Das Vertrauen steigt

Alle heimischen Medien dürfen sich indessen über gestiegenes Vertrauen freuen: Nachdem dieses in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken war, gab es 2020 ein Plus (von 38,7 auf 39,7 Prozent). Damit liegt Österreich im vorderen Drittel jener 40 Staaten, die vom Report berücksichtigt wurden. Am größten ist das Vertrauen in Finnland, am geringsten ist es in Korea.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Langzeitstudie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Diese weist aus, dass sich das Medienvertrauen auf hohem Niveau stabilisiert. 43 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 18 Jahren meinen, man könne den Medien "voll und ganz" oder "eher" vertrauen, "wenn es um wirklich wichtige Dinge geht - etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale". Die Studie zeigt zudem noch, dass undifferenzierte Medienkritik zurückgeht und immer weniger Nutzer die Medien als "ein Sprachrohr der Mächtigen" sehen.

Erkenntnisse aus Coronakrise nachgereicht

Im Zuge der Reuters-Studie wurden weltweit mehr als 80.000 Menschen zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. Und bei sechs Ländern, darunter Deutschland, wurde nach Ausbruch der Coronakrise nachgefasst. Ein Erkenntnis: Eine klare Mehrheit bevorzugt Medien, die neutral und objektiv berichten. Vor allem für die USA sei das Ergebnis überraschend, da dort Medien eigentlich seit jeher einer klaren (politischen) Richtung zuzuordnen seien, erläutert Anne Schulz vom Reuters Institute. Dazu war die Coronakrise, wenig überraschend, ein Treiber für die TV-, Online-News- und Social-Media-Nutzung.

Wenn es nach Kommunikationswissenschafter Josef Trappel geht, sollen die Ergebnisse des Digital News Reports nicht ohne Folgen bleiben: Die Daten sollten als Grundlage für die politische Weiterentwicklung des Medienstandorts Österreich dienen. "Nicht zuletzt zu der Frage, wie wir die Medien finanzieren." Denn jene Fördermodelle, die in der Krise beschlossen wurden, seien "ad hoc gefallen - und aus wissenschaftlicher Sicht sehr angreifbar".

Quelle: SN

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