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Digitaler Medienwandel: "Saubere Angebote auf Augenhöhe schaffen"

Der digitale Wandel bietet heimischen Medien die Chance, ins Internet abgewanderte Personen wieder zu erreichen. "In einer perfekten digitalen Welt gibt es für die unterschiedlichen Zielgruppen Angebote, die auf Augenhöhe sauberen Journalismus liefern", meinte Stefan Apfl vom Digitalverlag "Hashtag" am Dienstag bei einer ORF-Diskussion im Rahmen des "TransFORM"-Prozesses. Derzeit fehle es in Österreich jedoch abseits einzelner Experimente an solchen Strukturen und Formaten.

Der erst vor Kurzem gegründete Digitalverlag "Hashtag" will diese Lücke füllen. Er wurde ins Leben gerufen, um "zeitloses journalistisches Handwerk mit zeitgenössischen digitalen Formen zu verbinden", so Apfl. Zu viert helfe man jungen journalistischen Talenten, ihre Angebote für Plattformen wie Instagram oder TikTok zu entwickeln. Auch mit Medien werde kooperiert, um ihnen den digitalen Wandel zu erleichtern.

Der ORF benötigt für seine Transformation eine Gesetzesnovellierung. Er steht mit einem Player in den Startlöchern, um bei jungen Menschen auch in der digitalen Sphäre wieder "andocken" zu können. Doch für dessen volle Entfaltung benötigt das größte Medienunternehmen des Landes die Erlaubnis, Inhalte "online-only" und "online-first" bereitzustellen. Ist diese erst da, wolle man wie in den klassischen linearen Kanälen auch weiterhin als "Gütesiegel" fungieren, erklärte Irina Oberguggenberger vom Channel-Management von ORF 1. "Nur weil wir Inhalte ins Digitale verlagern, heißt das nicht, dass wir alles über Bord werfen", so Oberguggenberger. Weiterhin betreibe man Journalismus mit Haltung und einem öffentlich-rechtlichen Auftrag.

Anna Goldenberg von der Wochenzeitung "Falter" sah in der digitalen Sphäre "Hunger für Details" gegeben. Diesen könne der ORF mit seiner Marktkraft stillen, sofern er sich auch in Nischen traue. Er müsse auf verschiedenen Kanälen präsent sein und dazu passende Formate bieten, so Goldenberg. Auch Apfl hoffte als "Bürger, aber auch als Hashtag-Geschäftsführer", dass der ORF schon bald seinen Player realisiert: "Es ist wichtig für eine zunehmend digitalisierte Öffentlichkeit, nicht nur auf kommerzielle Angebote, sondern auch auf öffentlich-rechtliche zu treffen."

Über den "Kulturauftrag im Digitalen" wurde in einer zweiten Gesprächsrunde debattiert. Für Alina Zeichen von der IG Kultur lautet eine der wichtigsten Fragen dabei: "Wie können wir die Niederschwelligkeit sichern?" Sie habe die Hoffnung, Kultur könne im Digitalen weniger elitär werden: "Die Menschen sind daran interessiert, sich zu beteiligen und sich selbst auszudrücken." Im Netz sei auch Mehrsprachigkeit viel leichter umzusetzen: "Es ist ein Leichtes, im Digitalen noch zwei, drei Sprachen hinzuzufügen."

Für Volkstheater-Direktor Kay Voges ist Digitalisierung "ein Menschheitsevolutionsprozess: Es hat sich eigentlich alles gewandelt." - "Wir leben in einem Gegenwartsschock durch die Digitalisierung", so der Begründer einer "Akademie für Theater und Digitalität", der am Theater versucht, "Erlebnisräume, Erfahrungsräume zu kreieren". Er rief dazu auf, nicht nach Hypes und Quoten zu schielen: "Lasst uns radikaler werden und nach Schönheit Ausschau halten! Ich empfinde Fernsehen ästhetisch oft als hässlich." Als eine mögliche Programmidee schlug er einen regelmäßigen Sendeplatz für Studierende der Hochschulen vor, "da würden wir auch im Volkstheater jedes Jahr vier Stunden Sendezeit übernehmen."

ORF-Regisseurin Beate Thalberg plauderte ein wenig aus der Schule. Das Projekt, mit dem sie sich gerade befasse, sei "das signature piece für den Player": "Wir haben so etwas wie Berlin 1990: einen Haufen freier Fläche." Sie erzähle in einer sechs 8-Minuten-Episoden umfassenden Serie für orf.at über einen Menschen, "dessen Namen wir nicht kennen und der einen ganz wichtigen Anteil an den Salzburger Festspielen hatte. Ich erzähle das als Film Noir." Sie arbeite dabei mit Anklängen von Graphic Novel, beobachte aber auch die "rattenscharfe Gaming Kultur in Österreich" und deren Entwickler: "Die werden wir uns alle holen!"

Sie halte den "sehr gut gemeinten" Begriff "Bildungsauftrag" "heute für sehr schwierig", so Thalberg: "Das Fernsehen muss wesentlich zugänglicher werden." Dazu zähle auch mehr Diversität. "Das kann man nur erreichen, indem man die Teams schon so bildet." Der digitale Umbau könne jedenfalls nicht nebenher passieren, sondern brauche Geld und Personal. "Und ich erwarte vom ORF, dass in der strategischen Ausrichtung des Digitalen mehr Frauen beteiligt sind. Ich sehe nur Männer!"

Vorgestellt wurde im Rahmen der Diskussion auch die digitale Plattform "zdfkultur", in der Inhalte der ZDF-Kulturredaktion angeboten werden. So etwas sei dem ORF derzeit nicht erlaubt, hieß es.

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