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Eine Klarstellung aus der Redaktion

Die Salzburger Nachrichten haben am Dienstag den 6.2. berichtet, dass in Salzburg die ausländischen Direktinvestitionen stärker gewachsen sind als in Wien. Mit einer stark zugespitzten Überschrift und unbeabsichtigten Folgen.

Eine Klarstellung aus der Redaktion SN/sn
Eine Klarstellung aus der Redaktion

Die Vorwürfe im Netz sind massiv, es wird von Lügenpresse und Fake-News gesprochen. Wir wollen daher hier dokumentieren, wie es zu dieser Geschichte gekommen ist, was wir dabei falsch gemacht haben und wie wir um Klarstellung bemüht waren.

Wie der Artikel entstanden ist

IV-Chefökonom Christian Helmenstein hat im Rahmen einer Veranstaltung in Salzburg in der Vorwoche von ausländischen Direktinvestitionen gesprochen, und dass diese in Salzburg prozentuell am höchsten gestiegen seien, wodurch sich die Schlussfolgerung ergebe, dass Salzburg als Wirtschaftsstandort enorm an Attraktivität gewonnen habe. Auf Nachfrage der SN bei Helmenstein hat dieser die Werte für Salzburg im Vergleich zu den anderen Bundesländern ausgewiesen und dargestellt. Dabei handelte es sich um Zahlen der OeNB (aus einem Sonderheft), die die Marktwerte und prozentuellen Zuwächse betreffen.

Was wir daraus gemacht haben

Aus dem vorliegenden Zahlenmaterial und Gesprächen entstand die Geschichte "Aufwind für den Standort Salzburg - Ausländische Investitionen haben in Salzburg ordentlich zugelegt. Der IV-Chefökonom sieht nicht nur die 'perfekte Mittellage' als Grund."

Auf der Titelseite der SN von Dienstag, 6. Februar, schlossen wir daraus, dass "Salzburg Wien bei den ausländischen Investitionen überholt hätte". Im Gesamtwert und hinsichtlich absoluter Zahlen in Milliardenhöhe ist diese Überschrift natürlich falsch. Prozentuell bei den Bestandszuwächsen zwischen 2010 und 2015 stimmt der Befund. Genau darum ging es auch im Kern der Geschichte: Der Standort Salzburg ist für ausländische Investoren deutlich attraktiver geworden, weil die Direktinvestitionen enorm zugelegt haben.

Wir hinterfragten in dem Bericht auch, warum das so ist, und erhielten von einem Experten auch mutmaßliche Gründe für den Aufschwung.

Was die SN zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: Die OeNB hat etliche Tabellen-Reihen veröffentlicht, darunter unterscheiden sich die Zahlen bei Marktwerten und Gesamtwerten.

Aufregung bei der Stadt Wien

Die Stadt Wien trat daher am Dienstag mit den SN in Kontakt und bat um die Quelle der Zahlen. Denn: "Ihre Zahlen können wir nicht nachvollziehen. In absoluten Bestandszuwächsen liegt Wien deutlich an der Spitze aller Bundesländer (fast 27. Mrd. EUR). In den Jahren 2010 bis 2015 haben ausländische Investoren Eigenkapital von 6 Mrd. zusätzlich nach Salzburg gebracht. In relativer Betrachtung haben sich die Direktinvestitionsbestände in Salzburg zwischen 2010 und 2015 mehr als verdoppelt, während Wien auf einen Zuwachs von 44 Prozent kommt. Per Ende 2015 ist der Zuwachs in Wien der absolut größte", schreibt die Stadt Wien.

Rücksprache mit dem IV-Chefökonomen

Die SN haben IV-Chefökonom Helmenstein daher noch einmal um Prüfung der Daten ersucht. Dieser hat umgehend reagiert und auch mit der Stadt Wien/MA23 den telefonischen Kontakt hergestellt:

"Da in der Kommunikation seitens der MA23/Stadt Wien mit Ihrem Hause, von welcher Sie meiner Information nach Kenntnis haben, auf ein Telefongespräch von mir mit Herrn Trautinger Bezug genommen wird, liegt mir an einer ungefilterten Darstellung des Sachverhaltes. Daher sende ich Ihnen nachstehend meine Ausführungen zu den wesentlichen Punkten:


Tatsächlich ist es so, dass meine Rechenoperationen selbst richtig sind, dies wurde auch von der Stadt Wien nicht in Zweifel gezogen. Auch ist mir kein "Flüchtigkeitsfehler" unterlaufen, noch ist meinem Statistik-Team, welches die Daten zusammengestellt hat, ein Übertragungsfehler aus einer OeNB-Tabelle in unser Excel-Sheet passiert. Zudem haben die Daten zwei Ebenen der Qualitätssicherung durchlaufen, in welche ich persönlich involviert war. Der nachstehende Screenshot gibt die Tabelle 3 auf Seite 19 des OeNB-Sonderheftes zum FDI-Geschehen aus dem Jahr 2012 wieder, wie er bis dato auf der Website der OeNB verfügbar ist. Die dort ausgewiesenen Werte entsprechen exakt jenen für das Jahr 2010, welche wir korrekt übernommen und unseren Berechnungen zugrunde gelegt haben. Die Stadt Wien/MA23 führt nun ihrerseits Werte aus einer anderen Tabelle an. Die Werte, welche in der oben stehenden OeNB-Tabelle ausgewiesen werden und jene, die in der von der Stadt Wien zitierten OeNB-Tabelle angegeben werden, stehen zueinander im Widerspruch. Selbst wenn man nicht die OeNB-Werte obiger Tabelle, die wir herangezogen haben, sondern jener OeNB-Tabelle zugrunde legen würde, welche die Stadt Wien zitiert, gelangt man zu folgenden Aussagen:

Erstens: Das Bundesland Salzburg weist den zweitgrößten absoluten Bestandszuwachs aller österreichischen Bundesländer bei den Auslandsinvestitionen in der letztverfügbaren 5-Jahres-Periode (Halbdekade) auf. Der Zuwachs beim Marktwert des Eigenkapitals belief sich im gesamten Zeitraum auf nahezu 6 Mrd. EUR. Nur Wien kam im selben Zeitraum auf einen höheren absoluten Zuwachs.

Zweitens: In relativer Betrachtung haben sich die Direktinvestitionsbestände in Salzburg zwischen 2010 und 2015 mehr als verdoppelt (+121%!), während Wien auf einen Zuwachs von knapp 44% kommt. Damit fällt die prozentuelle Steigerung in Salzburg knapp drei Mal so hoch wie in Wien aus. Für einen nachhaltigen Standorterfolg sind die relativen Veränderungen, also die Wachstumsraten, nicht die absoluten Veränderungen, ausschlaggebend. Das Bundesland Salzburg hat Wien bei der Dynamik des Zuflusses mithin deutlich überholt. Besser als Salzburg lag diesbezüglich nur das Burgeland (aber von einem sehr geringen Niveau ausgehend) mit einer Versechsfachung.

Drittens: Das Bundesland Salzburg rangiert bei den Absolutbeständen (also nicht der Bestandsveränderung wie zuvor) an Auslandsinvestitionen österreichweit auf Rang 3 hinter Wien und Oberösterreich, während das Bundesland beim Anteil am Bruttoregionalprodukt wegen seiner relativen Kleinheit auf Rang 6 liegt. Dieser Punkt steht im Übrigen außerhalb der Diskussion, weil für diese Aussage keine Referenzwerte aus dem Jahr 2010 benötigt werden, sondern ausschließlich die Daten für das Jahr 2015 herangezogen werden.

Summa summarum ändert sich an der Essenz der Analyse und Ihres Berichtes darüber nichts - Salzburg weist eine hohe und steigende Standortattraktivität in der datenmäßig letztverfügbaren Halbdekade zwischen 2010 und 2015 auf. Im Vergleich zu Wien (zweiter Punkt) fallen die Zuwächse bei den Auslandsinvestitionen knapp drei Mal so hoch aus. Die Bedeutung Salzburgs als Investitionsdestination liegt allen Daten zufolge weit oberhalb seines Bundesländer-Ranges nach Maßgabe seines Anteils an der Bevölkerung oder am Bruttoinlandsprodukt Österreichs.
"

Die erste Reaktion der SN

Die SN haben darauf hin am Donnerstag im Lokalteil auf Seite 3 auch die von der Stadt Wien genannten absoluten Zahlen (Gesamtwerte statt Marktwerte) berichtet. Zitat: "Wien hat deutlich mehr neue Auslandsinvestitionen an Land gezogen als Salzburg, nämlich 27 Milliarden Euro, während Salzburg nur 5,9 Milliarden Euro hat". Der IV-Chefökonom wurde folgendermaßen zitiert: "Helmenstein bleibt allerdings bei seiner Aussage: "Fakt ist, dass Salzburg Wien bei den prozentuellen Zuwächsen überholt hat." Salzburg komme in relativer Betrachtung auf ein Plus von 121 Prozent, Wien auf 44 Prozent."

Fazit

Es tut uns leid, dass es zu einem Missverständnis - vor allem hinsichtlich der zugespitzten Überschrift am Dienstag auf der SN-Titelseite - gekommen ist. Es war nicht unsere Absicht, Leser in die Irre zu führen oder einen Wirtschaftsstandort gegen den anderen auszuspielen.

Im Gegenteil: Die Intention der Berichterstattung war es, zu zeigen, dass das Bundesland Salzburg in den vergangenen Jahren wieder ein attraktiver Standort geworden ist - so attraktiv, dass es hohe Zuwächse bei den Direktinvestitionen aus dem Ausland gegeben hat.

Die Redaktion

Quelle: SN

Aufgerufen am 14.11.2018 um 02:14 auf https://www.sn.at/panorama/medien/eine-klarstellung-aus-der-redaktion-24022969

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