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"Einmal lustig, dann tragisch"

Warum Christian Kohlund die Charakterrollen wie seinen Rechtsanwalt im "Zürich-Krimi" schätzt, aber kommerziellere Aufgaben durchaus nicht verschmäht.

Zwischen Borchert (Christian Kohlund) und Marlene (Angela Roy) bahnt sich etwas an.<br>© ARD Degeto/Graf Film/Roland Suso Richter,  SN/ard degeto/programmplanung und p
Zwischen Borchert (Christian Kohlund) und Marlene (Angela Roy) bahnt sich etwas an.© ARD Degeto/Graf Film/Roland Suso Richter,

Zwei rätselhafte Morde an Zürichs "Goldküste" sowie dunkle Machenschaften in der Baubranche beschäftigen das Ermittlerduo Thomas Borchert (Christian Kohlund) und Dominique Kuster (Ina Paule Klink, bekannt aus der Reihe "Wilsberg") in zwei neuen Filmen und Fällen aus der Schweizer Finanzmetropole. Sie bemerken spät, dass sie sich mit skrupellosen Gegnern angelegt haben - und durch einen fatalen Irrtum selbst zur Zielscheibe werden.

Der in Basel geborene und im Bayerischen Wald lebende Christian Kohlund, den das Publikum aus der "Schwarzwaldklinik" oder vom "Traumhotel" kennt, sprach mit den SN über seine Rolle als ergrauter Anwalt, die alte Heimat Zürich und einen guten Rat seines Bekannten Friedrich Dürrenmatt.

Ihre neue Krimireihe spielt in Zürich. Arbeiten Sie gern in der alten Heimat? Christian Kohlund: Nun, ich bin am Zürichsee aufgewachsen, und wenn ich jetzt als älterer Herr so durch Zürich schlendere, dann erinnert mich so manche Ecke schon an das eine oder andere von früher. Da ist vieles noch sehr vertraut, obwohl sich in der Stadt unendlich viel getan hat.

Früher haben Sie im "Traumhotel" einen netten Kerl gespielt, jetzt verkörpern Sie einen Anwalt mit Ecken und Kanten. Macht es Ihnen Spaß, auch Ihre raue Seite zu zeigen? Unbedingt. Ich stamme aus einer alten Theaterfamilie. Mir hat es immer Spaß gemacht, heute einmal das zu spielen und morgen etwas anderes. An einem Tag eine Komödie und am anderen eine Tragödie. Mit der Rolle kehre ich in gewisser Weise auch zu den Wurzeln meines Berufs zurück, ich war viele Jahre am Theater, wo ich wichtige Rollen gespielt habe. Nichts gegen eher kommerzielle Sachen wie das "Traumhotel", aber so eine Charakterrolle wie im "Zürich-Krimi" ist natürlich schon eine andere Herausforderung.

Das "Traumhotel" hat seine Pforten geschlossen - vermissen Sie die vielen Reisen, die Sie für die Serie machen durften? Eigentlich nicht. Ich hätte zwar die eine oder andere Destination schon noch ganz gern mitgenommen, muss aber sagen, dass ich im Laufe meines Berufslebens so viel von der Welt gesehen habe, dass mein Bedarf ganz gut gedeckt ist. Dabei hatten meine vielen Reisen und Auslandsaufenthalte nicht nur mit dem "Traumhotel" zu tun. Ich war zwei Mal in Australien, jeweils für acht Monate. Ich habe lange in Italien und in Frankreich gearbeitet sowie in Kanada. Da kommt schon einiges zusammen.

Und wo wären Sie noch gern hingefahren? Nach Tahiti und Argentinien vielleicht, da war ich noch nie.

Der von Ihnen gespielte Anwalt lebt im Wohnwagen. Wäre das etwas für Sie? Das habe ich schon hinter mir. Ich bin einmal während einer Theatertournee in Deutschland mit dem Wohnwagen durchs Land gezogen, weil mir die Hotels zum Hals raushingen - und das waren immerhin 100 Vorstellungen. Damit habe ich meinen Bedarf an Wohnwagenleben aber auch für alle Zeit gedeckt (lacht).

Als Züricher Anwalt sind Sie mit eisgrauem Bart und schütterem Haar zu sehen - Ihr Bekenntnis zum Alter? Absolut, ich habe nicht vor, mich auch nur einen Tag jünger zu machen, das hätte überhaupt keinen Sinn und wäre auch ziemlich lächerlich. Ich finde außerdem, dass es zu dieser Figur passt, bei der es ja nicht ums gute Aussehen geht.

Die "Traumhotel"-Fans haben Sie natürlich etwas anders in Erinnerung. Für die ist dieser neue Look vielleicht etwas irritierend (lacht). Aber es musste sein, diese Rolle hat es so erfordert - und ich finde es auch gut so.

Als Anwalt zitieren Sie sogar den weltberühmten Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt. Sie kannten ihn ja persönlich. Stimmt, er hat im Hause meiner Eltern verkehrt, und ich habe ihn so kennengelernt, als ich noch ein kleiner Bub war. Auch später habe ich ihn das eine oder andere Mal getroffen - es war absolut faszinierend, diesem Mann zuzuhören. Ein ungeheuer witziger und humorvoller Zeitgenosse, der die Menschen ganz genau durchschaut hat und viel über das Leben wusste.

Haben Sie ihn einmal um Rat gefragt? Das habe ich tatsächlich - als junger Mann in meiner idealistischen Phase. Ich habe ihn gefragt, warum das so sein muss, dass nichts funktioniert mit der Menschheit, keine Religion, keine Politik, nichts. Und er hat grinsend geantwortet: "Ach weischt du, Chrischtian, der Mensch ischt einfach schlecht." Das ist doch wunderbar (lacht).

"Der Zürich-Krimi" - zwei neue Folgen morgen, Donnerstag, sowie am nächsten Donnerstag, jeweils ab 20.15 Uhr in der ARD.


Quelle: SN

Aufgerufen am 15.11.2018 um 06:33 auf https://www.sn.at/panorama/medien/einmal-lustig-dann-tragisch-23907460

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