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Friede Springer regelt Zukunft des Springer-Konzerns

Friede Springer ist ihrem Ziel einer zukunftssicheren Lösung für den Medienkonzern Axel Springer einen Schritt näher gekommen. Sie bekommt mehr Einfluss. Der nächste und entscheidende Schritt ist offenbar auch schon beschlossen.

Friede Springer mit Mathias Döpfner bei ihrer 70-Jahr-Feier 2012 SN/dapd
Friede Springer mit Mathias Döpfner bei ihrer 70-Jahr-Feier 2012

Friede Springer baut ihre Macht beim Medienkonzern Axel Springer ("Bild", "Welt") aus und ebnet so den Weg für eine geordnete Übergabe des Unternehmens. Die 76-Jährige übernahm die volle Kontrolle über den Großaktionär des Unternehmens, der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co, wie der Konzern am Donnerstag in Berlin mitteilte. Die bisher ebenfalls an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co beteiligten Enkelkinder des Verlagsgründers Axel Springer, Ariane und Axel Sven, erhalten dafür direkte Anteile an der börsennotierten Axel Springer SE.

"Ich freue mich, dass weiterhin die Voraussetzungen dafür geschaffen sind, den Mitarbeitern und dem Vorstand von Axel Springer langfristig eine verlässliche Perspektive für die Zukunft des Unternehmens zu geben", sagte Friede Springer laut der Mitteilung des Konzerns.

Axel Sven Springer hält nach der Neuordnung knapp 7,4 Prozent der SE-Aktien, seine Schwester rund 2,4 Prozent. Friede Springer, die Witwe des Verlagsgründers Axel Springer, behält die Kontrolle über den Medienkonzern, der zuletzt das Digitalgeschäft stark ausgebaut hat. Knapp 38 Prozent hält sie über die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co. Dazu kommt ein direkt gehaltener Anteil von rund 5 Prozent.

Nach Angaben aus ihrem Umfeld plant Friede Springer im kommenden Jahr die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft. Als Vorbild soll hier offenbar der schwäbische Weltkonzern Bosch dienen, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Bosch wird von einer ähnlich angelegten Gesellschaft kontrolliert.

Für die Verlegerin wird die Regelung der Unternehmenszukunft durch diesen Schritt deutlich einfacher. Denn mit der kompletten Kontrolle über die Gesellschaft für Publizistik entfallen die Vetorechte der anderen Familienmitglieder in entscheidenden Fragen der Unternehmensführung, etwa bei einer Kapitalerhöhung, die nach Angaben aus Unternehmenskreisen aber nicht geplant ist.

Auf der Hauptversammlung wird Friede Springer nach Darstellung ihres Umfelds weiterhin de facto die Kontrolle ausüben in Form der so genannten Hauptversammlungsmehrheit. Neben den rund 43 Prozent der von ihr kontrollierten Springer-Aktien kommen noch die rund drei Prozent des mit ihr stimmenden Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer SE, Mathias Döpfner, dazu. Auf Springer-Hauptversammlungen sind in der Regel etwa 80 bis 88 Prozent des stimmberechtigten Kapitals präsent.

Friede Springer macht mit ihrem Schritt eine Ankündigung aus einem ihrer raren Interviews wahr. 2016 hatte sie der Deutschen Presse-Agentur gegenüber ihre Pläne so skizziert: "Für mich stand schon immer fest, dass ich zwei voneinander getrennte Welten möchte. Auf der einen Seite die Stiftungen, die wohltätige und medizinische Zwecke verfolgen und auf der anderen Seite eine Gesellschaft, die sich um das Unternehmen Axel Springer kümmert."

Die Axel-Springer-Stiftung unterstützt von Berlin aus unter Führung der Springer-Vertrauten und Rechtsanwältin Karin Arnold zahlreiche medizinische und kulturelle Projekte. Aus der Nähe Springers zu ihrer Stiftungschefin waren sogar die Gerüchte um einen Machtkampf zwischen Karin Arnold und Döpfner entstanden, die die Verlegerin energisch bestritten hatte. Sie hatte vielmehr das Anforderungsprofil für die künftige Führung des Hauses so beschrieben: "Das wird jemand sein, der aus dem Verlag kommt, der weiß, wie man ein Unternehmen führt und dessen Herz für Journalismus schlägt."

Das scheint für die Zeit nach 2019 doch sehr stark auf den früheren "Welt"-Chefredakteur, Zeitungsverlegerpräsidenten und erfolgreichen Verlagschef Döpfner hinzudeuten. Der 55 Jahre alte Manager steht seit 2002 an der Spitze des Berliner Verlagshauses, das mittlerweile den Großteil seines Umsatzes von 2017 rund 3,6 Milliarden Euro mit internationalen Digitalangeboten erzielt.

Quelle: Dpa

Aufgerufen am 27.01.2021 um 12:03 auf https://www.sn.at/panorama/medien/friede-springer-regelt-zukunft-des-springer-konzerns-61638907

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