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Gewerkschaft fürchtet weitere "WirtschaftsBlatt"-Kündigungen

Die Einstellung der Tageszeitung "WirtschaftsBlatt" ist ein "schwerer Verlust für die Medienlandschaft" erklärte die Journalistengewerkschaft in der GPA-djp am Mittwoch in einer Aussendung. Der Vorsitzende Franz C. Bauer befürchtet weitere Kündigungen und fordert eine Branchenstiftung. Der ÖJC übte Kritik an der Medienpolitik.

Gewerkschaft fürchtet weitere "WirtschaftsBlatt"-Kündigungen SN/APA/HARALD SCHNEIDER
Österreichs Zeitungsmarkt schrumpft weiter.

Die Ursachen für die Schließung ortet Bauer im Strukturwandel der Branche sowie in verfehlten Rationalisierungsmaßnahmen der Unternehmensführung. Die stete Ausdünnung der Redaktion sei der "falsche Weg", um ein Medium mit Qualitätsanspruch zu retten, meinte der Gewerkschaftsvorsitzende. Kündigungen würden auch in anderen Medien drohen und daher sei eine Branchenstiftung gefordert. "Die Unternehmen der Branche und die öffentliche Hand sind jetzt aufgerufen, die berufliche Weiterbildung oder, wo gewünscht, Neuorientierung der zahlreichen Betroffenen zu ermöglichen", Bauer.

Auch der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) bedauerte das Ende der Zeitung und sah die "verfehlte Medienpolitik" mit schuld daran. Es zeige sich, dass die Bundespresseförderung in ihrer derzeitigen Form "keinen einzigen Arbeitsplatz sichern kann, sondern nur nimmersatten Medienkonzernen Steuergelder in den Rachen wirft", kritisierte ÖJC-Präsident Fred Turnheim und verwies darauf, dass das "WirtschaftsBlatt" für das Jahr 2015 im Rahmen der "besonderen Förderung zur Erhaltung der regionalen Vielfalt" 544.226,30 Euro Steuergelder bekommen habe.

Dass alle Bemühungen, die Bundespresseförderung auf eine effiziente Basis zu stellen, im Sand verlaufen sind, merkte auch die "Initiative Qualität im Journalismus" (IQ) in einem Statement an. Engelbert Washietl verwies auf die Erklärung der Styria Media Group, wonach die Kosten für den Betrieb vom Markt nicht refinanzierbar seien und sah darin einen "Alarmruf an die Politik".

ÖVP-Generalsekretär und Mediensprecher Peter McDonald warnte in einer Aussendung vor einem "Domino-Effekt" bei Printprodukten und hielt fest: "Die Medien- und Presseförderung von morgen muss deshalb neu gedacht werden. Journalistische Qualität und regionale Informationen müssen stärker gewichtet und gefördert werden." Das Ende der Zeitung sei "tragisch und höchst bedenklich", so McDonald mit Verweis auf die Medienpluralität und die Kündigungen.

Auf die Rettung und einen Weiterbestand des "WirtschaftsBlattes" hoffte indes noch Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl: "Im Sinne einer hochwertigen Wirtschafts-Berichterstattung müssen für einen Fortbestand der Zeitung und der dortigen Arbeitsplätze alle Möglichkeiten genutzt werden - verlagsintern oder -extern, etwa über Kooperationen oder Investoren, die das Wirtschaftsblatt weiterbetreiben."

Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) fordert nach dem angekündigten Aus für das "WirtschaftsBlatt" neue Rahmenbedingungen. Konkret sollte zunächst die Presseförderung, für die es seit geraumer Zeit ein Konzept gebe, "zügig umgesetzt werden", hieß es am Mittwoch.

Der Entschluss des Styria-Managements sei mit Sicherheit kein leichter gewesen, allerdings das Ergebnis eines Medienwandels, der die Geschäftsgrundlage für Massenmedien massiv verändere. Eine Anpassung der Rahmenbedingungen sei daher "dringend geboten", meinte VÖZ-Präsident Thomas Kralinger. "Die Presseförderung war nie ein Instrument zur Verlustabdeckung für Medienhäuser, wie manche Politiker meinen, sondern immer für den Erhalt der Medienvielfalt gedacht. Dieser Aufgabe kann aufgrund der jahrelangen finanziellen Kürzungen nicht mehr effizient nachgekommen werden", kritisierte er.

Auch der erhöhte Steuersatz auf Digitalprodukte erschwere neue Angebote und die "Ungleichbehandlung" bei der Werbeabgabe bevorzuge Onlinewerbung von US-Plattformen. Kralinger verwies auch auf die "permanenten Belastungen" im Arbeits- und Sozialbereich und die "ungestrafte Ausbeutung" fremder Leistungen aufgrund mangelnden urheberrechtlichen Schutzes von Inhalten.

Bedauert wird die Einstellung der Tageszeitung auch von der Wiener Börse. Durch ihren Fokus auf Wirtschaftsthemen sei diese eine wichtige Säule in der heimischen Medienlandschaft. "Es ist ein bedenkliches Zeichen, dass interessierte Anleger und Unternehmen eine wichtige Bezugsquelle für Wirtschafts- und Börseinformation verlieren", meinte Ludwig Nießen, Mitglied des Vorstandes der Wiener Börse AG ebenfalls in einer Aussendung.

Quelle: APA

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