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Goldschatz Handydaten: So sicher sind persönliche Informationen

Mobilfunkanbieter sitzen in Österreich auf wertvollem Gut. Sie sammeln die Daten ihrer Kunden und arbeiten mit ihnen. Noch sind die Handydaten hierzulande relativ sicher. Warum Zugfahrer dennoch heute schon in Waggons getrackt werden, was sich ändern könnte, wenn die e-Privacy-Verordnung der EU gelockert wird - und wie die Wirtschaft daraus Profit schlagen könnte.

Mit dem Smartphone ziehen Nutzer digitale Spuren durch ihre Umgebung. Die Wirtschaft hat größtes Interesse daran. SN/APA (Archiv/epa)/Florian Kleinsc
Mit dem Smartphone ziehen Nutzer digitale Spuren durch ihre Umgebung. Die Wirtschaft hat größtes Interesse daran.

Netzanbieter, Konsumentendaten, Anonymisierung: Walter Peissl stellte im Saal der Arbeiterkammer (AK) in Wien seine neueste Studie vor. Er hat sie am Wiener Institut für Technikfolgen-Abschätzung erarbeitet. Mit seinem Team hat er Österreichs größte Handyanbieter - A1, T-Mobile und Drei - analysiert. Worauf sein Blick dabei lag? "Auf den Spuren, welche die Kommunikation zwischen Handy und Netzbetreiber hinterlässt. Letztere wissen, wer mit wem wie lange telefoniert hat oder wer sich wann wo befindet", erklärt Peissl. Darin besteht auch die Brisanz: "So wären konkrete Rückschlüsse auf das Verhalten und den Alltag eines Großteils der Bevölkerung möglich", warnt er.

Wo Handydaten zum Wohle aller benutzt werden

AK-Datenschutzexpertin Daniela Zimmer sagt, dass Handynutzer sich derzeit nicht davor fürchten müssen, dass ihre Daten von den Mobilfunkbetreibern für kommerzielle Zwecke missbraucht werden. Wohl aber muss sich jeder, der ein Smartphone besitzt, darüber im Klaren sein, dass seine Daten in Ausnahmefällen verwendet werden. Zimmer nennt zwei Beispiele: "Bei einer Großveranstaltung, einem Konzert auf der Donauinsel etwa, nutzen Einsatzkräfte Handydaten um zu sehen, wo sich gerade besonders viele Menschen tummeln. Und Bahnunternehmen checken die Auslastung ihrer Waggons via Handydaten, um den Platzbedarf einschätzen zu können." Diese Anlässe seien rechtlich gedeckt und dienten dem Gemeinwohl, argumentiert Zimmer und lobt die derzeitige juristische Lage in Österreich.

Was, wenn die Regeln gelockert werden?

Gleichzeitig warnt Daniela Zimmer vor einer Aufweichung der EU-weit geltenden e-Privacy-Verordnung, die derzeit noch relativ strenge Regeln umfasst. Unter österreichischer Ratspräsidentschaft wird darüber gerade verhandelt. Verkehrs- und Standortdaten (also: wer bewegt sich wann für wie lange wo hin) könnten nach einer Lockerung umfassend für kommerzielle Zwecke verwendet werden.

So könnte eine Kaufhauskette erheben lassen, ob in einer Einkaufsstraße viele einkommensstarke Personen vorbeikämen und aufgrund dieser Erkenntnisse einen neuen Standort eröffnen - oder eben nicht. Außerdem entwickeln Unternehmen immer mehr Interesse an der Bewegung von Kunden in ihren Läden. Zwar ist eine genaue Lokalisierung mittels Mobilfunkdaten zu ungenau; in Kombination mit Wlan- oder Bluetooth-Informationen sind sie jedoch höchst brauchbar. Gewohnheiten und Interessen der Kunden könnten so in den Fokus geraten und noch mehr maßgeschneiderte Werbung auf sie zukommen.

Zimmer fordert daher, dass Kunden weiter die Kontrolle über ihre Daten behalten sollen: "Daten, die nach Vertragserfüllung oder nach Abrechnungen nicht mehr gebraucht werden, müssen gelöscht werden - wenn der Kunde nicht ausdrücklich einer Weiterverwendung zustimmt."

Studie zeigt: So gehen Mobilfunk-Anbieter mit Datenschutz um

Alle österreichischen Netzbetreiber verfügen in Sachen Datensicherheit über eine Reihe von Maßnahmen, die mit Zertifikaten belegt sind.

Löschfristen: Hier verhalten sich A1, T-Mobile und Drei gleich. Sie löschen die Daten nach sechs Monaten oder anonymisieren sie, wenn die Rechnungen beglichen sind. Die Anonymisierung findet öfter statt als die Löschung, damit die Betreiber mit den Informationen noch weiterarbeiten können.

Marketing: Mit A1 und T-Mobile kann man über die Zusendung von Werbung diskutieren und eine gegebene Einwilligung zurückziehen. Wer Drei verlässt, bekommt noch eine Zeit danach - bis zu dreieinhalb Jahre lang - Angebote zugesandt.

Personenbezogene Daten: Alle Anbieter weisen darauf hin, dass diese Daten an technische Dienstleister und Partner innerhalb der EU weitergegeben werden können. Firmen außerhalb der EU müssen sich zu den europäischen Datenschutzbestimmungen verpflichten. Sind personenbezogene Daten einmal anonymisiert, kann mit ihnen beinahe uneingeschränkt gearbeitet werden.

Mit dem Smartphone ziehen Nutzer digitale Spuren durch ihre Umgebung. Die Wirtschaft hat größtes Interesse daran. SN/afp
Mit dem Smartphone ziehen Nutzer digitale Spuren durch ihre Umgebung. Die Wirtschaft hat größtes Interesse daran.

Wie können sich Handy-Nutzer dagegen wehren, dass ihre Daten erfasst werden?

Anders als bei heimischen Netzbetreibern ist die Datensammelwut von Handy-Betriebssystemen (Google/Android bzw. Apple/iOS) beinahe grenzenlos. Wer das schwer glauben möchte, kann einen Blick in Google Maps werfen. Für Nutzer, die die Funktion zum ersten Mal öffnen, kann der Anblick leicht schockierend sein - aber aufschlussreich. Melden Sie sich auf Smartphone oder PC mit Ihrem Google-Profil an (bei Android-Handys sind Sie es meist schon) und öffnen Sie die Navigationsanwendung Google Maps. Dort steuern Sie links oben über das Drei-Striche-Menü den Punkt "Meine Zeitachse" an. Und schon sehen Sie Ihr Leben - oder zumindest all Ihre Bewegungen. Wunderbar grafisch aufbereitet können Sie sich anzeigen lassen, wo Sie Tag für Tag mit Ihrem Smartphone unterwegs waren. Sogar das Verkehrsmittel, das Sie verwendet haben, wird veranschaulicht - abgeleitet aus ihrem Bewegungstempo. Sehen Sie indes eine leere Zeitachse bzw. einen dazugehörigen Hinweis, haben Sie Ihre Daten schon vor Google geschützt.

Doch wie kann es solch eine Aufzeichnung überhaupt geben? Google sammelt - vor allem via GPS-Ortung - Standortdaten und trägt diese zusammen. Und auf diese Daten hat jeder Zugriff, der ein (entsperrtes) Gerät in die Hand kriegt, auf dem das Google-Konto aktiv ist.

Wer verhindern will, dass man geortet wird, der sollte in den Einstellungen seines Android-Smartphones nach "Standort" suchen und dort den Punkt "Google-Standortverlauf" ansteuern. Dort kann verankert werden, ob und was von Google (offiziell) aufgezeichnet wird.

Doch nicht nur Android-Handys orten unsere Bewegungen - iPhone-Nutzer sind ebenso betroffen. Um das zu kontrollieren, geht man folgenden Weg: "Einstellungen" - "Datenschutz" - "Ortungsdienste" - "Systemdienste" - "Wichtige Orte". Dort erhält man eine ähnliche Übersicht über die eigenen Bewegungen wie bei Google. Um es zu deaktivieren, sollte man den Schieberegler bei "Wichtige Orte" auf "Off" stellen - und am besten noch den bisherigen Verlauf löschen (ganz unten).

Der wohl größte Nachteil, wenn man so vorgeht: Android-Geräte können, etwa bei Diebstahl, nicht mehr via Fernortung aufgespürt werden, iPhones hingegen schon.

GPS komplett zu deaktivieren ist hingegen nicht ratsam - denn dann kann man mit seinem Smartphone gar nicht mehr navigieren. Man kann sich aber angewöhnen, GPS immer nur dann einzuschalten, wenn man es braucht. Das spart dann auch ordentlich Akku.

Aufgerufen am 10.08.2020 um 11:56 auf https://www.sn.at/panorama/medien/goldschatz-handydaten-so-sicher-sind-persoenliche-informationen-61293166

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