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Grotkamp-Familie übernimmt alle Anteile an Funke Mediengruppe

Die Gesellschafterfamilie Grotkamp hält nach eigenen Angaben künftig alle Anteile an der Funke Mediengruppe.

Die Familie teilte am Donnerstag mit, dass sie "mit Wirkung Anfang 2024 die Anteile der Familienstämme Schubries und Holthoff-Pförtner gekauft" habe. In den vergangenen Tagen hatten "Manager Magazin" und "Welt" über die sich anbahnende Änderung der Gesellschafterstruktur berichtet.

Die Transaktion wird der Mitteilung der Familie zufolge in zwei Stufen vollzogen: Die unternehmerische Führung gehe sofort an die Familie Grotkamp über, der Anteilserwerb erfolge zum 2. Jänner 2024. Über die Höhe des Kaufpreises wurde nichts bekannt. Der Deal muss noch kartellrechtlich genehmigt werden.

Die Familie Grotkamp hält bisher zwei Drittel an dem Medienunternehmen mit Sitz in Essen, das zahlreiche Regionalzeitungen und Zeitschriften im Portfolio hat. Zur Familie zählen Petra Grotkamp und ihre Kinder Julia Becker, Nora Marx und Niklas Wilcke.

Grotkamp ist die Tochter von Jakob Funke. Dieser hatte gemeinsam mit Erich Brost 1948 die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ("WAZ") gegründet - damit hatten beide den Grundstein für das Medienhaus gelegt. Seit 2013 heißt das Unternehmen Funke Mediengruppe. Vor einigen Jahren übernahm Julia Becker den Vorsitz des Aufsichtsrats von ihrer Mutter. Die anderen beiden Familienstämme Schubries und Holthoff-Pförtner halten zusammen ein Drittel an dem Unternehmen.

Als Grund für die Übernahme aller Anteile nannte die Familie Grotkamp die "von allen Gesellschafter-Stämmen gesehene Notwendigkeit klarer Gesellschafter- und Führungsverhältnisse in einer sich verschärfenden Marktsituation". Aufsichtsratsvorsitzende Julia Becker betonte: "Wir wissen um die Verantwortung, die wir mit diesem Schritt übernehmen, freuen uns aber sehr, den Weg, den unsere Mutter Petra Grotkamp 2012 mit der Übernahme der Brost-Anteile eingeschlagen hat, in naher Zukunft vollenden zu können."

Zur Funke Mediengruppe gehören neben der "WAZ" auch Zeitungstitel wie "Hamburger Abendblatt" und die "Berliner Morgenpost". Die Zentralredaktion in Berlin steuert seit 2015 überregionale Inhalte bei.

Die Funke-Mediengruppe als einer der größten Medienkonzerne Deutschlands hält in Österreich über die WAZ Auslands Holding die Hälfte an der "Kronen Zeitung" und 49,44 Prozent am "Kurier". 2018 verkaufte die Funke Mediengruppe 49 Prozent der WAZ Auslands Holding an die Signa-Holding des österreichischen Immobilienunternehmers Rene Benko.

Mit der Familie Dichand befindet sich die Funke-Mediengruppe in einem jahrzehntelangen Gesellschafterstreit. Der deutsche Medienkonzern hat Anläufe unternommen, die "Kronen Zeitung" zur Gänze zu übernehmen. Auch strebt die Funke-Mediengruppe die Kündigung von Rahmenvereinbarungen aus den 80er-Jahren an. Diese sichern der Gründerfamilie Dichand Vorrechte wie einen garantierten Gewinn in Millionenhöhe. Eine Kündigung der Rahmenvereinbarungen ist nach Ansicht von Schiedsgerichten jedoch nur möglich, wenn auch die Gesellschaftsverträge gekündigt werden. Damit würde jedoch einhergehen, dass man die eigenen Anteile an der "Kronen Zeitung" günstig den Mitgesellschaftern überlassen muss.

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