Medien

Hip-Hop-Hit über Krisenbewältigung verringerte laut Studie Suizidrate

Der MedUni-Wien-Forscher Thomas Niederkrotenthaler belegt: Medien haben Potenzial zur Suizidprävention. Nach dem Erfolg von "1-800-273-8255" von Rapper Logic ging die Zahl der Suizide in den USA zurück.

Rapper Logic bei einem Auftritt in Las Vegas im Jahr 2018. SN/apa/afp
Rapper Logic bei einem Auftritt in Las Vegas im Jahr 2018.

Mediale Darstellungen können bei Suiziden zu Nachahmungen führen, sie aber auch verhindern. Letzteres besagt eine Studie von Thomas Niederkrotenthaler am Zentrum für Public Health der MedUni Wien, die im "British Medical Journal" erschien: Demnach besteht ein Zusammenhang des Erfolges des Hip-Hop-Hits "1-800-273-8255" von Rapper Logic und einer Verringerung der Suizidrate in den USA. 5,5 Prozent weniger Menschen begingen im Beobachtungszeitraum Selbstmord.

Das Lied aus dem Jahr 2017 - das sich wochenlang in den Top 3 der US-Charts hielt und auch bei den MTV Video Music Awards und den Grammy Awards aufgeführt wurde - handelt von einem jungen schwarzen und homosexuellen Mann, der seinem Leben nach Diskriminierung und Zurückweisung ein Ende setzen will. Schließlich wählt er aber doch die Nummer der US-Suizidpräventionshotline "National Suicide Prevention Lifeline" und bekommt Hilfe.

Gemeinsam mit Forschern und Forscherinnen aus Wien, New York, Toronto, Atlanta und Melbourne untersuchte Niederkrotenthaler Social-Media-Beiträge im Zusammenhang mit dem Lied sowie die Zahl der Anrufe bei der US-Suizidpräventionshotline. Innerhalb von 34 Tagen wurden 9.915 Anrufe und damit 6,9 Prozent mehr Kontakte von Hilfesuchenden bei der "National Sucide Prevention Lifeline" verzeichnet. Gleichzeitig gab es 245 Suizide - 5,5 Prozent - weniger.

Bisher habe es kaum mediale Darstellungen mit ausreichender Verbreitung gegeben, um sichtbar machen zu können, dass Erzählungen von Menschen, die suizidale Krisensituationen bewältigt haben, die Suizidalität verringern können, sagte Niederkrotenthaler in einer Aussendung. "Mit Hilfe unserer Analyse konnten wir erstmals zeigen, dass kreative Zusammenarbeit zwischen Unterhaltungsindustrie und Suizidprävention effektiv sein kann, um gerade vulnerable Menschen in suizidalen Krisensituationen dazu anzuregen, Hilfe zu suchen, und Suizide zu verhüten." Medien sollen dem Forscher zufolge durch die Darstellung von Krisenbewältigung zur Suizidprävention beizutragen.

Hilfe in Krisensituationen

Wenn Sie selbst in einer Krisensituationen sind oder Angehörigen helfen möchten, gibt es eine Reihe von Anlaufstellen:

Die Telefonseelsorge erreichen Sie täglich von 0 bis 24 Uhr unter der Nummer 142.

Für Kinder und Jugendliche gibt es unter www.bittelebe.at eine spezielle Website. Rat auf Draht ist unter 147 telefonisch erreichbar.

Pro Mente Salzburg hilft Menschen und deren Angehörigen in akuten Not- und Krisensituationen täglich 0–24 Uhr.
Salzburg: 0662 / 43 33 51
Pongau: 06412 / 200 33
Pinzgau: 06542 / 72 600

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