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Hohe Dosis Politik war im TV ein Quotenhit

Trotz der senderübergreifenden Ballung von Fernsehberichten zur Nationalratswahl ist das Interesse der Zuschauer nicht abgeflaut. Warum?

Den medialen Abschluss des Wahlkampfs bildete die sogenannte Elefantenrunde im ORF. Die Quote ließ mit 1,146 Millionen Zusehern und 39 Prozent Marktanteil keine Wünsche offen, es war die meistgesehene Wahl-19-Sendung im österreichischen TV. Darüber freute sich ORF-General Alexander Wrabetz angesichts von "sechs Elefantenrunden im heimischen Fernsehen". ORF-Fernseh-Chefredakteur Matthias Schrom sagte den SN, die rege Kommunikationskultur habe seit Kreisky Tradition: "Der ORF hat früher allerdings noch mehr gemacht. Der aktuelle Erfolg liegt in der Weiterentwicklung der Fragen und Formate, die versuchen, die Persönlichkeit der Kandidaten herauszuarbeiten - auch in Hinblick auf mögliche Koalitionen."

Kommunikationswissenschafter Thomas Steinmaurer von der Universität Salzburg hält einen Prioritätenwechsel vom Themen- zum Personenwahlkampf für einen der Gründe des besonderen Interesses. Es sei spannend, wie Politiker sich zu den Skandalen äußerten. Unentschlossene könnten sich eine Meinung bilden, Entschlossenen würde ihre Meinung bestätigt: "Wahldiskussionen sind eine bequeme Art, sich über politische Fragen zu informieren, andererseits können Politiker ihre Profile schärfen."

Corinna Milborn, Infodirektorin und Moderatorin von Puls 24 und Puls 4, glaubt, dass "die Berichterstattung das Interesse für ebendiese Berichterstattung - und zugleich die Wahlbeteiligung - steigert". Sie betont, dass der Vorwurf an Politiker, Stehsätze stets zu wiederholen, zwar teilweise stimme, aber die Häufung der Sendungen habe eine Besserung bewirkt. "Wenn Politiker bei Wahlveranstaltungen dasselbe sagen, fällt das wegen des wechselnden Publikums nicht weiter auf. So viele Auftritte im Fernsehen erlauben aber Vergleiche."

"Politikverdrossenheit bedeutet nicht, dass sich niemand für Politik interessiert", meint Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle, "aber es wird geschimpft. Es ist viel passiert, Ibiza, die Abwahl der Regierung. Das Interesse an politischen Konfrontationen zeugt auch von einer hohen Wählermobilität. Stammwähler müssen sich nicht großartig informieren." Dennoch sei das Interesse eine Überraschung, weil von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zweier Parteien keine Rede sein könne. Aber die Vervielfachung des Geschehens via Social Media trage zur Verstärkung bei.

Nina Hoppe, strategische Kommunikationsberaterin in Wien, bedauert die hohe Zahl der Sendungen. "Die Spontaneität ist weg." Aber die Politik werde erfolgreich auf Showelemente zugeschnitten: "Es wird in der Erwartung eingeschaltet, dass es zu einer Zuspitzung kommt, dass etwas passiert."

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