Marvel's Spider Man

Ich glaub', ich spinne

Fäden schießen, Netzbomben zünden, durch Häuserschluchten schwingen: Endlich dürfen sich Spieler ein bisschen wie Marvels "Spider-Man" fühlen.

Drei Spider-Man-Neuverfilmungen hat es in den letzten 15 Jahren gegeben. Viele davon waren an den Kinokassen höchst erfolgreich, auch wenn die zahlreichen Sequels und Reboots von "Spidey" wohl zu den eher schwächeren Episoden des Marvel-Universums zählen. Eine Überführung in die virtuelle Welt war also gewissermaßen vorprogrammiert.

Mit "Spider-Man" wagen Marvel und Insomniac Games ("Disruptor", "Spyro", "Ratchet & Clank", "Resistance") jetzt den engagierten Versuch, die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft als Videospiel zu etablieren - ein AAA-Titel, der für große Erwartungen bei Zockern sorgt, gleichzeitig ist es auch ein Wagnis, denn Videospiele nach Filmvorlagen sind nur selten richtig gut. Zu den Ausnahmen zählen "Mad Max" oder die "Batman"-Reihe, aber insgesamt gibt es nur wenige Pixel-Adaptionen, die überzeugen.

Auch "Spider-Man", das exklusiv für die PS4 entwickelt wurde, gehört jetzt zu diesem kleinen Kreis der geglückten Überführungsversuche. Nach nur wenigen Sekunden hat einen das Game komplett eingewickelt: Spinnenfäden abfeuern, Netze auswerfen, durch Häuserschluchten schwingen oder an der glänzenden Fassade der Hochhäuser empor krabbeln. Es macht richtig Spaß, sich in das Superheldenkostüm zu zwängen, um über den Dächern der Stadt waghalsige Salti, Pirouetten und Super-Sprünge durchzuführen. Man darf Häuserwände entlanglaufen, in den Abgrund stürzen, auf Autos surfen.

Es könnte stundenlang so dahin gehen, ohne je langweilig zu werden. Alles wirkt unbekümmert und leicht. Manhattans Skyline, die Autokolonnen zur Rush-Hour und das bunte Treiben in den Gassen sehen fantastisch aus. Gerne verweilt man hoch oben, über dem Geschehen, und genießt das herrliche Panorama, wenn die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft auf einem der Sendemasten eine kurze Verschnaufpause einlegt. Solche Momente sind rar. Ständig melden sich Verbündete über den Polizeifunk. Diebe, Räuber, Gauner und Banditen terrorisieren die Stadt - unter der Herrschaft von Superschurken wie Kingpin, Electro, Vulture, Shocker, Rhino und anderen. Es gibt also ständig etwas zu tun und unzählige Nebenmissionen halten die Spinne auf Trab. Dazwischen lockern lustige Zwischensequenzen die Szenerie etwas auf.

Großartig ist aber nicht nur die Art, wie sich Peter Parker von Haus zu Haus schwingt, sondern auch wie er die Umgebung dabei mit einbezieht: Auf seiner Reise durch die offene Welt spricht er mit Passanten, macht Witze, schleudert Kanaldeckel auf Feinde oder lässt massive Baugerüste auf sie niederstürzen. Inspiriert vom Kampfsystem der "Batman"-Spiele nimmt es "Spidey" gleich mit mehreren Gegnern auf - er rutscht durch die ihre Beine, springt über ihre Köpfe, lässt sie von der Decke baumeln oder klebt sie mit Netzen an Wänden fest. Selbst Stunden später macht das abwechslungsreiche Zusammenspiel aus Angriff und Verteidigung noch richtig Spaß.

Nur die Story bleibt bei dem Action-Furiosum auf der Strecke, sie wirkt oft inhomogen und zusammengestückelt. Auch die Bosse und ihre Handlanger bleiben blass. Eher einfallslos ist auch der Aufbau des Spiels: Wie schon in zahlreichen anderen Open-World-Games zuvor muss der Spieler nach und nach Stadtteile erkunden und Aufgaben freischalten, indem er - ähnlich wie in den "Assassin´s Creed"-Teilen - Türme erklimmt und defekte Sendemasten repariert. Wer also unbedingt meckern will, kann hier ansetzen.

Ansonsten ist "Spider-Man" aber genau das Spiel, das wir uns gewünscht haben: Optisch ist es eine Wucht, spielerisch flüssig und über weite Strecken auch wunderbar unterhaltsam.

Info
Spider-Man
Insomniac Games
PS4
USK: 12

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.11.2018 um 06:06 auf https://www.sn.at/panorama/medien/ich-glaub-ich-spinne-49682728

homo ludens - die spielerische Seite der SN

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