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Machtkampf bei ProSieben: MFE will Aufsichtsrat nicht entlasten

Der Silvio Berlusconi gehörende Miteigentümer MFE will bei der Hauptversammlung das Kontrollgremium nicht entlasten. Von MFE heißt es, man unterstütze die neue Strategie von ProSiebenSat.1 - und wolle sich nicht ins operative Mediengeschäft einmischen.

Rainer Beaujean, Vorstandssprecher & CFO der Sendergruppe ProSiebenSat.1 muss derzeit einen Machtkampf seiner Eigentümer durchstehen.  SN/prosiebensat.1
Rainer Beaujean, Vorstandssprecher & CFO der Sendergruppe ProSiebenSat.1 muss derzeit einen Machtkampf seiner Eigentümer durchstehen.

Der Machtkampf zwischen dem deutschen Medienkonzern ProSiebenSat.1 und seinem Großaktionär MFE kommt auch zur Hauptversammlung nicht zur Ruhe. Die vom ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi dominierte Fernsehholding MFE-Mediaforeurope will beim virtuellen ProSieben-Aktionärstreffen am Donnerstag zwar den Vorstand des deutschen Fernsehkonzerns entlasten - nicht aber den Aufsichtsrat.

Man unterstütze das bayerische Unternehmen weiter und werde deshalb für die Entlastung des Vorstands um ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean stimmen, erklärte MFE am Mittwoch. MFE werde jedoch gegen die pauschale Entlastung des Kontrollgremiums votieren. ProSieben äußerte sich nicht dazu.

Die Italiener hatten beantragt, dass über die Entlastung der Mitglieder von Vorstand wie auch vom Aufsichtsrat jeweils einzeln und nicht pauschal abgestimmt werde solle. Das hat ProSieben abgelehnt und begründet dies mit "der gängigen Marktpraxis in Deutschland".

MFE, früher als Mediaset bekannt, hält mehr als 25 Prozent am deutschen Konzern und hat wiederholt auf eine engere Zusammenarbeit gedrungen. Zuletzt war die Stimmung zwischen beiden Firmen getrübt, weil sich MFE bei Personalentscheidungen übergangen fühlte - etwa bei Beaujeans Vertragsverlängerung und der Nachfolgeregelung an der Aufsichtsratsspitze. Die Italiener sandten einige Giftpfeile nach Unterföhring und drohten damit, alternative Kandidaten für den Aufsichtsrat vorzustellen. Zudem sagte MFE-Finanzchef Marco Giordani, man habe zwar derzeit keine Pläne, ProSiebenSat.1 zu übernehmen. "Was in einem Jahr ist, wird man dann sehen", schob er in einem Interview hinterher.

Nun schlugen die Italiener auch versöhnlichere Töne an. MFE bezeichnete sich als langfristig orientierter Anteilseigner, der die neue Strategie von ProSiebenSat.1 unterstütze. Man habe dabei nicht die Absicht, sich operativ in das Mediengeschäft von ProSieben einzumischen. MFE sei dabei, ein Geschäftsmodell für die Zukunft zu entwerfen, während ProSieben seine Ziele auf eigenständiger Basis verfolge. "Beide Ebenen können nebeneinander bestehen und Synergieeffekte erzeugen."

Beaujean hatte vor kurzem in einem Interview noch einmal klare Kante gezeigt: "Ich sehe ProSiebenSat.1 als absolut unabhängiges Unternehmen, das aus sich selbst heraus wächst", hatte er der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. Er pochte angesichts zunehmender Avancen von MFE auf die eigene Unabhängigkeit. "Wir würden gerne von Media for Europe erfahren, wie ihre Pläne für einen paneuropäischen Medienkonzern konkret aussehen und welchen Mehrwert das für alle unsere Stakeholder hätte, für Zuschauer, Kunden, Mitarbeiter, Aktionäre, die Öffentlichkeit."

Der ProSiebenSat.1-Investor Deka Investment blickt inzwischen skeptisch auf den steigenden Einfluss von MFE bei dem deutschen Medienkonzern. "Wir sehen den wachsenden Unternehmensanteil des italienischen Ankeraktionärs MFE mit Sorge, da weder die Strategie noch die Absichten klar sind", sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, jüngst in einem Statement zur Hauptversammlung. "Wir fordern MFE dazu auf, Farbe zu bekennen", betonte Speich.

Aufgerufen am 20.05.2022 um 02:09 auf https://www.sn.at/panorama/medien/machtkampf-bei-prosieben-mfe-will-aufsichtsrat-nicht-entlasten-120888940

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