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Mateschitz über Servus TV: "Das Kind ist erwachsen"

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz spricht im SN-Interview über die nächsten Pläne bei Servus TV und warum die Formel 1 dort noch kein Thema ist.

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz sieht den hauseigenen Sender Servus TV auf einem guten Weg. SN/gepa
Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz sieht den hauseigenen Sender Servus TV auf einem guten Weg.

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz hat seit Jahren ehrgeizige Pläne mit seinem Red Bull Media House. Zuletzt ist in seinem Medienimperium das ehrgeizige Millionenprojekt um Red Bull TV ins Stocken geraten. Der 72-Jährige erklärt im SN-Interview die Gründe dafür und warum Servus TV trotz einiger Turbulenzen 2016 in den letzten Jahren erwachsen geworden ist.

Eines Ihrer ehrgeizigsten Medienprojekte, Red Bull TV, ist nicht so geworden, wie Sie es sich gewünscht haben. Was war der Grund, dass es jetzt eine abgespeckte Version gibt?
Mateschitz: Unsere Entscheidung war, dass wir Red Bull TV nicht mehr linear, sondern ausschließlich digital ausrollen. Aus zweierlei Gründen: Traditionelles Fernsehen ist dramatisch rückläufig zugunsten digitaler Plattformen. In unserer Zielgruppe ist dieser Abtausch besonders signifikant. Nicht nur, dass dieser Trend anhalten wird, war der zweite Grund, dass wir unter diesen Vorzeichen uns nicht selbst die Auflage erteilen wollten, täglich vier bis sechs Stunden Programm zu produzieren. Damit nehmen wir uns auch den Druck der Quantität und konzentrieren uns wieder auf die Qualität der Inhalte, die uns ja besonders wichtig sind.

Wie sind Sie mit der Entwicklung von Servus TV zufrieden? Die Reichweiten sind zuletzt stetig gestiegen.
Das Kind ist erwachsen geworden. Das Team von Servus TV zeigt ein unglaubliches Engagement. In diesem Jahr werden wir neben Sport, Kultur und Dokumentationen auch News-Schwerpunkte setzen. Wir setzen weiter den Weg über die Qualität fort, allerdings haben dabei die Reichweiten ihre Limits. Das wissen wir.

Im März beginnt für Servus TV die zweite Saison mit der Motorrad-Königsklasse MotoGP. Welche Bilanz ziehen Sie nach dem ersten Jahr der Übertragung?
Die MotoGP ist wahrscheinlich derzeit weltweit die beste Motorsportserie. Wir haben hier ein junges, engagiertes und vor allem sehr kompetentes Team, das gute Arbeit macht. Die Reichweiten im ersten Jahr können sich sehen lassen.

Der ORF denkt bereits darüber nach, die Formel-1-Rechte ab 2020 aus finanziellen Gründen nicht mehr zu verlängern. Wären diese Rechte dann für Servus TV ein Thema?
Auf den ersten Blick nicht unbedingt. Denn im deutschsprachigen Raum wäre neben dem ORF die Formel 1 auf RTL ohnehin im Free-TV zu sehen. Insgesamt ist die Formel 1 für uns natürlich immer ein Thema. Aber damit haben wir uns im Detail noch nicht beschäftigt.

Die Geschichte von Servus TV

Am 1. Oktober 2009 startete das TV-Experiment von Red Bull am Sendeplatz von Salzburg TV. Einem Sender, der österreichische Fernsehgeschichte geschrieben hat und dessen Wurzeln bis heute im Programm von Servus TV zu spüren sind.

Salzburg TV war zuerst über Kabelfernsehen zu empfangen, 2000 wurde es dem Gründer Ferdinand Wegscheider dort zu eng. Und so kam es, dass er am 25. Oktober als erstes Privat-TV in Österreich einen eigenen Sender installierte und damit auch über Antenne zu empfangen war.

Mit ins Kalkül zog er, dass es keine gesetzliche Grundlage für privates terrestrisches Fernsehen gab. Der Sender auf dem Untersberg wurde als Piratensender betrieben. Fünf Tage nach dem Start wurde er von der Funküberwachung abgeschaltet, plombiert und beschlagnahmt.

Eine gesetzliche Grundlage für privates Antennenfernsehen wurde erst mit dem Privatfernsehgesetz 2001 geschaffen. 2002 ging Salzburg TV dann legal auf Sendung. Großes wirtschaftliches Glück hatten die Betreiber aber nicht.

2004 übernahmen Wirtschaftskammer, Raiffeisenverband und Spängler-Bank einen 95-Prozent-Anteil an Salzburg TV, um den Sender vor der Insolvenz zu retten.

Am 1. Jänner 2007 stieg Red Bull bei Servus TV ein und übernahm den 95-Prozent-Anteil des Senders, der nicht im Besitz der Gründer war. 2008 verließen diese wegen starker Differenzen den Sender. Ihre Anteile wurden ebenfalls von Red Bull erworben. 2009 ging man unter dem Namen Servus TV auf Sendung.

2016 überraschte Dietrich Mateschitz mit der Ankündigung, den Sender vom Netz nehmen zu wollen und alle Mitarbeiter zu kündigen. Wenige Tage später kam die überraschende Wende: Die Kündigungen wurden zurückgenommen.

Nach Gesprächen hätten sich alle Beteiligten dazu geeinigt, den Privatsender fortzuführen. Hintergrund waren Differenzen über die Gründung eines Betriebsrats und die Frage der Wirtschaftlichkeit des Senders.

Aufgerufen am 25.11.2017 um 12:22 auf https://www.sn.at/panorama/medien/mateschitz-ueber-servus-tv-das-kind-ist-erwachsen-37972

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