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Matthäus-Passion erklingt als Hörspiel

Radio Ö1 gestaltet am Karsamstag einen Themenschwerpunkt.

Peter Simonischek ist am Samstag in der Rolle des Matthäus zu hören. SN/apa (archiv/afp)
Peter Simonischek ist am Samstag in der Rolle des Matthäus zu hören.

Was ein Text taugt, kommt bei lautem Sprechen auf den Prüfstand. So wagt der Radiosender Ö1 mit der Matthäus-Passion ein Experiment: Was Johann Sebastian Bach für Sänger, zwei Chöre und zwei Orchester komponiert hat, erklingt am Karsamstag als bloßes Hörspiel. Texte wie "O Haupt voll Blut und Wunden" oder "Wiewohl mein Herz in Tränen schwimmt, dass Jesus von mir Abschied nimmt" sind plötzlich frei von dieser Musik.

Sie bestehen dies im neuen ORF-Hörspiel erstaunlich gut. Exzellente Sprecher wie Michael Maertens und Petra Morzé geben der Schilderung von Trauer, Mitleid, Angst und Schuld eine so noch nie vernommene Eindringlichkeit. Herausragend ist Peter Simonischek als souveräner Erzähler mit behutsam abwechslungsreich intonierter Stimme. Regisseur Leonhard Koppelmann hat einige Arien der Maria Magdalena übertragen, die die junge Burgschauspielerin Lilith Häßle bravourös interpretiert. Der akustische Hintergrund bietet manchmal Illustrierendes wie Naturgeräusche und martialische Trommeln oder oft sonderbar wabernde Geräusche und Instrumentalklänge. Mit Fetzen aus Hassreden der NS-Zeit erinnert Leonhard Koppelmann daran, dass die den Juden zugeschriebene Schuld an Jesu Tod eine Quelle des Antisemitismus ist.

Nach dem Hörspiel um 14 Uhr präsentiert "Apropos Klassik" am Karsamstag die Musik der Matthäus-Passion. Und "Logos" ab 19.05 Uhr ergründet diesen Bericht vom Sterben Jesu theologisch.

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