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Medien in der Coronakrise: Nachrichtenkanäle sind "unersetzbar", Social Media verliert

 SN/fotolia/bananafish

Auch für die Medienbranche war und ist die Coronakrise eine Zäsur. Doch offenbar sind die Auswirkungen nicht nur negativ. Dies belegt das Forschungsprojekt Media for Democracy Monitor, dessen erste Ergebnisse für das erste Halbjahr 2020 am Dienstag präsentiert werden. Seit den Covid-19-bedingten Lockdowns hätten nahezu alle Nachrichtenmedien in den 18 untersuchten Ländern an Reichweite und auch an Vertrauen zugelegt, schildern die Studienautoren unter der Leitung der Kommunikationswissenschafter Josef Trappel (Uni Salzburg) und Werner A. Meier (Uni Zürich). Profitieren konnten im Grunde sämtliche Mediengattungen.

Nahezu alle Medien hätten aber auch die Krisen in Handel und Industrie gespiegelt: "Als Daumenregel kann gelten, dass 30 bis 50 Prozent der Werbeeinnahmen im Vergleich zu den Vorjahren ausgefallen sind", beschreiben die Kommunikationswissenschafter. Und das hatte zum Teil einschneidende Folgen: Weltweit hätten Hunderte Tageszeitungen den Druck eingestellt und seien auf eine reine Onlinepublikation umgestiegen.

Meist nur kurzfristige Subventionen

Immerhin hätten die nationalen Regierungen den Medien finanziell unter die Arme gegriffen. Und zwar selbst solche, "die bisher jegliche Form von Mediensubventionen entrüstet abgelehnt haben". Aber: Nur wenige der untersuchten Regierungen hätten die Gelegenheit genutzt, um langfristig das Überleben der Medienhäuser zu sichern. Und das, obwohl die Studienautoren zum Ergebnis kommen, dass professionelle Nachrichtenmedien während solcher Krisen "unersetzbar sind". Die Social-Media-Plattformen verloren hingegen an Vertrauen. Vor allem, weil sie "noch nie so viele Falschinformationen verbreitet haben wie während der Pandemie".

Die ersten Erkenntnisse des Media for Democracy Monitors wurden den SN vorab zur Verfügung gestellt. Weitere folgen in den kommenden Wochen. Die gesamten Ergebnisse werden im Frühjahr 2021 veröffentlicht.

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