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Medientage 2020: Finanzielle Lage ist die größte Herausforderung für die Medienbranche

Die schwierige finanzielle Lage aufgrund wegbrechender Werbeerlöse und der zunehmenden Digitalisierung, die durch die Coronakrise verstärkt wurde, ist für Medien die derzeit größte Herausforderung. Davon zeigten sich sowohl Ex-"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann als auch "Standard"-Herausgeber Oscar Bronner bei den Medientagen am Donnerstag überzeugt.

Moderator Gerold Riedmann und Kommunikationsberater Kai Diekmann, zugeschaltet bei den Medientagen 2020 SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Moderator Gerold Riedmann und Kommunikationsberater Kai Diekmann, zugeschaltet bei den Medientagen 2020

"Die Unabhängigkeit des Journalismus ist immer in Gefahr und muss immer neu erkämpft werden", sagte Bronner. Es gebe immer Stakeholder, die "nicht viel von der Unabhängigkeit halten". Die Hauptgefahr bestehe derzeit darin, "dass die finanzielle Basis der meisten Medien erodiert", ist er überzeugt. "Daher sind die Medien verwundbar."

Das wüssten auch alle, "die das bisschen Geld, das noch fließt", vergeben, sehr genau und setzten es entsprechend ein. Dabei handle es sich nur um die Inserenten, sondern auch um die österreichische Politik. Man könne genau beobachten, dass das Geld zu jenen Medien fließe, die genehm seien.

"Vor fünf Jahren hätte ich noch gesagt, es ist weniger die Politik, sondern es sind mehr die Unternehmen, die unsere Unabhängigkeit antasten", sagte Christian Rainer, Herausgeber und Chefredakteur des "profil", das heuer 50-jähriges Jubiläum feiert und von Bronner gegründet wurde. Inzwischen seien die Medien aus verschiedenen Gründen stärker unter Druck, stimmte Rainer zu. Auch wenn sich die Anzeigenumsätze erholen sollten, würden sie nicht mehr das Niveau von vor zehn Jahren erreichen. Die Erlöse aus dem Werbegeschäft würden sich vielleicht bei etwa 20 Prozent einpendeln, der Rest werde von den Usern und Lesern bestritten werden, die bereit sind, für die Inhalte zu zahlen.

Auch der frühere "Bild"-Chefredakteur Diekmann bezeichnete die wirtschaftliche Herausforderung in einem vorab aufgezeichneten Interview, das zuvor gezeigt worden war, als am größten. Diekmann, der die PR-Agentur Storymachine betreibt, war wegen der deutschen Reisewarnung nicht nach Wien gekommen.

"Die Coronakrise hat wie ein Katalysator gewirkt und einen ungeheuren Digitalisierungsschub bewirkt", sagte Diekmann. "Wer sich nicht rechtzeitig digitalisiert hat, der hat ein dramatisches Problem. Ich glaube, wir werden in der Medienbranche noch eine gewaltige Konsolidierung erfahren." Vielen Medien werde es nicht gelingen, sich so zu verändern, dass sie "auch morgen noch eine Existenzberechtigung" haben. Mediale Angebote, die sich an ein rein analoges Publikum wenden, etwa eine Programmzeitschrift, würden wohl nicht überleben.

Gefragt, wie Deutschland auf Österreich blicke, fiel Diekmann als erstes Corona ein: "In Europa verbinden viele den Ausbruch von Corona natürlich mit Österreich, das waren die Skigebiete." Es habe zwar gedauert, aber dann habe Österreich sehr konsequent reagiert. "Ich habe das Gefühl, dass in Österreich sehr vernünftig mit dem Virus umgegangen wird", lobte Diekmann. Er glaube nicht, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz durch die Krise "an Glanz verloren" habe. Privat wünsche er sich, dass seine Freunde "im Wiener Tal des Todes überleben", scherzte er aber.

Quelle: APA

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