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Mit Kriegsrhetorik, Kopien und den Rolling Stones: Vor 25 Jahren startete der PC-Boom

Mit Windows 95 wurde der Personal Computer massentauglich. Und das obwohl sich Microsoft-Chef Bill Gates zu Anfang ordentlich verschätzte.

Den Aufbrauch in das PC-Zeitalter läutete nicht etwa ein findiger Firmenboss oder ein vifer Programmierer ein - sondern die Rolling Stones. Als Microsoft vor 25 Jahren sein PC-Betriebssystem Windows 95 vorstellte, lief der Jagger-Hit "Start Me Up". Dieser hatte damals bereits 14 Jahre auf dem Buckel, war aber laut Microsoft-Chef Bill Gates das perfekte Lied für die gigantisch aufgezogene Präsentation. Allein die Nutzungsrechte für den Song kosteten drei Millionen US-Dollar. Parallel feierten 2500 Gäste auf dem Firmencampus in Redmond bei Seattle das neue Betriebssystem; auch TV-Star Jay Leno wurde aus Los Angeles eingeflogen. Dazu wurde in New York das Empire State Building in den Farben von Microsoft angestrahlt.

Windows 95 wurde zum Welterfolg

Wie sich später herausstellen sollte, brachte das neue Betriebssystem tatsächlich eine Zäsur. Allein in den ersten sieben Wochen verkaufte Microsoft sieben Millionen Exemplare. Innerhalb eines Jahres waren es 40 Millionen. Damit holte Gates den Personal Computer aus der Nerd-Ecke: 1995 wurden weltweit gut 60 Millionen Computer verkauft. Zehn Jahre später waren es bereits mehr als 200 Millionen - und Microsoft hielt einen Marktanteil von grob 95 Prozent.

Windows 95 wurde als Weltneuheit gefeiert. Allerdings steckte unter der Haube viel alte Technologie. Viel überzeugender war die Optik: Das Microsoft-System brachte eine neue grafische Oberfläche mit, die sich an den Dokumenten orientierte und mit der Maus bedient werden konnte. Apple hatte Ähnliches bei seinen Mac-Computer bereits zuvor eingeführt. Doch bis heute bestreitet Bill Gates vom Konkurrenten abgekupfert zu haben. Vielmehr habe er sich vom Xerox PARC, einem kalifornischen Forschungsinstitut, inspirieren lassen.

Jedenfalls sah Windows 95 besser aus als seine Vorgänger wie MS-DOS - und war deutlich einfacher zu bedienen. Wie beim Mac konnte man die Dateien auf dem virtuellen Schreibtisch (Desktop) ablegen. Gelöschte Dateien landeten hingegen in einem Papierkorb. Einen eigenen Akzent setzte Microsoft mit dem Start-Menü, auch wenn einige Anwender nicht verstehen konnten, warum man auch zum "Beenden" auf "Start" klicken musste.

Windows 95 läutete das PC-Zeitalter ein. SN/AFP
Windows 95 läutete das PC-Zeitalter ein.

Auch Bill Gates macht Fehler

Zu Beginn wurde Windows 95 ohne Internetbrowser verkauft, obwohl das World Wide Web bereits fünf Jahre alt war. Erst in einem "Plus!"-Paket wurde ein solcher nachgeliefert. Als aber der Browser Netscape den Markt überrannte, drehte der Microsoft-Chef seinen Online-Kurs. Und das begleitet von pathetischer Rhetorik: Am Jahrestag des Überfalls Japans auf Pearl Harbor erinnerte er an den Kommentar des japanischen Admirals Yamamoto, der fürchtete, "sie (die Japaner, Anm.) hätten einen schlafenden Giganten geweckt". Gates verstrickte sich daraufhin in einen "Browserkrieg" gegen Netscape. Schlussendlich behielt aber Microsoft die Überhand - und Netscape blieb auf der Strecke.

Heute, zweieinhalb Jahrzehnte später, baut der PC-Markt konsequent ab. Zu stark sind Smartphone und Tablet. Doch Microsoft gehört immer noch zu den größten Konzernen der Welt. Auch deshalb, weil jene PCs, die noch im Einsatz sind, nach wie vor fast ausschließlich mit Windows laufen.

Quelle: SN-Hill, Dpa

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