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Nach Fälschungsskandal: Ombudsstelle beim "Spiegel" startet

Ein Jahr nach dem Relotius-Fälschungsskandal will das deutsche Magazin "Der Spiegel" als eine Konsequenz bald eine Ombudsstelle einrichten. Diese soll künftig Hinweisen auf Ungereimtheiten in journalistischen Beiträgen nachgehen.

 SN/APA/dpa/Kay Nietfeld

Der Reporter Claas Relotius hatte in "Spiegel"-Artikeln immer wieder Szenen, Gespräche und Ereignisse erfunden. Eine Aufklärungskommission hatte den Fall aufgearbeitet.

In eigener Sache schrieb "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann am Freitag auf "Spiegel online": "Wir werden zum Jahresanfang 2020 eine Ombudsstelle einrichten, die auch anonyme Hinweise auf Unregelmäßigkeiten entgegennimmt und diesen gegebenenfalls zusammen mit der Aufklärungskommission nachgeht."

Klusmann ergänzte: "So wie wir dies derzeit im Fall der rund 26 Jahre alten Titelgeschichte "Der Todesschuss" (SPIEGEL 27/1993) zum GSG-9-Einsatz von Bad Kleinen tun."

In dem Artikel geht es um den Einsatz der Elite-Polizisten im Jahr 1993 in der Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern zur Festnahme von zwei Mitgliedern der terroristischen Roten Armee Fraktion (RAF). RAF-Mitglied Wolfgang Grams sowie ein GSG-9-Beamter starben. Grams hatte sich laut Gutachten selbst umgebracht.

Allerdings gab es Gerüchte und auch Medienberichte wie den "Spiegel"-Artikel zu der Frage, ob das RAF-Mitglied hingerichtet worden sei. Der Vorfall stürzte die damalige Bundesregierung und die Sicherheitsbehörden in eine Krise. Es gab personelle Konsequenzen. Der damalige Generalbundesanwalt Alexander von Stahl musste seinen Posten räumen. Auch Bundesinnenminister Rudolf Seiters (CDU) trat ab.

Im Podcast des Journalisten Gabor Steingart ("Morning Briefing") sprach von Stahl diese Woche über den "Spiegel"-Artikel. Nach seiner Ansicht habe es einen anonymen Zeugen, auf den man sich auch berufen hatte, gar nicht gegeben. Er vermute, dass der "Spiegel" die Geschichte erfunden habe.

Quelle: Dpa

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