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Nachfrage nach Online-Testamentsberatung stark gestiegen

Gutes Tun nach dem Tod: Großes Interesse am gemeinnützigen Testament. 13 Prozent ziehen Spende des Vermächtnisses in Betracht. Initiative "Vergissmeinnicht" berät verstärkt online

Viele Österreicher können sich vorstellen, ihr Vermächtnis einem guten Zweck zu widmen. SN/APA (dpa/Symbolbild)/Jens Büttne
Viele Österreicher können sich vorstellen, ihr Vermächtnis einem guten Zweck zu widmen.

Nur 30 Prozent der Österreicher über 40 Jahren verfügen derzeit über ein Testament. Sind keine gesetzlichen Erben vorhanden, geht deren Nachlass an den Staat. Vor allem kinderlose Erblasser wünschen sich aber oft, ihre Lieblings-NGOs auch nach ihrem Ableben weiter zu unterstützen, hieß es bei einem Online-Pressegespräch am Donnerstag. Rund ein Zehntel des rund 700 Millionen Euro hohen Spendenaufkommens in Österreich gehen mittlerweile auf Testamente zurück. Einer "market"-Umfrage zufolge können sich 13 Prozent der Befragten ein Vermächtnis für den guten Zweck vorstellen. Welche Vorkehrungen zu treffen sind und was nach der Erbrechtsnovelle 2017 beachtet werden muss, erläutern Profis jetzt virtuell.

Im Bundesländervergleich zeige sich, dass das Interesse an einer Testamentsspende in Wien (22 Prozent) und Salzburg (21 Prozent) am größten ist, am niedrigsten in Vorarlberg. Ein Testament generell habe man am häufigsten in Oberösterreich (42 Prozent) und am seltensten in Tirol (16 Prozent). Das Projekt "Vergissmeinnicht" verstärkt gemeinsam mit der Österreichischen Notariatskammer nun sein diesbezügliches Angebot und startet eine Informations- und Digitalisierungsinitiative. Herzstück ist der Online-Testamentsrechner, erläuterte Günther Lutschinger, Initiator des 2012 kreierten Projekts "Vergissmeinicht - Die Initiative für das gute Testament". Vor allem in der Zeit des Lockdowns habe man eine stark steigende Nachfrage nach den Serviceangeboten zum Thema Testament und Erbrecht verzeichnet, Präsenzveranstaltungen gab es aber keine.

Auch wenn es sich um eine meist ältere Zielgruppe handelt, wird das Service allgemein gerne angenommen und jetzt aufgestockt. Rund 1000 Interessierte haben 2019 Info-Veranstaltungen besucht, die Umstellung auf digitale Angebote werde erstaunlich gut angenommen. Neben Online-Veranstaltungen und Interviews mit Notaren stehen ein kostenloser Erbrechtsratgeber und ein Testamentsrechner zur Verfügung. Im September geht drüber hinaus ein erläuterndes Video zum gemeinnützigen Testament online. Grundsätzlich ist bei einer Testamentserstellung der Notar erster Ansprechpartner, eine erste Rechtsauskunft ist hier kostenlos.

"Rund ein Zehntel unserer Spendenmittel in Österreich stammt aus Testamenten", so Benjamin Zessner-Spitzenberg, bei Ärzte ohne Grenzen zuständig für Erbschaften und Legate. Seine Organisation finanziere sich zu 99 Prozent aus Privatmitteln, und derzeit könne etwa jeder fünfte Einsatz aus Verlassenschaften gezahlt werden. 95 Prozent dieser Spender hätten keine Erben, und nicht selten ist im Testament auch eine Wohnungsräumung oder Grabpflege festgehalten.

Durchschnittlich gehen zwischen 50.000 und 80.000 Euro an die NGO, die oft nicht als einzige Hilfsorganisation bedacht wird.

Quelle: APA

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