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ORF kämpft mit Einbußen bei der TV-Werbung

Der Stiftungsrat bestätigt eine Personalentscheidung Wrabetz' zuungunsten Roland Brunhofers. Radio entschärft die Werbedelle im TV.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz mit dem neuen Direktor des Landesstudios Steiermark, Gerhard Koch. SN/orf
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz mit dem neuen Direktor des Landesstudios Steiermark, Gerhard Koch.

Der ORF habe in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 eine "Abschwächung im Bereich der TV-Werbung" verzeichnet, sagte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Donnerstag nach der Sitzung des Stiftungsrats. Es sehe für April besser aus, aber man werde "nicht alles aufholen können". Kompensiert werde die Entwicklung von zum Teil positiven Tendenzen bei der Radiowerbung. Wrabetz rechnet damit, dass die Abschwächung in den kommenden Monaten zu "minimieren" sei. Allerdings stellten sich grundlegende Fragen nach der Zukunft der TV-Werbung, etwa, ob es einen "stärkeren Shift vom Fernsehen Richtung Online und vor allem Social Media gibt. Das einzuschätzen und Strategien zu entwickeln" sei das Thema.

Was die andere, größere Finanzierungssäule des ORF - die Gebühren - betrifft, ortet Wrabetz Signale, dass die Regierung erst später eine Entscheidung treffen möchte. Das Gebührensystem stehe daher derzeit nicht zur Diskussion.

Auf Wunsch des Stiftungsrats legte Wrabetz dar, nach welchen Kriterien man die Büros der Auslandskorrespondenten international verteilt. Die grundsätzliche "strategische Auslegung" sei vom Stiftungsrat gutgeheißen worden, sagte Wrabetz und nannte Afrika, Lateinamerika und Polen als mögliche künftige Standorte - "wenn wir die Mittel haben".

Gerhard Koch wird, nach Vorschlag von Wrabetz und einstimmiger Entscheidung im Stiftungsrat, neuer steirischer ORF-Direktor. Er folgt auf Gerhard Draxler, der Ende April in den Ruhestand geht.

Der frühere Salzburger Landesdirektor Roland Brunhofer hatte versucht, gegen die Berufung Kochs vorzugehen. Wie den SN bestätigt wurde, war auch Brunhofer Thema im Stiftungsrat. Generaldirektor Wrabetz wurde vom Gremium beauftragt, bis zur kommenden Sitzung im Juni auf Brunhofer zuzugehen und eine Lösung zu finden.

Wrabetz betonte indessen, dass Koch der "bei Weitem Qualifizierteste" gewesen sei. Daher sei "in keinster Weise damit zu rechnen", dass rechtliche Schritte Erfolg haben könnten. "Er (Koch, Anm.) hat in 20 Jahren als Chefredakteur des Landesstudios erfolgreich gezeigt, dass er das kann", so der Generaldirektor.

Die Vertreter der Regierungsparteien im ORF-Stiftungsrat wollen keine Debatte über die Finanzierung des ORF führen. "Ich halte diese Diskussion auf unserer Ebene nicht für zweckmäßig", sagte Thomas Zach, Chef des ÖVP-"Freundeskreises". Auch Franz Maurer, Chef des FPÖ-"Freundeskreises", meint, dass dies nicht Aufgabe des Stiftungsrats sei. Wie der ORF finanziert werde, entscheide die Politik und nicht der Stiftungsrat.

Der Leiter des SPÖ-"Freundeskreises", Heinz Lederer, bekräftigte dagegen, dass man aus seiner Sicht "keinen Millimeter von den Gebühren" abrücken dürfe. "Wir können auf eine Gebührenstruktur nicht verzichten", betonte Lederer. Sollte der ORF etwa nach dem dänischen Modell finanziert werden, würde das eine starke Reduktion der Mitarbeiter und der Produktion bedeuten.

Quelle: SN, Apa

Aufgerufen am 27.09.2020 um 05:01 auf https://www.sn.at/panorama/medien/orf-kaempft-mit-einbussen-bei-der-tv-werbung-67960027

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