Medien

ORF kritisiert die Privatsender

Der ORF-Stiftungsrat beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung vor der Wahl mit Gegenwind aus der Branche. Doch auch hauseigene Probleme waren ein Thema - etwa schwindende Werbeeinkünfte und die Klagen eines früheren Landesdirektors.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

In der heimischen Medienwelt scheinen sich einmal mehr zwei Fronten zu bilden: Nach der Plenarsitzung des Stiftungsrats, des höchsten Aufsichtsgremiums im ORF, kritisierte Alexander Wrabetz Forderungen des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP). Der ORF-Generaldirektor bezeichnete die Aussagen als "bemerkenswerte Kehrtwende". Der VÖP hatte am Mittwoch etwa gefordert, dass "zusätzliche Freiheiten für den ORF im digitalen Raum" von der Zusammenarbeit mit privaten Medien abhängig gemacht würden. Zudem sprach er sich für striktere Vorgaben in der ORF-Programmstruktur und bei Zukäufen, zum Beispiel von Sportrechten, aus. Nach Jahren, in denen der "gemeinsame Gegner aus Übersee" im Vordergrund gestanden sei, werde nun "wieder ausschließlich gegen den ORF" vorgegangen, sagte Wrabetz. Er habe gedacht, dass "dieser Diskurs aus der Steinzeit" überwunden sei.

Thomas Zach, Leiter des ÖVP-"Freundeskreises" im Stiftungsrat, warnte in Hinblick auf die Forderungen des Privatsenderverbands vor "Alarmismus" eineinhalb Wochen vor der Nationalratswahl. "Lösen wir die Dinge in Konstruktivität", forderte er. Der Leiter des SPÖ-"Freundeskreises", Heinz Lederer, kritisierte die "falschen Töne" und die "Abschottung" des VÖP. "Ich kann sie nur einladen, dass sie wieder auf den Weg des Gemeinsamen zurückkommen", sagte Lederer. "Wir sind im digitalen Bereich keine Gegner."

Ein zentrales Thema im Stiftungsrat seien indes die schwindenden Werbeeinnahmen des ORF gewesen, schilderte der Salzburger Stiftungsrat Matthias Limbeck. Während die Radiowerbung zulegen konnte, seien die TV-Werbeerlöse in den ersten drei Quartalen 2019 um 13,8 Millionen Euro geringer ausgefallen als geplant. 80 Prozent des Rückgangs habe ORF 1 verursacht. Als Erklärungen seien der allgemein schwächelnde TV-Werbemarkt sowie fehlende Quotentreiber - vor allem große Sportereignisse - genannt worden. ORF-Generaldirektor Wrabetz versprach nach dem Rat, dass der Werberückgang keine Auswirkungen auf das Jahresergebnis haben werde. Der ORF befinde sich "wirtschaftlich auf Kurs".

Derweil zeigte sich Limbeck mit den Zahlen der Regionalsendungen zufrieden: Im Jahresvergleich hätten 2019 sowohl die Regionalradios (um drei Prozent) als auch die "Bundesland heute"-Sendung (um ein Prozent) zulegen können. Dennoch forderte der Salzburger Stiftungsrat im SN-Gespräch neuerlich eine "Stärkung der Landesstudios". Diese könnte und sollte Thema bei der kommenden Ratssitzung im Dezember werden.

Indessen war auch der frühere Salzburger Landesdirektor Roland Brunhofer erneut ein Thema. Wrabetz habe geschildert, dass zwei Klagen beim Arbeitsgericht in Steyr lägen - und es sei damit zu rechnen, dass Stiftungsräte als Zeugen geladen würden, schilderte Limbeck. Die SN hatten bereits vorab darüber berichtet. Brunhofer fordert vom ORF etwa eine seiner Ansicht nach angemessene Funktion im Haus. Der nächste Prozesstermin steht am 26. September an. "Für uns ist der Idealfall, dass es eine außergerichtliche Einigung gibt", ergänzte Limbeck.

Quelle: SN-Hill, Apa

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