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Politischer Druck: Unabhängiges russisches Nachrichtenportal gibt auf

Nach Rückzug von Werbekunden Finanzierung nicht gesichert.

Unter politischem Druck stellt eines der ältesten unabhängigen Nachrichtenportale Russlands seine Arbeit ein. "Unser Weltbild hat sich immer mehr unterschieden von dem Bild, das die Staatsmedien bevorzugen", teilte die Redaktion von newsru.com am Montag mit. Deshalb hätten sich große Werbekunden zurückgezogen - nach 21 Jahren könne sich die Seite nun nicht mehr länger finanzieren.

"Wir stellen die Arbeit aus wirtschaftlichen Gründen ein, aber hervorgerufen wurden diese durch die politische Situation in unserem Land." Unabhängige Journalisten beklagen in Russland bereits seit Längerem einen zunehmenden Druck auf ihre Arbeit. Zuletzt stuften die Behörden etwa das regierungskritische Portal Meduza als "ausländischen Agenten" ein. Meduza beklagte, aufgrund dieser Brandmarkung seien auf einen Schlag wichtige Werbepartner weggebrochen. Das Medium mit Sitz in Lettland musste Redaktionsräume schließen, die Gehälter der Mitarbeiter drastisch reduzieren und kämpft nun ums Überleben.

"Wir mussten immer öfter über die Verabschiedung restriktiver Gesetze schreiben, die zu jedem beliebigen Zeitpunkt auch uns selbst hätten treffen können", hieß es in der Mitteilung des nun geschlossenen Portals newsru.com. "Wir mussten immer mehr geschätzte Menschen und Quellen wahrheitsgetreuer Informationen als ausländische Agenten und Extremisten kennzeichnen."

Seit dem Jahr 2000 informierte newsru.com über Themen aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur. Das ursprünglich als Website der Fernsehgesellschaft NTW gegründete Portal wurde auch von vielen Journalistenkollegen als ausgewogenes Leitmedium geschätzt. Zuletzt erreichte newsru.com laut eigenen Angaben drei Millionen Menschen pro Monat. Die Seite soll weiter bestehen bleiben, um Lesern einen Zugang zu archivierten Artikeln zu bieten, hieß es.

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