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Preisgekrönter Podcast "Cui Bono" geht mit "Drachenlord" weiter

Nach den Verschwörungstheorien eines früheren Radiomoderators nimmt sich der Podcast "Cui Bono" nun den "Drachenlord" vor. Er erzählt die Geschichte eines wohl einzigartigen Phänomens von Hass.

Der preisgekrönte Podcast "Cui Bono" geht weiter. In seiner zweiten Staffel erzählt die Dokumentar-Serie in fünf Episoden die Geschichte des mittelfränkischen YouTubers "Drachenlord" und seines erbitterten Streits mit seinen Gegnern - im Internet und der realen Welt. "Dieser Fall lässt unsere Gesellschaft an ihre Grenzen stoßen, er fordert Justiz, Polizei, Medien und unser Mitgefühl heraus", heißt es in der Ankündigung der Produzenten aus Berlin zum Start am 17. November. Hass und Hetze sind im Internet an der Tagesordnung. Doch das Hassphänomen rund um den "Drachenlord" ist auch für Fachleute einmalig. Die große Aufmerksamkeit, die der Fall bekommt, hat auch das Interesse des Streamingdiensts Netflix geweckt. "Wir schauen uns die Geschichte an", sagte ein Sprecher. "Es ist aber noch nichts entschieden."

Begonnen hatte alles vor mehr als zehn Jahren: Der Inhalt seiner Videos, die der Blogger "Drachenlord" in seinem YouTube-Kanal postete, war nach Recherchen des Podcasts eher trivial: Sie zeigten ihn beim Brot schmieren oder wie er Videospiele zockte. Doch bald folgten ihm Tausende Menschen, die sich über ihn lustig machten und ihn beschimpften. Hater nennen sich diese Anti-Fans. Als der YouTuber vor Wut einmal seine Adresse im Internet nannte, schwappte der Hass in die reale Welt über. Immer wieder tauchten Hater vor seinem Haus im Dorf Altschauerberg auf, um ihn zu provozieren - und der "Drachenlord" wehrte sich. Die Polizei musste über Jahre meist mehrmals täglich wegen Ruhestörung, Sachbeschädigung, Körperverletzung und anderer Anzeigen ausrücken.

In mehreren Fällen wurde der "Drachenlord" nach gegenseitigen Beschimpfungen gewalttätig. Das Landgericht Nürnberg hat ihn deshalb im März zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Auch mehrere Hater mussten sich bereits wegen Körperverletzung und anderer Vergehen vor Gericht verantworten. Allein im Mai verhandelte das zuständige Amtsgericht Neustadt an der Aisch zehn Verfahren. Insgesamt seien es schätzungsweise 60 gewesen, sagte Gerichtssprecherin Maria Winkelmann. Einzelne Verfahren würden noch abgearbeitet. Inzwischen ist der YouTuber aus Altschauerberg weggezogen und das Haus ist abgerissen. Auch sein YouTube-Kanal ist gesperrt. "Aktuell ist es in dieser Sache etwas ruhiger", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth auf Nachfrage. Zurzeit gebe es noch drei offene Verfahren gegen unbekannte Täter, zwei davon seien aber älteren Datums. Im dritten Fall aus dem Mai habe jemand in einem Hotel eine Bedrohungslage vorgetäuscht.

In einem "Spiegel"-Bericht sagte der Videoblogger jüngst, dass er zurzeit in Hotels und Pensionen übernachte, aber ständig die Unterkunft wechseln müsse, weil Hater seinen Standort herausgefunden hatten und das Personal belästigten - über Telefonterror, indem sie massenweise Pizzen dorthin bestellten oder die Feuerwehr riefen.

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