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ProSiebenSat.1 gewinnt Facebooks Videodienst als Kunden

Im Ringen um junge Nutzer verbündet sich ProSiebenSat.1 mit seinem Angstgegner Facebook.

 SN/apa/hochmuth

Im Rahmen einer umfangreichen Kooperation werde der deutsche Fernsehkonzern die Videoplattform Facebook Watch mit Videoclips von Sendungen wie "Germany's next Topmodel" und "Galileo" beliefern, teilten die Partner am Mittwoch mit. Facebook kündigte an, den Dienst global mit Kooperationen auszubauen.

Das weltgrößte soziale Online-Netzwerk will damit seinerseits dem Rivalen Youtube Paroli bieten. Der Videodienst Facebook Watch war im Dezember gestartet. Er zieht nach Angaben des Internetkonzerns täglich 140 Millionen Nutzer an, die dem Angebot jeweils mindestens eine Minute ihre Aufmerksamkeit schenken.

Im Kampf um Werbekunden sind Internetgiganten wie Facebook und Google mit seiner Tochter Youtube die schärfsten Konkurrenten von Fernsehkonzernen. Die TV-Branche leidet darunter, dass sich vor allem junge Nutzer vom Fernsehschirm abwenden und ihre Zeit mit den Online-Angeboten von Facebook und Youtube verbringen.

ProSiebenSat.1 verspricht sich von der Ende Juni beginnenden Partnerschaft Zusatzerlöse durch den Verkauf von Videoclips an Facebook, aber auch höhere Aufmerksamkeit, die ihrerseits den Werbeerlösen zugute kommen soll. ProSiebenSat.1 ist nach eigenen Angaben einziger europäischer TV-Partner dieses Videoangebots.

Die von ProSiebenSat.1 angekündigte eigene Videoplattform, die Angebote mehrere deutscher Sender bündeln soll, startet am kommenden Dienstag. Zunächst will der TV-Konzern Nutzer nur mit einem werbefinanzierten Gratis-Angebot ködern, im Winter soll ein kostenpflichtiges Angebot hinzukommen, wie Vorstandschef Max Conze am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München bekräftigte.

Conze hat die Videoplattform zu seinem wichtigsten Vorhaben erklärt, um die Abwanderung junger Zuschauer zu den Videodiensten von Netflix und Amazon zu bremsen. Joyn soll den Online-Auftritt des Konzerns erweitern und mit Angeboten von 50 Partnersendern bündeln. Darunter sei neben dem ZDF auch die öffentlich-rechtliche und gebührenfinanzierte ARD.

Zur gemeinsamen Zukunft mit dem neuen Großaktionär Mediaset äußerte sich Conze ähnlich zurückhaltend wie in den vergangenen Tagen. "Das ist ein positives Signal und Vertrauensbeweis in unsere Strategie und Führungsmannschaft", bekräftigte Conze. Vizechef Conrad Albert sagte, die bereits jahrelange Zusammenarbeit mit Mediaset sei "im Wesentlichen unabhängig von einer gesellschaftsrechtlichen Komponente."

Der von der Familie des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Konzern hält seit kurzem 9,6 Prozent an ProSiebenSat.1. Auf der Hauptversammlung meldete sich kein Mediaset-Vertreter zu Wort.

Aktionärsvertreter haben die kräftig erhöhten Vorstandsbezüge bei ProSiebenSat.1 scharf kritisiert. Den Börsenwert zu halbieren und dann die Vorstandsgehälter um 60 Prozent zu steigern, erscheine wie "der blanke Wahnsinn", sagte Elisa Haralampides von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (Sdk) auf der Hauptversammlung. 3 Mio. Euro Antrittsprämie für den vor einem Jahr gekommenen Vorstandschef Max Conze seien angesichts des heutigen Zustands der Firma jedenfalls "nicht nachvollziehbar".

Auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, sie könne die sehr erheblichen Zahlungen nicht ganz verstehen. Conze lege den Fokus auf die richtigen Entwicklungen, aber ProSiebenSat.1 erkaufe sich seine Qualitäten "vielleicht ein bisschen zu teuer".

Der Deutsche-Börse-Aufsichtsrat Johannes Witt sagte als Privataktionär von ProSiebenSat.1, obwohl Gewinn, Dividende und Aktienkurs schrumpften, habe Conze in den ersten sieben Monaten 5,5 Mio. Euro erhalten. Das Jahresgehalt von Conzes Stellvertreter Conrad Albert sei auf 3,7 Mio. Euro verdoppelt worden.

Keine Kritik gab es dagegen an der Dividendenkürzung um rund 40 Prozent. Bergdolt sagte, das sei zwar happig, aber es sei "viel wichtiger, dass das Unternehmen nun die Kurve kriegt und investiert".

Quelle: Apa/Reuters/Dpa

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