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ProSiebenSat.1 und Großaktionär MFE ohne Einigung über Aufsichtsrat

Der Konflikt zwischen ProSiebenSat.1 und seinem italienischen Großaktionär MFE-MediaForEurope schwelt weiter. Der vom ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Fernsehkonzern habe einen Posten im Aufsichtsrat von ProSiebenSat.1 ausgeschlagen, teilte das Medienunternehmen mit Sendern wie Pro7, Sat.1 und Kabel 1 am Montag mit.

Der Aufsichtsrat habe der ehemals als Mediaset bekannten Holding angeboten, einen eigenen Kandidaten zur Wahl in den Aufsichtsrat vorzuschlagen. Im Gegenzug habe das Gremium um Unterstützung für seine Kandidaten geworben. "MFE-MediaForEurope hat diesen Vorschlag abgelehnt, was der Aufsichtsrat sehr bedauert", hieß es in der Mitteilung.

MFE ist zum größten Aktionär von ProSiebenSat.1 aufgestiegen und hält inzwischen nach eigenen Angaben mehr als 25 Prozent an dem Unternehmen, ist aber formell bisher im Aufsichtsrat nicht vertreten. Die Italiener wollen ProSiebenSat.1 in ihre europäischen Wachstumspläne einbinden, doch ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean hält sie auf Distanz.ProSiebenSat.1 hatte im Dezember den ehemaligen Axel-Springer-Vorstand Andreas Wiele als Nachfolger von Aufsichtsratschef Werner Brandt nominiert, der auf der Hauptversammlung am 5. Mai nach acht Jahren nicht wieder antritt. MFE fühlte sich davon übergangen.

"MFE hat absolut kein Interesse an einer Konfrontation. Wir werden unseren Standpunkt zu gegebener Zeit, vor der Hauptversammlung und im Interesse des Unternehmens und aller seiner Aktionäre darlegen", erklärte ein Sprecher am Montag. In der vergangenen Woche hatte MFE-Finanzchef Marco Giordani im "Handelsblatt" noch eine Lösung angedeutet: "Möglicherweise lässt sich ein Kandidat finden, den wir auch voll unterstützen." Sonst könne MFE bis zum 20. April Gegenkandidaten aufstellen. "Das wären jedenfalls keine Vertreter aus dem Unternehmen MFE, sondern unabhängige Direktoren mit der richtigen Eignung."

Am Montag veröffentlichte ProSiebenSat.1 die offizielle Einladung zur Hauptversammlung. Dort steht neben Wiele auch der ehemalige Vorstandschef des Rivalen RTL, Bert Habets, als Aufsichtsrat zur Wahl. Der Niederländer war 2019 im Streit mit Bertelsmann-Chef Thomas Rabe über die Strategie gegangen und führt heute den griechischen Fernsehkonzern Antenna. Wiele war bereits im Februar in das Gremium eingezogen, wo ein Posten frei geworden war. Als dritter Aufsichtsrat steht der Bilanzierungs- und Corporate-Governance-Experte Rolf Nonnenmacher zur Wiederwahl an.

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