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Reportagemagazin Geo feiert 40-Jahr-Jubiläum

Expeditionsleiter - das klingt nach Karawane, Berggipfel und Höhlenspalten. Diesen Beruf kann man auch im Journalismus ergreifen - jedenfalls wenn man bei "Geo" arbeitet. Das einzige Magazin in Europa, das solche Unternehmen selbst organisiert, wird 40 Jahre alt.

Reportagemagazin Geo feiert 40-Jahr-Jubiläum SN/APA/dpa/Daniel Bockwoldt
Das Reportagemagazin Geo erscheint seit 40 Jahren.

Seit genau 40 Jahren lebt das Magazin "Geo" von seinen Reportagen aus entlegensten, teils noch unerforschten Winkeln der Erde. Auch das Jubiläumsheft, das am Freitag erscheint, wartet mit so einer Geschichte auf - aus dem Innersten der venezolanischen Tafelberge. Mit dabei bei dieser Forschungsreise: Lars Abromeit (41), der "Geo"-Expeditionsleiter. Oder, wie es Chefredakteur Christoph Kucklick (52) formuliert: "Unser festangestellter Abenteurer". Seit zehn Jahren ist der 41-Jährige mit internationalen Forscherteams in Eiswüsten, Gebirgen und auf den Ozeanen unterwegs.

In der Tat haftet Abromeits Reportagen von den Trips ins Ungewisse von Höhlen und Tiefsee viel Abenteuerliches an. "In einem Höhlenschacht ist einmal ein Felsblock in Bierkasten-Größe fünf Meter neben mir in die Tiefe gerauscht", erzählt der Vater von zwei Kindern. Bei seiner höchsten Recherche bis auf den 7126 Meter hohen Gipfel des Himlung Himal des Himalaya-Gebirges hat er die Auswirkungen des Sauerstoffmangels in der "dünnen Luft" zu spüren bekommen. "Wir haben um Atem gerungen, furchtbar gefroren - doch wir sind sicher zurückgekehrt."

Mit Ausdauer- und Krafttraining bereitet sich der schlanke Hobby-Kletterer auf die Strapazen vor. "Lars ist kein Haudegen, seine Reportagen leben von einer exzellenten Vorbereitung und einer sehr, sehr kritischen Einschätzung der Risiken. Es geht hier nicht um Testosteron", sagt Abromeits Redaktionschef. "Unser Anspruch ist der Erkenntnisgewinn, das unterscheidet uns von Outdoor-Magazinen", ergänzt Kucklick. Abromeit meint: "Die Forscher gewinnen dort draußen Einsichten, die uns als Gesellschaft zugute kommen."

Viele Wochen im Jahr ist der Entdecker unterwegs. Er harrte mit dem Geophysiker und Astronauten Alexander Gerst in einem Lava-Hagel in der Antarktis aus ("Das schweißt zusammen"), erforschte 488,9 Meter unter der Erde mit Wissenschaftlern die Lechuguilla-Höhle in New Mexico auf der Suche nach Wirkstoffen für neue Medikamente - und erkundete auf Coiba, einer Panama vorgelagerten ehemaligen Gefängnisinsel, Flora und Fauna. "Die meiste Zeit nimmt aber oft die Planung in Anspruch", berichtet der studierte Biologe.

Hierfür ist das Redaktionsbüro in der Gruner+Jahr-Verlagszentrale am Hamburger Baumwall seine Heimat. Abromeits Regale sind unter anderem bestückt mit Fachbüchern zu Meereskunde, Biologie und Entdeckerreisen. "Ich begleite Themen oft über mehrere Jahre, bis sie endlich zur Expedition führen." Mit einem Berg von Aufgaben: Welche Wissenschaftler forschen am Zielobjekt? Welche behördlichen Genehmigungen müssen vorliegen? Welche Ausstattung - vom Zelt bis Helikopter - wird benötigt?

Neben den Wissenschaftlern sind mit Abromeit erfahrene Fotografen unterwegs. "Höhlenfotos, die schwierige Ausleuchtung im Stockdunklen - das können nur wenige Spezialisten", erzählt der Chefredakteur. ",Geo' ist das einzige Magazin in Europa, das Expeditionen auch selbst organisiert."

Und die Kosten? "Zum Teil werden Finanzierungen über Stiftungen und Nicht-Regierungsorganisationen für die wissenschaftlichen Expeditionen gesichert", berichtet Kucklick. Aber auch bei "Geo" schlagen Reisespesen auf: Auf 14,1 Millionen Euro hätten sie sich in 40 Jahren "Geo" summiert.

"Von der Expedition in die Höhlenlabyrinthe der Tepuis habe ich mindestens fünf Jahre geträumt", schwärmt Abromeit. Und auch wenn sein "Geo"-Vorgänger Uwe George 1985 schon auf einigen Tafelbergen war: "Die spannendste Zeit für Entdecker hat gerade erst angefangen: Wir haben neue Technologien, die es uns erlauben, andere Fragen zu stellen zu Orten, die früher vielleicht schon betreten wurden."

Quelle: Dpa

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