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ORF-Reporter Wehrschütz in der Ukraine bedroht: Wrabetz trifft Botschafter

2015 wurde Christian Wehrschütz als österreichischer „Journalist des Jahres“ ausgezeichnet. SN/Medienfachverlag Johann Oberauer GmbH/APA-Fotoservice/Schedl
2015 wurde Christian Wehrschütz als österreichischer „Journalist des Jahres“ ausgezeichnet.

Christian Wehrschütz, Ukraine- und Balkan-Korrespondent des ORF, fürchtet offenbar um sein Leben. In einem Brief an die Bundesregierung und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz prangert der 57-Jährige die "immer stärker werdenden Schikanen gegen mich als ORF-Korrespondent und gegen kritische Journalisten generell" an. Und vielsagend ergänzt Wehrschütz: "Es sind bereits zwei Journalisten ermordet worden und ich habe sicher nicht die Absicht, der nächste zu sein."

Auslöser für Wehrschütz' Befürchtungen ist ein Beitrag auf der Website einer ukrainischen Denkfabrik. Dort wird er als "Agent des Kreml" bezeichnet. Konkret wird ihm zu stark russlandfreundliche Berichterstattung vorgeworfen.

Wie der ORF mit der Causa umgeht

Auf SN-Anfrage schildert Generaldirektor Alexander Wrabetz, dass es am Freitag einen Termin mit dem ukrainischen Botschafter geben werde. Parallel hält der ORF-Chef fest, dass "jegliche Eingriffe in die journalistische Berufsausübung nicht zu tolerieren sind". Wehrschütz seien zunehmend Wege versperrt. Auch wenn dieser wisse, was in solchen Fällen zu tun ist - und sich weder abschrecken noch einschüchtern lasse. "Diese Behinderungen missachten den öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag, den der ORF im Dienst der österreichischen Bevölkerung ausführt und zu erfüllen hat", ergänzt Wrabetz.

"Wir wollen einigermaßen normale Arbeitsbedingungen"

Christian Wehrschütz selbst wehrt sich indessen gegen mögliche Vorwürfe, die Probleme zu überhöhen. "Ich leide nicht unter Selbstüberschätzung. Mir ist durchaus bewusst, dass ich nicht der wichtigste Journalist für die Ukraine bin", sagt er im Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten". Es gebe aber "einen ultranationalistischen Bodensatz", der eingesetzt werde, um gegen Kritiker vorzugehen. Bereits vor einigen Jahren seien einige seiner Mitarbeiter als russische Agenten beschuldigt worden. "Und mittlerweile hat das Aggressionspotenzial deutlich zugenommen", schildert der gebürtige Grazer. Auch sein Ziel formuliert Wehrschütz klar und deutlich: "Wir wollen einigermaßen normale Arbeitsbedingungen." Etwa Akkreditierungen für die Ost-Ukraine - diese seien seinem Kamerateam vor Kurzem erstmals verweigert worden.

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