Medien

Salzburger Start-ups im Silicon Valley: Der große Testballon steigt

Langsam wird es ernst für die "smartup"-Sieger 2016. Am zweiten Tag ihrer USA-Reise durften die Jungunternehmer erstmals ihre Konzepte vorstellen - wenngleich noch unter besonderen Bedingungen. Und die Salzburger Start-ups trafen auch eine Branchengröße.

Es erinnerte an eine Schulklasse. Oder an einen Uni-Kurs. Vorne steht der junge Student und präsentiert. Vor ihm hat sich der Lehrmeister aufgebaut - er gibt Feedback, kritisiert, aber er lobt auch. Der große Unterschied: An der Uni geht es um Noten, für die "smartup"-Gewinner geht es im besten Fall um millionenschwere Investments. Am zweiten Tag ihrer Silicon-Valley-Reise durften die Salzburger Start-ups MMI und Coati ihre Konzepte den Initiatoren der Reise vorstellen, den Investoren Andreas Spechtler (Silicon Castles) sowie Pascal Levensohn und Andrew Krowne (Dolby Family Ventures). Das Ziel war am gestrigen Dienstag jedoch nicht, Geld zu lukrieren, sondern die Präsentationen zu schärfen. "Wir haben den jungen Gründern Input gegeben, damit sie vor potenziellen Geldgebern bestehen können", erläutert Spechtler.

Die Probepräsentationen wurden im Sitz von Dolby Family Ventures in Potrero Hill abgehalten. Die Gegend im Süden von San Francisco ist für Dolby von firmenhistorischer Bedeutung. Das Nebengebäude war jahrzehntelang die Konzernzentrale von Dolby Laboratories. Dennoch würde man hier nicht den Sitz eines Kapitalgebers vermuten, der einen Millionen-schweren Fonds verwaltet: Das Büro von Family Ventures wurde in einem Kleinbüro hinter einer unscheinbaren Holztür untergebracht, bis der neue Firmensitz einige Häuser weiter renoviert ist.

Weit prägender als die Räumlichkeiten waren die Rückmeldungen von Spechtler, Levensohn und Krowne. "Sie haben unsere Präsentation auf Herz und Niere geprüft, von Begriffen über Kennzahlen bis hin zur grundlegenden Ausrichtung", sagt Andreas Ruprecht, Technologiechef von MMI. Diskutiert wurde tatsächlich über alles: Welche Zielgruppe angesprochen werden soll, welche Investments man anbietet - und ob die Folie zu den Firmeneigenschaften "Qualities" oder doch "Unique Features" heißen soll.

Ein besonderer Höhepunkt stand für Coati und MMI am frühen Abend auf dem Programm. Im Jardinière, einem französischen Restaurant in der Nähe der Oper von San Francisco, trafen die Salzburger Firmengründer David Dolby. David Dolby ist der Sohn von Ray Dolby, dem Gründer des Familienimperiums. Dolby ist gegenwärtig Mitglied des Aufsichtsrates von Dolby Laboratories, zudem steht er Dolby Family Ventures vor. "Das wohl Wichtigste ist, dass Firmengründer sich selbst und ihre Fähigkeiten einschätzen können", beschreibt Dolby. "Egal wie gut ein Team ist, ein schlechter Boss kann alles zerstören."

Doch selbst für ein gut aufgestelltes Start-up ist der Konkurrenzkampf hart, wie Pascal Levensohn erzählt. Jedes Jahr gebe es Tausende Neugründungen im Silicon Valley, doch nur 20 bis 30 Unternehmen werden wirklich erfolgreich. Und diese Situation spiegelt sich auch bei den Investoren wieder: "Rund zehn Prozent der Investitionen sorgen für 90 Prozent des Ertrags. Nach eben diesen zehn Prozent halten alle Ausschau." Bei den besonders vielversprechenden Ideen wie Uber, Airbnb oder Snapchat konkurrieren die Geldgeber sogar miteinander. "Man muss den Start-ups dann erklären, wieso man der Beste ist, der einen Scheck ausstellen kann."

Und wie wird es bei MMI und Coati sein? Werden sich Spechtler, Levensohn & Co auch bei den Salzburger Start-ups darum bewerben, den Scheck ausstellen zu dürfen? "Da will ich mich noch nicht festlegen", sagt Andreas Spechtler. "Ich halte mir jede Option offen. Aber ich bin schon stark beeindruckt."

Die SN wird MMI und Coati auf ihrer Amerika-Reise begleiten: Bis Samstag wird es täglich um 8 Uhr mitteleuropäischer Zeit (23 Uhr in San Francisco) einen Tagesbericht darüber zu lesen geben, wie sich die jungen Salzburger im Silicon Valley schlagen.

Aufgerufen am 12.11.2018 um 07:02 auf https://www.sn.at/panorama/medien/salzburger-start-ups-im-silicon-valley-der-grosse-testballon-steigt-883123

Schlagzeilen