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Salzburger Start-ups im Silicon Valley: Zwischen Stanford und Nokia

Am dritten Tag ihrer Reise ging es für die Salzburger Jungunternehmen Coati und MMI an eine der renommiertesten Universitäten der Welt. Doch die "smartup"-Sieger 2016 durften auch aus erster Hand erfahren, wie Nokia es geschafft hat, wieder Weltmarktführer zu werden - und wie das Google-Logo wirklich entstanden ist.

Die Allee zieht sich. Am Straßenrand reihen sich Palme an Palme, ab und an ist ein Haus zu sehen. Plötzlich hält der Wagen: Da drüben müsste es sein, sagt der Uber-Chauffeur. Wirklich? Das soll sie sein? Die Zufahrt zu Stanford, einer der renommiertesten Universitäten der Welt? "Nein, das ist nur das Besucherzentrum", beschreibt Julia wenig später. Die junge Studentin ist nebenberufliche Campus-Führerin. Doch wo ist dann die Auffahrt zur Universität? Die hat die kleine österreichische Gruppe schon passiert. Es ist die kilometerlange Allee samt Palmen und Häusern. "Das gesamte Uni-Areal ist rund 3000 Hektar groß. Die Fläche entspricht 96 Disneylands."

An Tag drei ihrer Silicon-Valley-Reise wurde für die "smartup"-Gewinner 2016 ein Campus-Trip in Stanford organisiert. Mit einem Golfcart wurden die jungen Unternehmer eine Stunde durch das Areal chauffiert. Und das wohl nicht ohne Hintergedanken: Stanford war die Brutstätte einiger jener IT-Riesen, denen MMI und Coati nacheifern.

Die Google-Suche wurde etwa auf dem Campus erfunden. Und Stanford sind auch die Google-Farben zu verdanken, wie Julia erklärt. "Die Gründer (Larry Page und Sergey Brin, Anm.) haben hier studiert. Als sie für ihre Suche einen ersten Server zusammenbauen mussten, hatten sie dafür nur bunte Legosteine zur Verfügung. Und bei der Firmengründung Monate später haben sie dem Google-Logo die Farben dieser Steine gegeben." Noch heute steht dieser improvisierte Google-Server in Stanford.

Die "smartup"-Sieger hatten am gestrigen Mittwoch aber noch mit einem anderen Tech-Giganten zu tun. Vor ihrem Stanford-Trip trafen sie sich mit Tarif Sayed, dem Produktmanager für Virtual Reality bei Nokia. Im 15. Stock eines Hochhauses im Zentrum von San Francisco wurde vor allem über den Wandel des finnischen Konzerns gesprochen.

Noch vor wenigen Jahren war Nokia Weltmarktführer im Handy-Segment. Doch das Unternehmen hat den Smartphone-Trend verschlafen - und wurde prompt von Apple und Samsung überholt. Die Mobilfunksparte hat Nokia mittlerweile verkauft. Das Unternehmen ist aber erneut Marktführer, wenngleich in einem völlig anderen Segment. Der finnische Konzern ist nach diversen Übernahmen die Nummer eins bei Netzwerktechnologie. "Nokia hat sich stets weiterentwickelt. Ursprünglich hat das Unternehmen sogar Papier und Reifen produziert. Die Firmengründer kennen das Wort ,Scheitern" nicht", beschreibt Sayed. Und die Entwicklung ist nicht abgeschlossen. Tarif Sayed und sein Team sollen dafür sorgen, dass Nokia auch bei Virtual Reality vorne mitmischt. Doch der gebürtige Libanese hat noch mehr Talente: Vor Jahren hat er für eine eigenproduzierte Film-Dokumentation einen Emmy gewonnen. Und Sayed kennt auch Österreichs Wirtschaft gut. Vor allem von einem ist er begeistert: "Die Fördergelder, die es in Österreich für junge Unternehmen gibt, sind top."

Für eines der beiden Salzburger Jungunternehmen ging es am Mittwoch aber auch um ordentlich viel. Coati, die Programmierhilfe für Entwickler, durfte sich vor einem potenziellen Geldgeber vorstellen. Eberhard Gräther übernahm die Präsentation für das Start-up - und er konnte überzeugen. "Nach Schulnoten war es ein klares A+", sagte der Investor. Ob Geld fließen wird, ließ sich der Millionen-schwere Unternehmer jedoch offen.

Tag drei der USA-Reise wurde bei einem spanischen Abendessen beschlossen. Mit am Tisch saß Stuart Mitchelll, ein Silicon-Valley-Veteran. Mitchell hat in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem für Intel, Xerox, Palm und Adobe gearbeitet. Was ein erfolgreiches Unternehmen ausmacht? "Der richtige Gründer, eine Idee, die eine Lücke schließt - und eine ordentliche Portion Glück."

Die SN wird MMI und Coati auf ihrer Amerika-Reise begleiten: Bis Samstag wird es täglich um 8 Uhr mitteleuropäischer Zeit (23 Uhr in San Francisco) einen Tagesbericht darüber zu lesen geben, wie sich die jungen Salzburger im Silicon Valley schlagen.

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