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Suche nach Nessie: Google erkundet Loch Ness

Wer schon immer mal nach dem berühmten Seeungeheuer Nessie in Schottland fahnden wollte, muss dafür jetzt nicht mal mehr den Schreibtisch verlassen.

Google ist mit Kameras über den Loch Ness in den Highlands gefahren, seit Dienstag können Internet-Nutzer über den Dienst Street View den See erkunden und sogar abtauchen. Ein Zufall dürfte der Starttermin nicht sein: Am Dienstag vor 81 Jahren, am 21. April 1934, erschien in der "Daily Mail" das vielleicht berühmteste Foto, das angeblich Nessie zeigen soll. Die Tourismusagentur VisitScotland erhofft sich von den virtuellen Touren regen Zulauf am echten Loch Ness.

Selbst Polizeichef glaubte an "Nessie"Heute glauben nur noch die wenigsten Menschen wirklich an das Ungeheuer von Loch Ness - doch einst war offensichtlich selbst die Polizei felsenfest von "Nessies" Existenz überzeugt. Und sie wollte das Monster in einem schottischen See sogar vor Jägern schützen. Das geht aus historischen Dokumenten aus den 30er Jahren hervor, die das schottische Nationalarchiv NAS im Jahr 2010 veröffentlicht hat.

So schrieb der Polizeichef der Grafschaft Inverness-Shire, William Fraser, 1938 in einem Brief an das Schottland-Ministerium: "Es ist zweifelsfrei, dass es irgendeine seltsame Kreatur in Loch Ness gibt." Weiter hieß es: "Aber, dass die Polizei die Macht hat, es zu schützen, ist fraglich." Die Jäger seien mit Harpunen bewaffnet und entschlossen, "das Monster tot oder lebendig zu fangen". Die Spekulationen überschlugen sich, nachdem undeutliche Fotos von dem angeblichen Ungeheuer aufgetaucht waren.

Auch Parlamentarier rätselten Es gab auch eine parlamentarische Anfrage, damit die Regierung Ermittlungen aufnehme, um die Frage nach der Existenz zu beantworten. Zwar wurde dies in der Presse nicht ernst genommen, es gab aber dennoch Überlegungen, wie man "Nessie" einfangen könnte. Auch sollten "vertrauenswürdige Beobachter" am Seeufer positioniert werden, um das Monster abzulichten.

Zuletzt wurde entschieden, das Ungeheuer - oder den Mythos darum - am Leben zu lassen, berichtete das Nationalarchiv. Bis heute ist "Nessie" ein Touristenmagnet. Berichte, dass in dem See ein Monster lebte, gehen bis auf das 6. Jahrhundert zurück.

Politischer Spuk2014 machte Nessie dann noch einmal Furore. Es kursierten Gerüchte, dass das Seeungeheuer aus Protest gegen die schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen vor dem Referendum nach England ausgewandert ist. Die Klatschzeitschrift "Daily Mail" hatte im September vergtangenen Jahres ein Foto gedruckt, das Nessie im Windermere-See in der nordenglischen Grafschaft Cumbria zeigen sollte. Es wurde hitzig über die politische Positionierung der sagenumwobenen Kreatur gestritten.

Als ein weiteres Foto auftauchte, auf dem Nessie mit dem Schwanz ein "NO" formt, wertete der "Daily Mirror" dies als eindeutige Festlegung gegen die Abspaltung.

Die nebligen Fotos und entsprechend windigen Interpretationen seien ein "verzweifelter Versuch der nationalen Zeitungen, die Unabhängigkeitsbefürworter zu diskreditieren", schimpfte der selbsternannte "Loch-Ness-Monsterjäger" Steve Feltham. Nessie sei neben dem Whisky und dem Hochland das schottische Wahrzeichen schlechthin. "Es ist ein ganz spezielles schottisches Mysterium, es hat keine Verbindung zu England". Wenn überhaupt, dann würde das Ungeheuer Unabhängigkeit für Loch Ness fordern. "Das ist die einzige Welt, die Nessie kennt."

Quelle: Dpa

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