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Tablet soll Spitalsaufenthalte verringern

Damit mehrfach erkrankte Patienten nach der Entlassung aus dem Spital medizinisch optimal versorgt werden, braucht es viele ineinander greifende Zahnräder. Dazu gehören regelmäßige Messungen von Gesundheitsparametern wie Blutdruck, Gewicht oder auch Sauerstoffsättigung. Eine steirische Firma entwickelte einen smarten Assistenten, über den der Gesundheitszustand erfasst werden kann. Vorgestellt wird er am Austrian Health Forum, das bis zum 14. Mai in Schladming stattfindet.

Der Anteil chronisch Kranker in der Bevölkerung nimmt mit steigendem Alter zu, viele von ihnen haben mehrere Erkrankungen gleichzeitig. Durch Akutsituationen hervorgerufene Krankenhausaufenthalte sind dann keine Seltenheit. Nach der Entlassung wäre oftmals weiterhin eine laufende Beobachtung des Gesundheitszustandes wichtig, um gesundheitliche Entgleisungen im häuslichen Umfeld rechtzeitig zu erkennen und eine erneute Einlieferung zu vermeiden. Doch in vielen Fällen bleibt der Patient auf sich allein gestellt und das Krankenhaus verliert ihn aus den Augen.

Das IT-Medtech-Unternehmen Ilvi GmbH im oststeirischen Gleisdorf hat ein System entwickelt, mit dem Patienten mit einem benutzerfreundlichen Tablet ihre Gesundheitswerte erfassen und weiterleiten können. Es misst Vitalwerte wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Gewicht, Aktivität und Temperatur über smarte externe Messgeräte, überträgt sie per Bluetooth vollautomatisch auf das Tablet und sendet sie zum betreuenden Krankenhaus.

Die smarte Homecare-Software kann aber noch viel mehr, wie Geschäftsführer Konrad Brunnader im Vorfeld des Schladminger Congresses Gespräch mit der APA betonte: Patienten können mit ihrem "Fallmanager" über Video-Telefonie in Kontakt treten. Dieser kann den Patienten gemeinsam mit der Haus- und Fachärztin oder -arzt zu Konferenzen zusammenführen. So kann durch eine Therapieanpassung eine weitere Verschlechterung, ein Krankenhausaufenthalt oder Schlimmeres verhindert werden. "Darüber hinaus bieten Anleitungsvideos Instruktionen für physiotherapeutische Einheiten. Der smarte Assistent wird zur zentralen Schnittstelle zwischen Arzt und Patienten", führte Brunnader aus.

In Deutschland wurde das System für ein neues telemedizinisches Versorgungskonzept (Elipfad) für die ersten sechs Wochen nach der Krankenhausentlassung ausgewählt. Es wird im Bundesland Nordrhein-Westfalen in den kommenden fünf Jahren - um rund 13 Millionen Euro - erprobt. Unter der Leitung der Uniklinik Köln, vier weiteren Kliniken (Aachen, Bochum, Dortmund, Münster) und etablierten Akteuren der deutschen Gesundheitsversorgung und -versicherung erwartet man sich eine signifikante Verbesserung der Betreuung multimorbider Patienten nach der Spitalentlassung. "Primäres Ziel ist eine 30-prozentige Verringerung der Rehospitalisierungen", sagte Brunnader gegenüber der APA, der das Versorgungsprojekt am Freitag im Rahmen des Netzwerktreffens des Austrian Health Forum im obersteirischen Schladming vorstellen wird.

Zentrale Komponente ist die Integration von Haus- und niedergelassenen Fachärzten, Krankenhausärzten, Fallmanagern und von Therapeuten, die auf die elektronische Patientenakte zugreifen und dort die erfassten Gesundheitsdaten einsehen können. Somit werde eine Struktur geschaffen, die Versorgungslücken bei Einweisung ins Krankenhaus und nach Entlassung verhindert.

Ermöglicht wird das innovative Projekt durch den Innovationsfonds des deutschen Gesundheitsministeriums, um neue Formen integrierter medizinischer Versorgung zu erproben. Mit der Einrichtung einer durchgängigen Versorgungskette will man Barrieren des konventionellen Gesundheitssystems überwinden, Lebensqualität für den Patienten gewinnen und letztlich auch dem Gesundheitssystem Kosten ersparen. "Ein zukunftsweisender Kongress wie das Austrian Health Forum könnte der Startschuss für ein ähnliches innovatives Projekt in Österreich sein. Unsere bewährten Förderstellen könnten sich dieser Thematik annehmen und maßgeblich die Schaffung dieser neuen Versorgungsform positiv vorantreiben", sagte Brunnader.

"Wir sind glücklich, dass unsere steirischen Clusterpartner Teil dieses wegweisenden Projektes sind. Digitalisierung kann helfen, die Patientenversorgung und die Effizienz der Gesundheitsversorgung zu verbessern. Der steirische Humantechnologie-Cluster unterstützt Unternehmen, die mithilfe von digitalen Innovationen eine bessere Patientenversorgung, insbesondere im Bereich des aktiven und gesunden Alterns, ermöglichen", betonte Johann Harer, Geschäftsführer des Humantechnologie-Clusters HTS, im Vorfeld der Präsentation gegenüber der APA.

Der Cluster selbst wird in Schladming auch gemeinsam mit der Forschungsgesellschaft Joanneum Research den Vorschlag präsentieren, eine österreichische Vorzeigeregion für innovative und integrierte Gesundheitsversorgung einzurichten. Mit "MOVE Styria" soll so eine Modellregion in der Steiermark entwickelt werden, in der die einzelnen Versorgungssektoren besser miteinander vernetzt und die Gesundheitsversorgung insgesamt flexibler, durchgängiger und damit fitter für künftige Herausforderungen gestaltet wird. Entwickelt wurde das Konzept von Health-Experten der steirischen Joanneum Research.

(Redaktionelle Hinweise: COMPLIANCE-HINWEIS - Diese Berichterstattung erfolgt im Rahmen einer Pressereise auf Einladung des Austrian Health Forums. Aufenthalt und Teilnahme am Kongress werden vom Veranstalter getragen, die Berichterstattung erfolgt unter unabhängiger redaktioneller Verantwortung der APA-Redaktion.)

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