Medien

Tunesien: Journalistengewerkschaft kündigt Generalstreik an

Für den 14. Jänner, den achten Jahrestag der Revolution, hat die tunesische Journalistengewerkschaft SNJT zu einem Generalstreik aufgerufen.

In Tunesien wird gestreikt und protestiert (Archivbild). SN/AP
In Tunesien wird gestreikt und protestiert (Archivbild).

Tunesien ist das einzige der Länder des Arabischen Frühlings, das sich von einer Autokratie zu einer liberalen Demokratie entwickelt hat. Allerdings sind die Lebensbedingungen der meisten Menschen aufgrund hoher Arbeitslosigkeit und steigender Inflation schlecht. Die nächsten Wahlen finden 2019 statt.

Die Selbstverbrennung eines Journalisten in Tunesien löste jüngst Proteste und Ausschreitungen in dem nordafrikanischen Land aus. Nach der Beerdigung des 32-Jährigen errichteten dutzende Demonstranten in der Nacht auf Dienstag in Kasserine im Westen des Landes eine Barrikade aus brennenden Autoreifen und blockierten die Hauptverkehrsstraße. Die Polizei setzte Tränengas ein. In der Nacht auf Mittwoch gab es auch in zwei weiteren Städten Proteste.

Die Proteste in Kasserine hatten kurz nach der Beerdigung des 32-jährigen Abdel Razaq Zorgi begonnen. Der Journalist war am Montagabend seinen Verletzungen erlegen, nachdem er sich aus Protest gegen die hohe Arbeitslosigkeit und die allgemeine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Region Kasserine angezündet hatte. In einem Video hatte er gesagt, er wolle eine Revolution starten. Kasserine liegt 270 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt.

Bei den Zusammenstößen in der Nacht auf Dienstag wurden nach Angaben des Innenministeriums sechs Sicherheitskräfte leicht verletzt. Neun Menschen seien festgenommen worden.

Am Dienstagmorgen beruhigte sich die Lage zunächst, doch am Nachmittag gab es wieder Proteste. Dutzende Demonstranten gingen auf die Straße, die Polizei setzte erneut Tränengas ein. Vor dem Gouverneurssitz kam es zu Straßenschlachten. In der Nacht auf Mittwoch gingen die Ausschreitungen weiter.

Auch in der Stadt Jbeniana im Osten und in Tebourba im Norden gab es in der Nacht Proteste. Nach Angaben von Behördensprechern wurden dabei in Jbeniana ein Polizist verletzt und in Tebourba mindestens fünf Menschen festgenommen. Das Innenministerium teilte mit, dass es im Zusammenhang mit der Selbstverbrennung in Kasserine eine Festnahme gegeben habe. Nähere Angaben machte das Ministerium nicht.

Die Selbstverbrennung eines tunesischen Gemüsehändlers hatte Ende 2010 den Arabischen Frühling ausgelöst. Am 17. Dezember 2010 hatte sich in Sidi Bouzid der junge Mohamed Bouazizi aus Verzweiflung über seine Lage angezündet und damit landesweite Proteste ausgelöst - auch in Kasserine.

Der Aufstand trieb im Jänner 2011 den langjährigen Machthaber Zine El Abidine Ben Ali aus dem Amt und inspirierte ähnliche Proteste in Ägypten, Libyen, Jemen, Bahrain und Syrien.

Aufgerufen am 20.10.2021 um 10:51 auf https://www.sn.at/panorama/medien/tunesien-journalistengewerkschaft-kuendigt-generalstreik-an-63098686

Kommentare

Schlagzeilen