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Verknüpfte Datensammlungen bei Facebook eingeschränkt

Das deutsche Kartellamt prescht vor, die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde wartet ab und beobachtet.

Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hält sich in der Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Kartellamt und dem sozialen Netzwerk Facebook hinsichtlich der Sammlung und Verknüpfung von Nutzerdaten vorerst zurück. "Wir sind derzeit dabei, die weiteren Schritte abzuklären. Ein Ermittlungsverfahren diesbezüglich wurde bisher nicht eingeleitet", sagte BWB-Pressesprecherin Sarah Fürlinger. Der Fall werde aber bereits seit Längerem beobachtet.

Das deutsche Kartellamt hatte am Donnerstag beschlossen, die Sammlung von Nutzerdaten durch Facebook einzuschränken, und hat dem US-Konzern hierzu "weitreichende Beschränkungen" auferlegt. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig.

Das deutsche Kartellamt hat Facebook die Datensammlung außerhalb des Online-Netzwerks zum Beispiel mit dem "Like"-Button untersagt, weil es darin einen unfairen Wettbewerb sieht. Facebook besitze in Deutschland eine marktbeherrschende Stellung und missbrauche diese, erklärte die Behörde.

Kern der Entscheidung ist das Verbot, die auf fremden Websites gesammelten Daten mit Informationen zusammenzuführen, die bei den Nutzern auf der Plattform des Online-Netzwerks selbst erhoben werden. Die Behörde betrachtet dabei auch zum Konzern gehörende Apps wie Instagram und WhatsApp als Drittquellen. Facebook könne dort zwar weiterhin Daten sammeln - aber dürfe sie nicht mit seinen Nutzerprofilen verknüpfen.

Das Online-Netzwerk hat zwölf Monate Zeit, sein Verhalten zu ändern, und muss innerhalb von vier Monaten Lösungsvorschläge präsentieren. Facebook kann Beschwerde einlegen und kündigte dies bereits an. Der Fall könnte durch die Verknüpfung von Datenschutz und Wettbewerbsaufsicht wegweisend werden - und jahrelang durch die Instanzen gehen.

Ein zentraler Kritikpunkt der Wettbewerbshüter aus Bonn ist, dass man der Datenerhebung "als Gesamtpaket" zustimmen muss, um Facebook überhaupt nutzen zu können.

Die anderswo gesammelten Daten verknüpfe Facebook dann mit Informationen über die Nutzer von der Plattform selbst und biete dadurch Nutzern und Werbekunden ein besseres Service. Dadurch könne sich der Nutzer der Zusammenführung der Daten nicht entziehen - weil er angesichts der Marktmacht wenig Alternativen zu Facebook habe. Das Kartellamt plant kartellrechtliche Leitplanken für eine Internetökonomie.

Entscheidend werde sein, wie man den Markt für soziale Netzwerke überhaupt definiere. Dies sei nicht so eindeutig wie bei klassischen Industrien.

Facebook gibt zu bedenken, die auf fremden Websites erhobenen Daten würden auch zur Sicherung der Plattform genutzt - zum Beispiel, um gefälschte Accounts zu entdecken. Der Austausch von Daten zwischen verschiedenen Diensten des Facebook-Konzerns sei wiederum nötig, um sie überall zu löschen.

Quelle: SN, Apa, Dpa

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