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Wenn Jürgen Klopp tobt

Eine neue Engine, eine verbesserte Optik und eine Einzelspielerkampagne: "Fifa 17" will endlich alles anders machen. Wir verraten, ob der Versuch geglückt ist.


Es ist fast schon zu einer Art Tradition geworden: Kaum ist eine neue Ausgabe des Sportspiels "Fifa" erschienen, wird geschimpft - besonders emotional in den Foren des Internets. Von Geldmacherei und Abzocke ist meist die Rede, weil sich spielerisch nichts ändern würde. Ein Game ohne Innovationen, wieder und wieder vermarktet. So der Vorwurf.

Aber auch wenn Features gestrichen werden, stößt das der Fangemeinde sauer auf. Es allen recht zu machen, ist wahrlich nicht leicht. Auch gegen das kürzlich erschienene "Fifa 17" wird im Netz wieder ordentlich gewettert. Allerdings zu Unrecht. Zum ersten Mal wird die Simulation heuer von der leistungsstarken Frostbite-Engine ("Battlefield") unterstützt. Die lässt das Fußballspiel optisch makelloser aussehen denn je. Und sie liefert fantastische Details: realistische Flutlichter, Schweiß auf Trikots und Kondenswölkchen bei Kälte. Man Erhält Zutritt zum Spielertunnel, in die Mannschaftskabinen, die Trainerbüros. Sogar Flugzeuge sind am Himmel zu erkennen. Während man die Spieler früher oft nur anhand auffälliger Frisuren oder anderen Merkmalen erkennen konnte, sind jetzt auch die Gesichtszüge, die Mimik und die gesamte Bewegung authentisch. Selbst aus der Ferne lassen sich die Stars auf dem Spielfeld mühelos zuordnen. Fußball wie im Fernsehen ist es etwa, wenn Jürgen Klopp wild gestikulierend am Spielfeldrand tobt.

Herzstück des diesjährigen Spiels ist der neue Story-Modus "The Journey". Als Premier League-Nachwuchstalent Alex Hunter kann der Spieler dem Traum vom Leben als Fußballstar hinterherjagen. Hunter erlebt ein knallhartes Business mit allen Höhen und Tiefen. Erfolg und Misserfolg liegen hier dicht beieinander, das ist die Botschaft. "The Journey" ist ein gut erzähltes Fußballdrama. Ein toller Stoff mit spannenden Zwischensequenzen und einer glaubhaft erzählten Geschichte. Nach nur kurzer Zeit kann man sich mit dem Protagonisten identifizieren. Auch die Charaktere, die ihn auf seinem steinigen Weg begleiten, sind liebevoll und facettenreich gestaltet. So gibt es auch abseits des Fußballplatzes Situationen, etwa in der Familie oder im Freundeskreis, die vom Spieler immer wieder schwierige Entscheidungen abverlangen, die wiederum Einfluss auf bestimmte Ereignisse haben und von denen auch der Erfolg Mannschaft abhängt. "

icht jeder wird sich mit der Solo-Kampagne anfreunden können. Für viele ist Fifa nach wie vor ein soziales Ereignis, bei dem man sich mit Freunden trifft und misst. Frischer Wind für das sonst in den vergangenen Jahren weitgehend unverändert gebliebene Gameplay ist "The Journey" aber zweifellos - und vor allem für Einzelspieler sicherlich interessant.

Aber auch sonst hat sich auf dem Rasen einiges getan: Wie die Spieler agieren, wie sie sich in Zweikämpfen verhalten. Wie sie Standards ausführen und neue Angriffstechniken einsetzen. All das wirkt bedeutend realistischer. Die Bewegungen wurden feiner animiert, die Laufwege erweitert und auch die Abwehrreihen sind jetzt stabiler. Es gibt Mehrspieler-Läufe, Lauffinten, Laufverzögerungen und angetäuschte Läufe. Zudem bieten neue Angriffsoptionen mehr Möglichkeiten, Torchancen vorzubereiten und abzuschließen. Präzisere Steilpässe erhöhen den Druck auf den Gegner. Verbessert wurde auch die Ballphysik: Bälle verspringen sich oder prallen ab. Ballannahme, Dribbling, Physik und Verteidigung. Alles funktioniert jetzt flüssiger, auch realistischer.

Mehr Kontrolle hat der Spieler auch bei den Freistößen, Elfmetern und Ecken. Mittels Fadenkreuz kann er genau bestimmen, wohin der Ball fliegen soll. Damit werden die Standardsituation, die früher eher willkürlich ausgeführt wurden, zu echten Torchancen, was das Game in Sachen Taktik ungemein bereichert. Vor allem die Elfmeter waren bislang fast schon eine Tortur: Im Grunde wusste man nie genau, wohin das Leder fliegt. Lediglich die Schusskraft konnte bestimmt werden.

Jetzt kann sich der Spieler beim Anlauf frei bewegen und sich dem Ball aus verschiedenen Winkeln nähern. Außerdem kann er präzise bestimmen, in welche Ecke der Ball geschossen werden soll. Das Elfer-Schießen macht deshalb in der Ausgabe 17 viel mehr Spaß. Aber nicht nur spielerisch fühlt sich "Fifa 17" wirklich angenehm an. Auch die Zwischenphasen, wenn ein neues Spiel geladen wird, haben die Macher in Sachen Unterhaltung und Abwechslung optimiert. Konnte auf dem Trainingsfeld bislang immer nur ein Spieler gegen den Computer antreten, ist dies jetzt auch zusammen mit einem Freund möglich. Verschiedene Aufgaben verkürzen das Warten.

Fazit: "Fifa 17" macht alles richtig. Neue Features, eine verbesserte Optik und kluge Korrekturen im Spielablauf lassen Fußballherzen höher schlagen.

Info
Fifa 17
EA Sports
PEGI: 3
PS4 (Test), PS3, Xboc One, Xbox360 und PC

Quelle: SN

Aufgerufen am 24.09.2018 um 09:33 auf https://www.sn.at/panorama/medien/wenn-juergen-klopp-tobt-909529

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