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WhatsApp und mehr: Die Welt nach Facebook

Jugendliche setzten nicht mehr auf Facebook, sondern auf andere Dienste. Doch auch wenn aus Facebook "Oldbook" wird - dem Konzern entkommt der Nutzer nicht. Außer man setzt auf die Nummer eins für "Sexting".

Facebook ist uncool, out, schlicht völlig aus der Mode. Nein, soweit ist es noch nicht. Facebook ist nach wie vor die größte Social-Media-Plattform der Welt. Doch der "Nachwuchs" bricht weg: In der jüngsten Zielgruppe verliert Facebook sukzessive. Erst vor wenigen Monaten wurde bekannt, dass Facebook bei den 13- bis 16-Jährigen ein Drittel der Nutzer eingebüßt hat. "Facebook ist für diese Zielgruppe tatsächlich nicht mehr cool, da inzwischen auch Mama und Oma online sind", erläutert Matthias Rohrer, Medienexperte beim Wiener Institut für Jugendkulturforschung. Statt "Oldbook", wie die Plattform von Jugendlichen laut Rohrer gerne genannt wird, wird auf Vielfalt gesetzt: "Statt auf eine Plattform baut man auf eine Reihe von Diensten."WhatsApp und Instagram dominierenBesonders populär ist bekanntermaßen WhatsApp. Laut aktuellen Zahlen hat die App, mit der man etwa Texte, Bilder und Tonnachrichten austauschen kann, mehr als 600 Millionen Nutzer weltweit. "WhatsApp setzt auf benutzerfreundliche Gruppenkommunikation - und das noch weitgehend kostenlos (eine Jahresgebühr von 89 Cent kann anfallen, Anm.)."

Neben WhatsApp wird etwa die Foto-App Instagram auch in Europa immer populärer. Wer jedoch meint, durch die Nutzung von Instagram oder WhatsApp Facebook umgehen zu können, der irrt. Beide Dienste wurden vom US-Konzern aufgekauft.Snapchat und der Trend "Sexting"Eine von Facebook unabhängige Größe auf dem Markt ist Snapchat. Die App hat sich durch ein spezielles Konzept einen Namen gemacht: Die Fotos, die über die Smartphone-Anwendung verschickt werden, löschen sich nach einigen Sekunden selbst. "Deshalb ist Sexting, also das Verschicken von intimen Nachrichten oder Bildern, bei Snapchat ganz stark", beschreibt Rohrer. Laut einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts für Jugendkulturforschung nutzen bereits 20 Prozent der 14- bis 29-Jährigen in Österreich Snapchat. Doch dabei wird gerne eines außer Acht gelassen: "Es ist sehr simpel, das Foto zu speichern, bevor es automatisch gelöscht wird." Zudem können sich die Jugendlichen durch "Sexting" strafbar machen: Wenn etwa eine 15-Jährige Aufnahmen ihres Schambereichs macht und diese verschickt, verbreitet sie pornografisches Material. "Das fällt unter Paragraf 207a des Strafgesetzbuchs - auch wenn das Foto von einem selbst stammt", beschreibt die Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt. Wenn der Empfänger das Foto speichert, macht er sich ebenso strafbar. Dies sei aber nicht der einzige Grund, wieso Jugendliche auf "Sexting" verzichten sollten: "Man weiß nie, wo das Foto gespeichert wird und wer es wem weiterleitet", ergänzt Holz-Dahrenstaedt.iMessage, Yammer und AsanaWhatsApp, Instagram und Snapchat sind nicht die einzigen Kommunikationsapps, die stark auf dem Vormarsch sind. Die Apple-eigene Anwendung iMessage oder die auf firmeninterne Kommunikation ausgelegten Yammer und Asana seien ebenso zu beachten, sagt Michael Gattereder, Geschäftsführer der Agentur DigitalWerk. Dazu kommt die App Line, die neben Kurzmitteilungen noch Anrufe ermöglicht und Spiele bietet. "Für 13-Jährige sind Likes in diesen Diensten die Währung, nach der sie sich messen." Der Trend sei aber nicht grundsätzlich zu verurteilen. "Im Gegensatz zu Facebook kann man auf WhatsApp nur schwer gemobbt werden." Dennoch sei Vorsicht geboten, sagt Gattereder: "Was mit den persönlichen Daten passiert, die etwa WhatsApp sammelt, weiß niemand so richtig. Die Daten-Krake Facebook hat seine Tentakel noch verlängert."

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