Medien

Wie sich die Zeitungsbranche für die Zukunft rüstet

Von der Digitalsteuer werden auch die heimischen Medien profitieren. Parallel starten 15 Häuser ein gemeinsames Projekt.

Die Zeitungsbranche im Wandel. Was Fachmedien und Branchenkongresse seit Jahren propagieren, ist mittlerweile in Zahlen belegbar: 2016 waren - im Schnitt - vier Prozent der Abonnements heimischer Kaufzeitungen Digitalabos. Zwei Jahre später hat sich der Anteil mehr als verdoppelt - auf neun Prozent. Der Digitalisierungstrend soll nun weiter befeuert werden. Zum einen politisch: Vergangene Woche beschloss die Bundesregierung die Digitalsteuer. Eine Fünf-Prozent-Abgabe bei Onlinewerbung soll 25 Millionen Euro bringen. Davon sollen wiederum mindestens 15 Millionen in einen Fonds zur Förderung der Digitalisierung österreichischer Medien fließen. Und das wohl zusätzlich zur Presseförderung. Das Medienministerium reagierte zwar nicht auf eine SN-Anfrage. Dafür sagt Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Zeitungen: "Der Digitalisierungsfonds stellt eine sinnvolle Ergänzung der Presseförderung dar."

Parallel wollen sich die heimischen Medien aber auch im Verbund stärker digitalfit machen: 15 Medienhäuser - darunter die "Salzburger Nachrichten" - haben die Initiative Market-Place Austria gestartet. "Es geht uns um vier Themen - Consent, Vermarktung, Log-in und Media Payment", beschreibt Matthias Stöcher. Der frühere Anzeigenleiter des "Standard" ist operativ für das Projekt zuständig. Zunächst habe man an einer gemeinsamen Umsetzung der Richtlinien zur Datenschutz-Grundverordnung gefeilt. In naher Zukunft will die Initiative den Nutzern aber auch die Möglichkeit bieten, mit nur einem Profil bei allen 15 Medien ihre Abos zu bezahlen. Und sich mit nur einem Log-in bei den Medienhäusern und weiteren Partnern wie A1 anzumelden. Damit trage man ebenso der Registrierungspflicht für Nutzer von Onlineforen Rechnung, die die Regierung diese Woche auf den Weg gebracht hat.

Die Initiative verdankt ihren Namen aber einem weiteren Ansatz: Auf einem digitalen Marktplatz sollen Werbekunden direkt bei den Medienhäusern Onlineinserate programmatisch einbuchen können. "Eine österreichische Alternative zu den Angeboten von Google und Facebook", sagt Stöcher. In den "kommenden sechs Wochen" soll eine Entscheidung fallen, wie das Vorhaben konkret umgesetzt wird. In weiterer Folge soll der Market-Place auch eine eigene Rechtsform bekommen. Und das alles unter einer Prämisse: "Bestimmte Aufgaben können wir Medien nur noch gemeinsam lösen. Sonst können wir im Wettbewerb nicht überleben."

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