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Wie Spiele Weihnachten retten können

Brettspiel, Karten oder Konsole: Spiele sind eine besondere Herausforderung für zwischenmenschliche Kommunikation. Tipps, wie man das Maximale aus einem Spieleabend herausholt - und Dramen unter dem Weihnachtsbaum vermeidet.

Spiele können für eine Weihnachtsrunde Fluch oder Segen sein. SN/fotolia/stockfotos-mg
Spiele können für eine Weihnachtsrunde Fluch oder Segen sein.

Kurz nach der Bescherung. Der Nachwuchs besteht darauf, die Spiele, die er geschenkt bekommen hat, umgehend und ohne Widerrede auszuprobieren. Mama hat aber wenig Lust - und Opa spielt sowieso nicht gern. Das Spielvergnügen am Heiligen Abend kann schnell zum Fiasko werden. Wie mehrere Studien herausgefunden haben wollen, können (weihnachtliche) Spieleabende eine Gemeinschaft aber auch richtiggehend zusammenschweißen. Wie umgeht man den Streit um Würfel, Karten und Spielmännchen? Adele Liedl, Gesellschafterin der Spielzeugschachtel HandelsgesmbH und Inhaberin des gleichnamigen Geschäfts in Salzburgs Innenstadt beschäftigt sich berufsmäßig mit der Psychologie eines Spieleabends. Die richtige Planung beginne schon beim Kauf, sagt Liedl. "Man muss sich bewusst fragen, was die Beteiligten für ein Spielverhalten haben", sagt die 59-Jährige, die auch an der Organisation der Salzburger Spielecafés beteiligt ist. Es habe etwa wenig Sinn, Spiele nur für die Kinder selbst zu kaufen. "Kinder merken sofort, wenn den Eltern das Spiel nicht zusagt. Da geht dann bei der Vermittlung automatisch viel verloren." Ein weiterer Tipp für Eltern: Man sollte sich schon vor dem Heiligen Abend mit den Regeln von geschenkten Spielen auseinandersetzen, zum Beispiel mithilfe von Internetanleitungen. "So vermeiden Sie Reibereien am Abend selbst", ergänzt Liedl.

Doch was macht man, wenn es Spielteilnehmer gibt, die partout nicht verlieren können? In solchen Fällen rät Liedl zu kooperativen Spielen, also zu solchen, bei denen für ein gemeinsames Ziel gekämpft wird. Ein Beispiel sei das Spiel "Pandemie", bei dem die Teilnehmer ein Virus eindämmen müssten.

Ein weiterer entscheidender Faktor sei die Spiellänge. Sollten Familienmitglieder mit am Tisch sitzen, die nichts von Spielen hielten, sollten kürzere Aktivitäten gewählt werden - und solche, die jederzeit beendet werden könnten. "Es gibt Spiele, die ich sehr gut mit meinem 93-jährigen Vater spielen kann. Die dauern zehn oder 20 Minuten." Als Beispiel nennt Liedl das traditionelle "Tiroler Roulette", bei dem Kugeln durch einen Kreisel in Außenschalen getrieben werden. Ein weiterer Vorteil solcher Spiele sei, dass man sie stets neu starten könne - die Wahrscheinlichkeit sei also groß, dass jeder einmal gewinne. Spielemuffel könnten zudem gut über Spiele abgeholt werden, die an andere Aktivitäten gekoppelt seien - etwa Kochspiele. Dabei wird gleichzeitig gekocht und gequizzt.

Spieleklassiker wie "Activity" oder "Backgammon" verkauften sich generell gut. Daran hätten auch Smartphone-Games nichts geändert. "Wir beobachten sogar den Trend hin zu Spieleabenden, die bewusst nichts mit Technologie zu tun haben", beschreibt Liedl. Dennoch spricht laut Liedl ebenso nichts gegen (elektronische) Solospiele. Solche hätte es schon immer gegeben, etwa Tamagotchi oder den Zauberwürfel. "Es kann richtig gut tun, sich zurückzuziehen und sich allein zu entspannen." Dennoch biete sich vor allem der Weihnachtsabend für ein Gruppenspiel an - und zwar auf mehreren Ebenen: "Spielen bedeutet soziales Lernen. Nicht nur für das Spiel selbst, sondern für das ganze Leben."

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